Bitcoin: Es könnte mit einem Crash enden

Die Kryptowährung Bitcoin eilt derzeit von einem Allzeithoch zum nächsten und zieht damit das Interesse von Investoren auf sich. Doch Vorsicht ist geboten. Die neue Cyberwährung birgt viele Unbekannte, und nimmt das Herdenverhalten erst überhand, ist der Absturz oft nicht weit.

13.12.2017

von inter/esse-Redaktion

Die Kursentwicklung des Bitcoin kennt momentan nur eine Richtung: steil nach oben. Die Kryptowährung eilt von einem Allzeithoch zum nächsten und hat im zurückliegenden Jahr rund 1700 Prozent gut gemacht. Wen wundert es da, dass davon scharenweise Investoren angelockt werden – gerade in Zeiten ultraniedriger Zinsen. Doch Vorsicht ist geboten. Die völlig neue Art einer digitalen Internetwährung birgt viele Unbekannte. Historisch ist hingegen die Erfahrung: Wenn das Herdenverhalten überhandnimmt, ist der Absturz meist nicht weit.

Seit dem 11. Dezember gibt es das erste Finanzprodukt, mit dem Bitcoins an regulierten Börsen gehandelt werden können. Mit dem Future ist es möglich, auf steigende oder fallende Kurse zu setzen, selbst wenn der Anleger nicht im Besitz eigener Bitcoins ist. Am ersten Börsentag in Chicago wurde der Terminkontrakt so lebhaft gehandelt, dass sein Preis mehrmals in die Höhe schoss und der Handel deshalb zeitweise ausgesetzt werden musste.

Experten fürchten, dass die geplante Platzierung weiterer Bitcoin-Finanzprodukte an US-Börsenplätzen zu neuerlichen Marktverwerfungen führen könnte. Bitcoin sei keine Währung, sondern ein spekulatives Produkt, meinte etwa EZB-Ratsmitglied und österreichischer Notenbank-Gouverneur, Ewald Nowotny. Er brachte damit eine mögliche Regulierung von Cyber-Währungen ins Spiel. Eine potenzielle Gefahr für die Stabilität der Finanzmärkte sieht Nowotny, wenn sich zunehmend Menschen verleiten lassen, Kredite aufzunehmen, um sich damit an der Bitcoin-Spekulation zu beteiligen. Schon jetzt bestehe zudem die Sorge, dass digitale Währungen zur Geldwäsche oder anderen illegalen Finanztransaktionen genutzt werden. Auch die Deutsche Bundesbank hatte kürzlich vor der Unberechenbarkeit der Kryptowährung gewarnt.

Bitcoins werden weder von Regierungen noch Zentralbanken herausgegeben. Die Währung wurde vielmehr von einer oder mehreren Privatpersonen unter dem Pseudonym „Satoshi Nakamoto“ entwickelt und basiert auf der sogenannten Blockchain-Technologie. Deren Nutzen ist für andere Anwendungsfälle im Kontext dezentraler Buchungs- und Beurkundungsvorgänge längst erkannt. Ein Vorteil ist, dass dabei alle Transaktionen in der Blockchain für die Marktteilnehmer transparent gespeichert werden. Die Anhänger der Cyber-Währung versprechen sich davon eine hohe Fälschungssicherheit. Mittlerweile findet Bitcoin als Zahlungsmittel jedoch kaum noch Verwendung. Viele hoffen eher  darauf, dass Bitcoin, ähnlich wie Gold, irgendwann den Nimbus einer krisensicheren Anlageklasse erlangt.

Tatsächlich haben Gold und Bitcoin einige Gemeinsamkeiten. So sind beide Investments auf „Wertaufbewahrung“ ausgelegt, nicht darauf, eine realwirtschaftliche Rendite zu erzielen. Die Spekulation der Nachfrager richtet sich darauf, beim späteren Verkauf in Relation zum Kaufpreis einen Gewinn zu erlösen. Beide Investments ziehen ihren Wert auch aus dem Umstand, dass sie sich nicht beliebig vermehren lassen.

Während Gold das Argument auf seiner Seite hat, dass es selbst über Jahrtausende hinweg nie wertlos wurde, lässt sich dies von der noch sehr jungen Digitalwährung natürlich nicht behaupten. Hier versetzt zunehmend der Glaube an eine zukünftige Wertsteigerung die Berge. Gold hat als Edelmetall zudem in der realen Welt immer auch einen Wert an sich, der auf seinen Materialeigenschaften und vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten beruht. Neben dem nahezu unvergänglichen Platz in der Blockchain bleibt einem Bitcoin-Besitzer im Falle eines crashbedingten Totalverlusts hingegen allenfalls eine „virtuelle“ Erinnerung.


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