Berlin – Eldorado der FinTech-Startups

Geldreise durch Deutschland

Berlin scheint ein gutes Pflaster zu sein für Finanz-Startups – so genannte FinTechs: Mehr als 200 Gründer haben dort ihren Sitz, damit kann (noch) keine andere deutsche Stadt mithalten. Was den Standort so attraktiv macht, dem gehen wir im neuen Teil unserer Serie „Geldreise durch Deutschland“ nach.

Frankfurt, Leipzig, München: Diese Städte haben maßgebliche Bedeutung für Deutschlands Geldwesen – doch wie ist es um die Hauptstadt bestellt? Unsere Serie über wichtige Finanzschauplätze präsentiert heute: Berlin – das Eldorado der deutschen FinTechs.

Klar, Berlin ist seit der Wiedervereinigung 1990 Dreh- und Angelpunkt der deutschen Politik. Wenn es um die Wirtschaft ging, gab es lange Zeit jedoch vorwiegend Negativschlagzeilen. Selbst dem früheren Bürgermeister Klaus Wowereit fiel zu seiner Stadt vor 15 Jahren lediglich  ein: „Berlin ist arm, aber sexy.“ 

Inzwischen steht Berlin aber wirtschaftlich deutlich besser da und ist vor allem auch Hauptstadt der FinTech-Branche. FinTechs, das sind Unternehmen, die mit modernen Technologien neue Finanzdienstleistungen anbieten. Rund 700 davon gibt es mittlerweile in der Republik. Einer comdirect-Studie zufolge sitzen in Berlin fast genauso viele FinTech-Startups wie in den Städten auf Rang zwei bis vier zusammen: 228 Fintech-Gründer wählten Berlin als Standort, je 84 entschieden sich für München und Frankfurt und 67 ließen sich in Hamburg nieder. Ein Drittel der in Berlin beheimateten FinTech-Startups beschäftigt sich mit Immobilien. Es folgen Startups aus dem Finanzierungssektor und den Bereichen Payments (Bezahlmethoden) und InsurTech (Versicherungstechnologie). 

Die Gründerszene in Berlin floriert

Berlin reizt die Gründer vor allem wegen der Nähe zu Politik, Regierung und Branchenverbänden: Regulatorische Rahmenbedingungen sind für Startups von zentraler Bedeutung, wenn es um unternehmerischen Erfolg geht. Kein Wunder also, dass die Ideengeber möglichst nah am Geschehen sein und es gegebenenfalls auch beeinflussen wollen. 

Berlin besticht zudem mit den, im Deutschland-Vergleich, noch moderaten Büromieten und seinen wirtschaftlichen Chancen: So generieren Berliner Startups das meiste Venture Capital (also Risikoinvestitionen in eine Unternehmensidee). Auch deshalb wurden hier allein 2016 gut 60 neue Startups gegründet – innerhalb eines Jahres fast so viele, wie es in Hamburg insgesamt gibt.

Mit 664 Millionen Euro erhalten die Startups der Hauptstadt mehr als das Anderthalbfache des Wagniskapitals, das auf alle anderen deutschen Standorte zusammen entfällt. Zum Vergleich: Die Hamburger FinTech-Gründer bekamen im gleichen Zeitraum 213 Millionen, die Münchner 159 Millionen und die Frankfurter lediglich 25 Millionen Euro. 

Ein Hoch auf die Berliner Kulturszene

Berlin ist jedoch nicht nur wegen der vielen Kapitalgeber und der Nähe zur Politik so attraktiv. Die Gründer zieht es auch wegen der lebendigen Kulturszene in diese Stadt. Kreativität und Innovation sind in Berlin nämlich weiterhin an fast jeder Ecke spürbar. Ex-Bürgermeister Wowereit hat sein neues Buch darum durchaus treffend betitelt: „Sexy, aber nicht mehr so arm“.

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