Außenhandelsfinanzierung in Zeiten des Umbruchs

Der deutsche Exportboom basiert auf der Innovationskraft der hiesigen Unternehmen, setzt aber auch eine funktionierende Außenhandelsfinanzierung voraus, für die die Banken verlässlich sorgen. Allerdings wird das globale Umfeld für Export und Exportfinanzierung zunehmend komplizierter und wirft eine Reihe neuer Fragen für die Institute auf. Der Bankenverband hat vor diesem Hintergrund ein Positionspapier erstellt, in dem wesentliche Herausforderungen rund um das Thema Außenhandelsfinanzierung erläutert werden.

12.03.2019

von Martina Küster

Der Außenhandel ist ein zentraler Pfeiler der deutschen Wirtschaft: Fast 30 Prozent der deutschen Arbeitsplätze hängen direkt oder indirekt vom Export ab; in der Industrie ist es sogar mehr als jeder zweite Job. Umso wichtiger ist es, dass die Banken auch weiterhin eine verlässliche Finanzierung der Ausfuhren sicherstellen können. Gegenwärtig sieht sich die Außenhandelsfinanzierung allerdings vielfältigen Herausforderungen ausgesetzt – ob es sich um die im schnellen Wandel begriffenen Marktverhältnisse handelt oder um die Vielzahl an Regulierungsvorschriften, die die Banken bei jedem Geschäft beachten müssen. Zu den großen Themen zählen auch die geo- und klimapolitischen Herausforderungen und die (teils disruptiven) Veränderungen durch die Digitalisierung.

Herausforderungen für die Außenhandelsfinanzierung

Um die Außenhandelsfinanzierung in dieser „Welt des Umbruchs“ zukunftsfähig aufzustellen, bedarf es gemeinsamer Bestrebungen von Banken, Industrie und Politik. Die privaten Banken möchten dabei zukunftsrelevante Veränderungen identifizieren, Inhalte mitdenken und Lösungen umsetzen. Dafür hat der Bankenverband ein Positionspapier erarbeitet und sich intensiv mit folgenden Fragen auseinandergesetzt: Wie beeinflusst die geopolitische Situation die Finanzierung des Außenhandels? Welche Implikationen haben erhöhte regulatorische Anforderungen für die Außenhandelsfinanzierung? Welche Verantwortung tragen die Banken und die Industrie bei der Sicherstellung globaler „grüner Lieferketten“? Und nicht zuletzt: Werden unsere staatlichen Förderinstrumente dem durch die Digitalisierung veränderten Umfeld überhaupt noch gerecht?

Zu den gravierendsten Risikofaktoren für die Außenwirtschaft und damit auch für die Außenhandelsfinanzierung gehören nach wie vor eine mögliche Zuspitzung der Handelskonflikte mit den USA sowie die weltweite Tendenz zu Protektionismus, Abschottung und nationalen Alleingängen, wie sie unter anderem in der Sanktionspolitik der Vereinigten Staaten ihren Ausdruck findet.

Spezielle Herausforderungen für die Außenhandelsfinanzierung der deutschen Banken ergeben sich auch aus den regulativen Entwicklungen der letzten Jahre. Erhöhte Anforderungen an das Risikomanagement etwa führen zu strengeren Kreditwürdigkeitsprüfungen. Darüber hinaus wurden die für eine wirksame Prävention von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung international gültigen Mindeststandards zur Identifizierung von Neukunden stetig verschärft. Dies hat unter anderem zur Folge, dass die Aufrechterhaltung von bestimmten Korrespondenzbankbeziehungen oder die Vergabe von klein-volumigen Finanzierungen zunehmend unwirtschaftlich werden.

Auch der Klimaschutz hat unmittelbare Folgen für das Außenhandelsgeschäft der Banken. Der Finanzindustrie wird beim Übergang in eine nachhaltige Welt eine Schlüsselrolle, eine Art Katalysatorfunktion zugeschrieben: Sie soll die passenden Produkte und Finanzmittel für den angestrebten ökologischen Wandel bereitstellen und gleichzeitig den Transformationsprozess durch eine verantwortungsvolle Kreditvergabe unterstützen. Schon heute ist das effektive Risikomanagement von Umweltaspekten und sozialen Belangen von wesentlicher Bedeutung für die Banken, gerade auch für das Außenhandelsgeschäft.

Darüber hinaus verändern digitale Lösungen und neue Geschäftsmodelle die Anforderungen an den Export und die Exportförderung. Ganze Wertschöpfungsketten werden noch einmal neu geordnet, die Güterherstellung fundamental verändert.

Forderungen des Bankenverbands

Um die Finanzierung des Außenhandels zukunftssicher aufzustellen, sind vielfältige Herausforderungen zu meistern. Eine zentrale Forderung der privaten Banken in diesem Zusammenhang lautet, bei den anstehenden Entscheidungen das globale Level-Playing-Field im Auge zu behalten. Mit Blick auf die konkreten Auswirkungen von Regulierung auf die Außenhandelsfinanzierung muss unbedingt eine – vor allem europäische – Harmonisierung der Regelwerke angestrebt werden. In politisch schwierigen Zeiten und angesichts der weltweiten Tendenz zu mehr Protektionismus sind Deutschland und die EU außerdem angehalten, besonnen zu reagieren und die richtigen Antworten zu finden. Eine Spirale nationaler Abschottungsmaßnahmen gilt es in jedem Fall zu vermeiden. Zuletzt muss auch der Digitalisierung Rechnung getragen werden: Die bestehenden Instrumente der Außenhandelsförderung gehören angesichts sich ändernder Wertschöpfungsketten und Produktionsabläufe auf den Prüfstand gestellt und müssen gegebenenfalls modifiziert werden.

Partnerschaftlicher Dialog 

Die privaten Banken sind die wichtigsten Partner des deutschen Außenhandels: Fast 90 Prozent des Exports deutscher Unternehmen wird von ihnen begleitet. Für eine zukunftsfähige Außenhandelsfinanzierung sind jetzt wesentliche Weichenstellungen notwendig. Mit dieser Positionierung wollen die privaten Banken einen Beitrag zur politischen Diskussion um die künftige strategische Ausrichtung der Außenwirtschaftsförderung leisten und einen partnerschaftlichen Dialog anstoßen.

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