Bye-bye, Bargeld? In den USA sind Karten Zahlungsmittel Nummer eins

Unsere Serie dreht sich um das bargeld- und kontaktlose Zahlen auf der ganzen Welt – mit zum Teil überraschenden Erkenntnissen. So ist in Afrika das Zahlen per Handy weit verbreitet, während in skandinavischen und asiatischen Ländern die Reduzierung des Bargelds im Fokus steht. Der vierte Teil unserer Serie führt in die USA.

Ob Technik, Medizin oder Musik: Viele Trends kommen aus den USA – die Vereinigten Staaten scheinen meist einen Schritt voraus zu sein. Ist das beim bargeld- und kontaktlosen Zahlen ebenso? Wer schon mal in New York oder Los Angeles war, der weiß, dass viele dort selbst für einen Schokoriegel im Wert von 80 Cent gern die Kreditkarte zücken.

Diese Art des Zahlens hat Vorteile – nicht nur, weil es zeitaufwendiges Wühlen nach Münzen vermeidet, sondern auch wegen der komplizierten Preisgestaltung. In den Vereinigten Staaten wird die Mehrwertsteuer erst beim Bezahlen hinzugerechnet, die Preisangaben sind dementsprechend überall mit Nettowert angegeben. Zudem gelten nicht nur je nach Staat verschiedene Sätze für die „Sales Tax“, sondern mitunter auch noch lokale Sonderabgaben. Das macht es noch schwerer, vor der Kasse schon den Barbetrag für ein Kaugummipäckchen zusammenzusuchen.  

Visa will Bargeld noch weiter zurückdrängen

Darüber hinaus hat das bargeldlose Bezahlen viele mächtige Unterstützer: Im Sommer 2017 startete der Kreditkartenanbieter Visa die Initiative „Cashless Challenge“. Das Unternehmen zahlt Prämien an Bars, Restaurants, Cafés und Foodtrucks, wenn sich diese verpflichten, keinerlei Bargeld mehr von Kunden anzunehmen. 

Die US-Gesetze versalzen den Plan jedoch. Denn dort ist geregelt, dass man Schulden jederzeit mit offiziellen Zahlungsmitteln, also auch Bargeld, begleichen kann. Geht das Restaurant mit der Zubereitung des Essens in Vorleistung, muss der Gast am Ende diese Schuld begleichen. Somit hat er das Recht, dies auch bar zu tun.

Nichtsdestotrotz sind Kartenzahlungen im Vergleich zu vielen anderen Ländern extrem verbreitet. So wurden in den USA 2015 rund 3,1 Billionen US-Dollar (umgerechnet etwa 2,5 Billionen Euro, Zahlen laut US Census Bureau und Nilson Report) mit Kreditkarten beglichen. Zum Vergleich: In Deutschland waren es im gleichen Jahr „nur“ 85 Milliarden, so eine Studie der Bundesbank. Pro Kopf gerechnet sind die Kreditkartenumsätze eines US-Amerikaners damit im Schnitt mehr als siebenmal so hoch wie die eines Menschen hierzulande. 

Vergleichsweise geringe Summen (umgerechnet 33 Milliarden Euro) wurden 2016 in den USA noch per Smartphone bezahlt. Dass Mobile Payment Zukunft hat, zeigen jedoch die neuesten Zahlen: 2017 hatte sich die Summe gegenüber dem Vorjahr bereits auf umgerechnet rund 65 Milliarden Euro verdoppelt. 

Derzeit nutzen knapp 50 Millionen Menschen in den USA mobile Bezahlmethoden, das entspricht 15 Prozent der Gesamtbevölkerung. Zum Vergleich: In China sind es bereits 20 Prozent, in Deutschland keine 2 Prozent.

Zersplitterter Markt beim digitalen Zahlen

Anders als in den meisten asiatischen Ländern nutzen US-Amerikaner oftmals Shop-eigene Apps, beispielsweise von Wal-Mart, Starbucks oder McDonald’s. Unter den Angeboten der großen Tech-Firmen liegt laut einer repräsentativen Umfrage PayPal ganz weit vorne. 76 Prozent der Befragten setzen auf die App. Abgeschlagen auf Rang zwei: Amazon Payments (24 Prozent). Google Wallet, Apple und Android Pay liegen alle nur bei etwa zehn Prozent.  Mehrfachnennungen waren bei der Umfrage möglich. Der Markt ist also deutlich zersplitterter als etwa bei den nordeuropäischen Vorreitern Schweden und Dänemark – und insgesamt haben die USA beim kontaktlosen Zahlen durchaus noch Nachholbedarf. 

Diese Webseite nutzt Cookies, um bestimmte Funktionen zu ermöglichen und das Angebot zu verbessern. Indem Sie hier fortfahren, stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.