Bedeutung profitabler Banken für eine prosperierende Wirtschaft

Aktuelles Stichwort

Die Wirksamkeit von Finanz-, Geld- und Strukturpolitik hängt entscheidend davon ab, ob Banken die erforderlichen Finanzierungsleistungen zu wirtschaftspolitischen Maßnahmen zu passenden Konditionen bereitstellen können.

27.09.2018

von Dr. Markus Kirchner

Banken und Strukturwandel

Internationaler Handel und technischer Fortschritt bewirken einen permanen­ten Strukturwandel. Dabei müssen nicht nur die Arbeitskräfte von schrumpfenden zu wachsenden Indus­trien wechseln, son­dern auch das Kapital. Banken spielen in diesem Prozess eine entscheidende Rolle. So wird die Kreditvergabe an Unterneh­men mit schlechteren Aussichten zurückgefahren, um die so freiwerden­den Mittel für Investitionen neuer oder expandierender Unternehmen zur Ver­fügung stellen zu können. Wie gut Banken dazu beitragen, diesen Struk­turwandel zu gestalten, hängt unter anderem von ihrer Fähigkeit ab, Kre­ditausfälle zu tragen, letztendlich also von ihrer Profitabilität.

Banken und Geldpolitik

Profitabilität und Eigenkapitalaus­stat­tung des Bankensystems sind auch eng mit der Geldpolitik verbunden. So kann einerseits eine schwache Profita­bilität über die verringerte Fähigkeit zur Generierung von Eigen­kapital zu einer restriktiveren Kredit­vergabe führen und damit die Wirkung expan­siver geldpolitischer Maßnahmen schwächen. Der Zusammenhang zwischen der Geldpolitik und der Profitabilität der Banken ist besonders dann bedeutend, wenn Banken bereits über eine knappe Eigenkapital­aus­stattung verfügen – also eng am regu­latorisch geforderten Eigenkapital operieren – und darüber hinaus die Möglichkeit zur Aufnahme von Eigen­kapital über den Markt be­schränkt ist. In einem Umfeld niedri­ger Zinsen ist es somit denkbar, dass eine knappe Eigenkapitalaus­stat­tung der Banken zu einer Situation führt, in der die expansive Geldpo­litik zumindest in der längeren Frist nicht stimulie­rend, sondern restrik­tiv auf die Kreditvergabe wirkt.

Banken und Konjunkturzyklus

Die Kreditkosten der Unternehmen können auch von der finanziellen Verfassung der Kreditgeber beein­flusst werden. Dies ist insbeson­dere in einem Konjunkturab­schwung von Bedeutung. Wenn die Banken in einem wirtschaftlichen Abschwung Kreditausfälle erleiden, belastet dies die Eigenkapitalbasis und verringert tendenziell ihre Fähigkeit, Finanzmittel einzuwer­ben. Schwächere Banken werden dann bei ihrer Kreditvergabe wäh­lerischer werden. Ein schwacher Bankensektor, insbesondere mit geringer Profitabilität, würde so tendenziell einen Konjunktur­ab­schwung verstärken. Ein gesunder und profitabler Bankensektor wäre dagegen besser in der Lage, Kre­ditausfälle zu verkraften und da­durch die Unternehmen in der Rezession zu stützen.  

Position des Bankenverbandes

Ein starker und damit profitabler Bankensektor war und ist Voraus­setzung für eine nachhaltige Wirt­schaftsentwicklung. Die unkonven­tionelle Geldpolitik im Euro-Raum verdeckt diesen Zusammenhang. Deshalb muss jetzt eine Überprü­fung der Regulierung stattfinden, um unangemessene Regulierungs­vor­­gaben zu identifizieren und zu beseitigen. Dies wäre ein wichtiger Baustein hin zu einem stärkeren nationalen Banken­sektor.     

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