Aktuelles Stichwort Ausgabe 27 - 2019: Neue Studie – Regulierung verfehlt Ziele und überfordert Verbraucher

Neue Studie – Regulierung verfehlt Ziele und überfordert Verbraucher

Aktuelles Stichwort

Seit Anfang 2018 erleben die Verbraucher in Deutschland, welche Ausmaße die „Schutzvorschriften“ im Bereich der Wertpapierberatung angenommen haben. Viele von ihnen haben dafür kein Verständnis. Prof. Dr. Stephan Paul und seine Mitarbeiter von der Ruhr-Universität haben sich dieser Thematik angenommen und eine Auswirkungsstudie vorgelegt.  

25.03.2019

von Dr. Markus Kirchner

Hintergrund und Aufbau der Studie

Mit Umsetzung der überarbeiteten euro­päischen Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente (MiFID II) wuchs und wächst die Kritik von Anlegern und Ver­braucherschützern. Verbunden ist hiermit immer die Frage, inwieweit die Neurege­lungen den Interessen dieser Zielgruppen zuwiderlaufen und damit auch dem Ziel eines besser informierten und interes­sierten Verbrauchers. Die aktuelle Studie von Prof. Dr. Paul analysiert deshalb die wohlfahrtsökonomischen Auswirkungen von MiFID II/ MiFIR und der PRIIPs-VO vor dem Hintergrund des Anleger- und Verbraucherschutzes. Dabei wurden Daten von bundesweit 153 Kreditinsti­tuten und 2.852 Kunden umfassend ausgewertet. Im Kern der Auswirkungs­studie steht die Kosten-Nutzen-Relation und damit die Frage, ob die aus den Neuregelungen erwachsenden Belas­tungen durch einen ausreichend hohen Nutzen(-zuwachs) kompensiert werden.

Die Kernergebnisse

Aus Sicht der Kunden lassen sich folgen­de Ergebnisse festhalten: Angesichts eines steigenden Zeitaufwands sind Kunden unzufrieden mit den Neurege­lungen. Besonders negativ werden die Neuerungen im Kontext des Telefonge­schäfts wahrgenommen. So stören sich 65 % der befragten Kunden an den Sprachaufzeichnungen. Sie sehen darin eine Gefährdung der Vertraulichkeit zwischen ihnen und dem Bankberater. Dies führt dazu, dass etwa die Hälfte der Kunden in Zukunft gänzlich von einer telefonischen Ordererteilung absehen will. Dies zeigt sich bereits jetzt an den Zahlen. So ist ein deutlicher Rückgang an telefonisch erteilten Orders festzustellen. Aktuell wird nur noch jede zehnte Order telefonisch erteilt. Damit einher geht der Wunsch von etwa dreiviertel der Kunden, auf die Auf­zeichnung ver­zichten zu können. Ähnlich negativ wird die Fülle an gesetzlich vorge­gebenen Informationen wahrgenom­men. Etwa sechs von zehn Kunden fühlen sich von der Menge an Infor­mationen überfordert. Zwei Drittel der Kunden haben angesichts der Informationsflut sogar den Überblick verloren und fühlen sich nicht besser aufgeklärt. Folglich wünschen sich 71 % der Kunden, auf Aufklärungen/ Informationen verzichten zu können. Besonders bedenklich ist, dass sich vor diesem Hintergrund etwa drei von zehn Kunden weniger stark am Kapitalmarkt engagieren wollen, was langfristig zu deutlichen Einschnitten im Bereich der privaten Altersvor­sorge führen kann. Damit werden wesentliche Ziele der MiFID II zu Lasten der Verbraucher verfehlt.

Position des Bankenverbandes

Anlegerschutz ist wichtig und sinn­voll. Er darf jedoch nicht dazu führen, dass Kunden entmündigt werden und sich von den Kapitalmärkten abwen­den. Dabei steht die Bedeutung guter und verständlicher Anlegerinforma­tionen außer Frage. Sie dürfen aber nicht zu einer Überforderung der Kunden führen. Auch darf Regulie­rung bestimmte Geschäftsmodelle nicht benachteiligen. Das gilt ins­besondere für das Telefongeschäft. Zudem sind professionelle Kunden weniger schutzbedürftig als Kleinan­leger. Dies muss sich auch bei den anlegerschützenden Anforderungen in MiFID II widerspiegeln.

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