10 Jahre nach Lehman – viel gelernt und viel verbessert

Aktuelles Stichwort

13.09.2018

von Dr. Markus Kirchner

Schwächen wurden sichtbar

Mit der Insolvenz von Lehman Bro-thers traten die Schwächen des Regu­lierungsrahmens für den Finanz­sektor deutlich zutage. Damit das Grundprin­zip der Marktwirtschaft – dass Unter­nehmen aus dem Markt aus­scheiden können, ohne dass der gesamte Markt gestört wird – auch im Finanzsektor wirken kann, bedarf es regulatorischer Vorkehrungen. Diese gab es zum da­maligen Zeitpunkt nicht. Die Krise ver­deutlichte zudem, dass der Finanz­markt, der von seinen Funk­tionen her grundsätzlich inter­national aufgestellt ist, rein national nicht angemessen reguliert werden kann. Aber auch ganz grundsätzliche Män­gel, wie zu wenig Transparenz und zu wenig Eigenkapi­tal, wurden sichtbar.

Die Reaktionen

Die wichtigste Lektion daraus war, dass die Ära des Nationalismus in der Regulierung der Finanzmärkte zu Ende ist. Die Entscheidungen der G20 im Jahr 2009 und die nachfolgenden Arbeiten des Financial Stability Board und des Baseler Ausschusses sind diesbezüglich wegweisend. Folgende Zahlen verdeutlichen dies in beein­druckender Weise: Der Baseler Aus­schuss hat in den zehn Jahren seit dem Beginn der Finanzmarktkrise (7/2008 – 7/2018) 49 neue Standards mit Vorgaben zur Bankenregulierung veröffentlicht. Zum Vergleich: In den 40 Jahren davor (7/1968 – 7/2008) wurden insgesamt nur 21 Standards veröffentlicht. Im Euro-Raum ist man zudem noch einen Schritt weiter ge­gangen und hat mit der Bankenunion einen einheitlichen Aufsichts- und Abwicklungsmechanis­mus geschaffen.

Das Ergebnis

Die Finanzmarktregulierung von heute ist kaum mehr vergleichbar mit der Zeit vor zehn Jahren. Die Banken – insbesondere auch die deutschen – sind deutlich stabiler. Die politisch vorgegebenen Haus­aufgaben wurden erledigt. Die Banken sind besser kapitali­siert, ha­ben das Risikomanage­ment ver­stärkt und die Liquiditäts­vorsorge verbessert. Aber auch der Rah­men, in dem Banken agieren, wur­de vor dem Hintergrund der Erfah­rungen vollständig erneuert. So gibt es heute neben einer ein­heit­lichen europäischen Aufsicht, die über deutlich mehr Eingriffs­befug­nisse verfügt, neue Gremien (den Europäischen Ausschuss für Sys­temrisiken und den Finanz­stabili­tätsrat), die die Risiken im Finanz­system bereits frühzeitig erkennen sollen. Dabei wird durch regel­mä­ßige Stresstests die Stabi­lität der Banken in Extremszena­rien ge­prüft. Sollten diese zahl­reichen Sicherungsstufen einmal nicht aus­reichend sein, verfügen Banken heutzutage über Sanie­rungs- wie auch Abwicklungspläne, die dabei helfen sollen, die Stabi­lität des gesamten Finanzmarktes trotz Schieflage eines Instituts zu erhalten.

Position des Bankenverbandes

Die Lehren aus der Krise sind ge­zogen, die neuen Regeln mit Mil­liardenaufwand von den Banken umgesetzt. Die Risiken etwa bei faulen Krediten müssen weiter re­duziert und mögliche neue Krisen­ursachen, wie z. B. hohe Staats­schulden, beo­bachtet werden.   

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