Aktuelles Stichwort Ausgabe 24 - 2019

Industriestrategie 2030 – Ja, aber…

Aktuelles Stichwort

Auslöser der Industriestrategie

Innovationen in allen Branchen ver­ändern die Bedeutung bisheriger Techniken und damit ganze Wirt­schaftszweige. Gleichzeitig verändert sich das globale Wirtschaftssystem: Nationalistische und protektionistische Strategien gewinnen an Einfluss. Deutschland und Europa haben noch keine strategische Antwort auf diese Herausforderungen. Vor diesem Hin­tergrund hat Bundeswirtschaftsmini­ster Peter Altmaier eine „Nationale Industrie­strategie 2030“ vorgelegt.

Ziele der Industriestrategie

Wirtschaftliche und technologische Kompetenz, Wettbewerbsfähigkeit und Industrie-Führerschaft auf nationaler, europäischer und globaler Ebene in allen relevanten Bereichen sollen ge­sichert bzw. wiedererlangt werden. Ziel ist dabei der schritt­weise Ausbau des Anteils der Industrie an der Bruttowertschöpfung auf 25 % in Deutschland und 20 % in der Euro­päischen Union bis zum Jahr 2030.

Dazu werden Kernfelder industrieller Kompetenz definiert; nationale Cham­pions sollen gebildet werden. Zwar zieht die Strategie direkte staatliche Interventionen nur ausnahmsweise, nur vorübergehend und nur in Fällen von grundlegender Bedeutung in Be­tracht, hält sie aber für eine Option. Konkrete Vorschläge für die Verbesse­rung der Rahmenbedingungen wirt­schaftlicher Tätigkeit in Deutschland allerdings fehlen. Der Dienstleistungs­sektor (in einer wissensbasierten Wirt­schaft zweifels­ohne nicht unwichtig) wird, genau wie alle Finanzierungs­fragen gar nicht betrachtet.

 

Position des Bankenverbandes

Die Initiative des Bundeswirt­schaftsministers greift die richtigen Themen zur richtigen Zeit auf. Die deutsche Industrie muss dabei mit ihrer Innovationskraft, ihrer Wert­schöpfung und ihrer Beschäftigung  im Zentrum der Überlegungen stehen. Ohne Zweifel benötigt Deutschland zur Bewältigung der anstehenden strukturellen Um­brüche industriepolitische Instru­mente. Aber moderne Industrie­politik sollte keine nationalen Champions schaffen, sondern Standortbedingungen, die einen fairen Wettbewerb erlauben, die Unternehmen zu Innovationen ermutigen und es ihnen erlaubt, in Deutschland international wettbe­werbsfähige Produkte und Dienst­leistungen herzustellen. Industrie­politik ist überfordert, zukunfts­fähige Technologien auszuwählen. Für eine erfolgreiche Umsetzung jeder industriepolitischen Strategie werden starke und profitable Ban­ken in Deutschland und Europa benötigt. Hierzu bedarf es in Deutschland der Beseitigung un­nötiger nationaler Belastungen für die Kreditwirtschaft, die Förderung digitaler Geschäftsmodelle und einer aktiven Standortpolitik. Für Europa bedeutet dies neue Impul­se für die Kapitalmarktunion zu geben, die Bankenunion zu vollen­den und eine wettbewerbsfähige Bankenregulierung zu sichern.

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Kontakt

Dr. Markus Kirchner

Bundesverband deutscher Banken e.V.

Associate Director

Tel. +49 30 1663 2250

markus.kirchner@bdb.de

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