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Nach EZB-Zinsentscheid: Gefahr von verschleppten Strukturreformen steigt

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5. Juni 2014 -

„Ein negativer Zins auf die Einlagen der Geschäftsbanken bei der Europäischen Zentralbank (EZB) wird kaum zur gewünschten Belebung der Kreditvergabe und des Interbankenmarktes führen“, kritisiert Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes, die heutige Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank.

Kemmer mahnt: „Die Folgen des negativen Einlagezinses sind mehr als ungewiss.“ Die EZB gehe nun davon aus, dass die Banken ihre überschüssige Liquidität stärker in Kreditvergabe lenken und nicht bei der Notenbank parken. Ob dieses Ziel durch einen negativen Einlagenzins erreicht werden könne, dürfe aber bezweifelt werden. Kemmer: „An Liquidität zur Kreditvergabe mangelt es im Eurosystem nicht. Es sind eher überschuldete Unternehmen bzw. hohe Kreditrisiken, die in den Peripherieländern eine Ausweitung der Kreditvergabe verhindern.“ Banken würden daher vermutlich entweder ihre Überschussliquidität weiter abbauen oder lieber Verluste durch den negativen Einlagenzins in Kauf nehmen, als zu hohe Risiken an anderer Stelle einzugehen – etwa durch zusätzliche Interbankenkredite. In Dänemark sei beispielsweise kein positiver Effekt auf die Kreditvergabe zu beobachten gewesen, nachdem die Notenbank negative Einlagezinsen eingeführt haben.

Die EZB hätte bei den Leitzinsen ihr Pulver trocken halten können, da die Wirtschaft im Euro-Raum inzwischen auf einen – wenn auch noch schwachen – Erholungskurs eingeschwenkt sei. Kemmer: „Auch die derzeit viel diskutierte Deflationsgefahr sehen wir kaum.“ Zumal die Arbeitslosigkeit im gesamten Euro-Raum seit Ende letzten Jahres leicht gesunken sei.

Geldpolitisch befinde sich der Euro-Raum aber nach wie vor in einer Ausnahmesituation. Kemmer: „Dies müssen wir immer wieder herausstellen. Investoren, Unternehmen, Konsumenten und der Staat dürfen sich nicht zu stark an das extrem billige Geld gewöhnen.“ Klar sei, dass die Geldpolitik auf Dauer kein geeignetes Instrument sei, die Wettbewerbsfähigkeit einzelner Euro-Länder zu stärken. „Ein geldpolitischer Kurswechsel bleibt deshalb mittelfristig unausweichlich“, so Kemmer.

Pressekontakt:
Dr. Kerstin Altendorf
Pressesprecherin
Bundesverband deutscher Banken
Telefon: +49 30 1663-1250

bankenverband.de/presse

 
 
 
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