arbeitende Menschen

Beschäftigungsperspektive durch Zeitarbeit

Arbeitsmarkt

14.12.2020

Zeitarbeit ist eine Möglichkeit, die Zeit bis zur nächsten Festanstellung durch ein temporäres Arbeitsverhältnis zu überbrücken, ihr kommt damit eine wichtige beschäftigungspolitische Funktion zu. Doch wie genau funktioniert eigentlich Zeitarbeit, was verbirgt sich hinter diesem Begriff? Wie es der Name schon andeutet, Zeitarbeit bedeutet „Arbeiten auf Zeit": Eine Arbeitnehmerin beziehungsweise ein Arbeitnehmer schließt einen Arbeitsvertrag mit einer Verleihfirma, woraufhin die Verleihfirma sie beziehungsweise ihn befristet bei einem oder mehreren Kunden (den Entleihern) einsetzt. Aus diesem Grund wird Zeitarbeit auch „Arbeitnehmerüberlassung“ genannt. Besonders häufig führen Zeitarbeiter/-innen zwar einfache Arbeiten aus, grundsätzlich aber gibt es alle Qualifikationsstufen und fast alle Tätigkeitsfelder in Form von Zeitarbeit. 

Gesetzliche Änderungen 2017

Im Jahr 2017 hat die Zeitarbeit eine erhebliche Veränderung in den gesetzlichen Rahmenregelungen erfahren. Seitdem müssen Zeitarbeitskräfte nach neun Monaten Einsatzzeit in einem Betrieb genauso entlohnt werden wie vergleichbare Stammarbeitskräfte („Equal Pay“) und dürfen im Regelfall zudem nur noch 18 Monate im gleichen Unternehmen eingesetzt sein. Die Idee dahinter war, einerseits Zeitarbeiter vor Ausbeutung, andererseits die Arbeitsplätze der Stammbeschäftigten vor der Konkurrenz durch Zeitarbeiter zu schützen. Wesentliche Arbeitsbedingungen, wie zum Beispiel die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall oder der Urlaubsanspruch, galten schon vorher auch für die Zeitarbeitskräfte. 

Umfrage des IW

Eine jüngst veröffentlichte Befragung des arbeitgebernahen Instituts der Deutschen Wirtschaft in Köln (IW) unter rund 8.300 Zeitarbeitskräften, die Ende 2018 und Anfang 2019 erfolgte, hat nun u.a. ergeben, dass zwei Drittel von ihnen im laufenden Einsatz bei einem Unternehmen entweder Equal Pay (15 Prozent) oder Zuschläge auf den Grundlohn (53 Prozent) erhielten. Rund ein Drittel der befragten Zeitarbeiter wurde im Jahr 2018 obendrein von einem Einsatz abgemeldet, obwohl sie dort gern länger geblieben wären. In etwa 40 Prozent der Fälle wurde ihnen dafür das Erreichen der Höchstüberlassungsdauer als Grund genannt. 

Gerade in der Corona-Pandemie drohe diese Regelung manchen Zeitarbeiter direkt in die Arbeitslosigkeit zu schicken, obwohl seine aktuelle Entleihfirma ihn weiter beschäftigen würde, warnen die Autoren des IW. Sie plädieren dafür, die Höchstüberlassungsdauer in der Krise temporär auszusetzen. Insgesamt aber, das zeigt eine weitere Untersuchung auf Basis von Daten der Bundesagentur für Arbeit, hat die Corona-Pandemie in der Zeitarbeit bisher nicht so tiefe Spuren hinterlassen, wie man es angesichts des Einbruchs in manchen Teilen der Wirtschaft hätte erwarten können. Schon vor Corona waren unter anderem wegen der schwächelnden Konjunktur weniger Menschen in der Zeitarbeit sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Im Frühjahrs-Lockdown verschärfte sich diese Entwicklung zunächst, ein Teil des Rückgangs konnte inzwischen aber wieder aufgeholt werden. 

Zurück zur Umfrage: Für sechs von zehn Beschäftigten in der Zeitarbeit war die Beendigung oder Vermeidung von Arbeitslosigkeit das Motiv, ein Arbeitsverhältnis bei ihrem aktuellen Zeitarbeitsunternehmen aufzunehmen. Personen ohne eine abgeschlossene Berufsausbildung gaben dieses Motiv am häufigsten an (64 Prozent), es spielte aber auch für jede zweite akademisch qualifizierte Zeitarbeitskraft eine Rolle. Vier von zehn Zeitarbeitskräften wiederum können sich nach eigenen Angaben vorstellen, dauerhaft in der Arbeitnehmerüberlassung tätig zu sein. 

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