Frau im Gespräch mit Mann

Arbeitsmarkt: Frauen holen in hochbezahlten Berufen auf

Arbeitswelt

12.04.2021

Einer neuen Studie des RWI - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung zufolge hat die Beschäftigung von Frauen in Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zugenommen – besonders in hochbezahlten Berufen. So ist der Anteil von Frauen in den 20 Prozent der bestbezahlten Jobs seit Ende der 1980er Jahre um rund 75 Prozent bzw. 16 Prozentpunkte gestiegen, von 21 Prozent auf rund 37 Prozent. In Berufen mit geringeren Stundenlöhnen ist der Anteil von weiblichen Beschäftigten weniger stark gestiegen – von rund 42 Prozent auf knapp 52 Prozent. Der Anteil der Frauen im arbeitsfähigen Alter, die nicht berufstätig sind – im Jahr 1984 immerhin noch mehr als die Hälfte –, ist in diesem Zeitraum um 11,5 Prozentpunkte gefallen. 

Einkommensverteilung zugunsten der Männer

Allerdings sind Frauen nicht im gleichen Maße in der Einkommensverteilung aufgestiegen. Im oberen Fünftel der Einkommensverteilung hat sich der Anteil von Frauen nur von 20 Prozent auf 30 Prozent erhöht. Frauen sind also deutlich häufiger in hochbezahlten Berufen zu finden als Ende der 1980er Jahre, werden aber in diesen Berufen tendenziell schlechter bezahlt als Männer. Eine mögliche Erklärung dafür könne sein, so die Experten des RWI, dass Frauen häufig einen größeren Wert auf zeitliche Flexibilität legen, um Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen – und bereit sind, dafür auf Geld zu verzichten.

Mehr kognitive Tätigkeiten

Wenn die Berufe nach Tätigkeitsniveau statt nach Stundenlohn geordnet werden, ergibt sich folgendes Bild: In Jobs, in denen in der Regel vor allem kognitiv gearbeitet wird und nur wenige Routinetätigkeiten anfallen, ist der Anteil von weiblichen Beschäftigten von knapp 29 Prozent auf gut 42 Prozent gestiegen. In Berufen, die überwiegend durch Routinetätigkeiten geprägt sind, hat sich der Anteil an Frauen seit Ende der 1980er Jahre dagegen nur von rund 33 Prozent auf 36 Prozent erhöht. Bei der zunehmenden weiblichen Beschäftigung in hochbezahlten Jobs spielen soziale Kompetenzen offenbar eine wichtige Rolle: Besonders stark ist die Beschäftigung von Frauen in interaktiven Berufen angestiegen, etwa der Anteil von Lehrerinnen, Psychologinnen und Ärztinnen sowie von weiblichen Beschäftigten im Personalwesen und in der PR-Branche.

Diese Entwicklung könnte Frauen auch in Zukunft zugutekommen. Da sich kognitive und Nicht-Routine-Tätigkeiten schwerer automatisieren lassen als andere Jobs, dürften Arbeitsplätze von Frauen tendenziell weniger durch den technologischen Wandel gefährdet sein. Das gelte auch für eher einfache Dienstleistungsberufe, die von Hand ausgeübt werden, etwa für Friseurinnen, bei denen der Anteil von Frauen ebenfalls – wenn auch in geringerem Ausmaß – gestiegen ist.

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