Aktuelles Stichwort Ausgabe 4-2018

Blockchain, ICO, Kryptowährungen – Herausforderungen auch für den Gesetzgeber

Aktuelles Stichwort

In den aktuellen Diskussionen, die vor allem infolge der rasanten Preisentwicklung des Bitcoin in der breiten Öffent­lichkeit angekommen sind, werden Begriffe wie Blockchain, ICO und Kryptowährungen häufig synonym verwendet oder auch falsch zugeordnet. Dabei ist die Tokenisierung der eigentliche Schlüssel zum Verständnis.

02.03.2018

von Dr. Markus Kirchner

Am Kern vorbei diskutiert

Blockchain, ICO, Kryptowährungen –  die Diskussion mit diesen Schlagworten ist in vollem Gange. Dabei werden techno­logisches Potenzial sowie kon­krete  An­wendungsmöglichkeiten ver­mischt und häufig verkürzt betrachtet. Das allge­meine Bild ist unvollständig, was zur Folge hat, dass im Zusammen­hang mit ICO und Kryptowährun­gen der Fokus grundsätzlich auf spe­kulative Übertrei­bungen gerichtet und bezüglich Block­chain-basierter Aktivi­täten häufig nur die Frage nach dem rechtlichen Graubereich gestellt wird.

Die digitale Wertmarke

Im Kern beschreibt ein ICO (Initial Coin Offering) oder besser TGE (Token Generating Event) die Begebung einer digitalen Wertmarke. Dieser Token oder Coin kann durch seine Art der Codierung bestimmte Rechte und Pflichten darstellen, deren Ausübung durch den enthaltenen Code digitali­siert abgebildet wird. Die Basis dafür bildet häufig eine Blockchain. Diese ist dadurch gekennzeichnet, dass in sich un­veränderliche Informations­blöcke wie eine Kette verbunden sind und für jede neue Information ein neuer Block der „Kette“ hinzugefügt wird. Gebräuchlich, wenn auch nicht offiziell definiert oder abschlie­ßend, sind drei Arten von Wert­marken: Cash-Token (reine Krypto­währungen), Utility-Token (Zugang zu einer digitalen Nutzung oder Dienst­leistung) und Anlage-Token (reprä­sentieren Vermögens­­werte wie bspw. schuld­rechtliche Forderungen gegen­über Emittenten). Im Kern steht die Tokenisierung als konsequenteste Form der Digitali­sierung. Es ist die Mög­lichkeit, prin­zipiell jede vertrag­lich geregelte Austauschbeziehung mit einem Token und damit auto­ma­ti­siert abzubilden.

(Nahezu) unerschöpfliches Potenzial

Jede politische und regulatorische Befassung, die etwa (wie aktuell die BaFin) unter Verbraucher­schutz­aspekten völlig zu Recht Leitplan­ken einzieht, sollte gleich­zeitig das Potenzial dieser Techno­logie nicht verken­nen. Ein Blick nach vorne braucht nicht allzu viel innovative Vorstellungs­kraft, um zu erkennen, dass Tokenisierung in eine Vielzahl von Lebensbereichen Einzug halten wird: Wertpapier­transaktionen, Eigentumsüber­tragungen (z. B. im Immobilienbereich), Steuerzahlun­gen, Ver­siche­rungen, Han­del mit digitalen Gütern – kei­nem der Beispiele sind Grenzen gesetzt.

Position des Bankenverbandes

Im vorliegenden Koalitionsvertrag hat das Thema Blockchain zu Recht Eingang gefunden, greift jedoch zu kurz. Um die Chancen der Tokeni­sierung zu nutzen, heißt es jetzt zügig zu handeln, denn der inter­nationale Wettbewerb um die bes­ten Lösun­gen ist bereits in vollem Gange. Es bedarf poli­tischer wie auch regula­torischer Aufmerk­sam­keit, um die globale Wettbe­werbs­fähigkeit Euro­pas durch die Schaf­fung von not­wendigen Stan­dards und zukunfts­gerichteten rechtlichen Rah­men­be­dingungen zu sichern.

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