Bits und Bytes statt Container

Weltwirtschaft

Die Globalisierung verändert ihr Gesicht: Durch die Digitalisierung werden Datenströme immer wichtiger. Teilweise macht der Datentransfer den Güterhandel sogar überflüssig.

Die Welthandelsorganisation WTO und das McKinsey Global Institut (MGI), Denkfabrik der gleichnamigen Unternehmensberatung, haben jüngst auf die spürbar wachsende Bedeutung globaler Datenströme hingewiesen. Dass die Globalisierung im 21. Jahrhundert zunehmend durch Daten- und Informationsflüsse geprägt wird, hatte das MGI schon vor zwei Jahren beschrieben, jetzt hat das Institut mit einer neuen Studie (Globalization in Transition: The Future of Trade and Value Chains) nachgelegt und untersucht, wie die Digitalisierung des Welthandels auch die globalen Lieferketten multinationaler Konzerne verändert.

Globale Lieferketten werden neu gestaltet

Das Ergebnis deckt sich mit den Beobachtungen der WTO: Globale Lieferketten werden durch grenzüberschreitende Datenströme und neue Technologien wie digitale Plattformen, das Internet der Dinge und Künstliche Intelligenz neu gestaltet, heißt es in der MGI-Studie. Eine Folge sei, dass die Intensität im Güterhandel zurückgehe, während der Handel mit Dienstleistungen um 60 Prozent schneller wachse als der Warenverkehr. Allein zwischen 2013 und 2015 hat sich nach Angaben des MGI der grenzüberschreitende Datenverkehr rund um den Globus auf 290 Terabits pro Sekunde fast verdoppelt. Dieser Trend habe sich in den vergangenen drei Jahren noch verstärkt und das Gesicht der Globalisierung dramatisch verändert.

3D-Drucker statt Güterexport

Durch die Digitalisierung würden nicht nur die Kosten des internationalen Handels spürbar gesenkt, bestätigt die WTO, der breite Einsatz digitaler Technologien führe auch zu einem Rückgang im Handel mit heute digitalisierbaren Gütern. Hintergrund: In vielen Fällen genügt es heute, über das Internet Konstruktionsskizzen oder Baupläne zu versenden, sodass das Endprodukt dann vor Ort beim Kunden passgenau hergestellt werden kann. Es müssen also nicht mehr unbedingt fertig erstellte Industrieanlagen, Maschinen, Werkzeuge oder Fahrzeuge von Deutschland in alle Weltregionen verschifft werden, teilweise macht der Datentransfer den Güterhandel überflüssig. 3D-Drucker werden in einem gewissen Maße die traditionellen Produktionsmethoden der Industrie ersetzen, sagt die WTO voraus. Umso dringlicher ist nach Meinung der WTO eine weltweite Regulierung der digitalen Handelsströme. Dabei komme es vor allem auf globale Vereinbarungen über das geistige Eigentum und die Datensicherheit an.

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