Bye-bye, Bargeld? Deutschland ist sich (noch) nicht sicher

In unserer Serie beleuchten wir das bargeld- und kontaktloses Zahlen auf der ganzen Welt: Nach Stationen in Asien, Afrika, Skandinavien und den USA schauen wir zum Schluss nach Deutschland: Was tut sich hierzulande an den Kassen?

Wir Deutschen lieben unser Bargeld. Eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers zeigt, dass fast drei Viertel der Deutschen nach Möglichkeit am liebsten mit Cash bezahlen. An Kassen und Automaten (ja, selbst da!) erfolgen rund 80 Prozent der Zahlungen mit Münzen und Scheinen. Da überrascht es nicht, dass in keinem anderen Land der Eurozone die Menschen so viel Bargeld mit sich tragen wie bei uns: Durchschnittlich 107 Euro haben die Deutschen im Portemonnaie, so die neuesten Zahlen der Bundesbank.

Während die Kreditkarte für US-Amerikaner das Zahlungsmittel Nummer eins ist, hat sie in Deutschland längst nicht die gleiche Bedeutung. Der Grund: Hierzulande hat sich die girocard (früher ec-Karte) als Zahlungsmittel durchgesetzt. Im Unterschied zur Kreditkarte wird hier direkt über das eigene Girokonto verfügt. Laut einer Studie aus dem Jahr 2015 besitzen 95 Prozent der Bürger eine girocard, insgesamt sind über 100 Millionen Karten im Umlauf. 

Seit 2010 hat sich aber auch das Umsatzvolumen mit Kreditkarten mehr als verdoppelt. Im Jahr 2016 lag es laut Bundesbank bei mehr als einer Milliarde Euro (zum Vergleich: mit girocard waren es knapp drei Milliarden). Das liegt zum einen am wachsenden Online-Handel; zum anderen hat die EU die Gebühren gedeckelt, die Kreditkartenunternehmen den Händlern in Rechnung stellen dürfen. Übrigens: Seit Januar 2018 dürfen wiederum die Händler auch von Verbrauchern keinen Aufschlag mehr für Kreditkartenzahlungen nehmen. 

Technisch ist kontaktloses Zahlen kein Problem… 

Auch kontaktloses Bezahlen ist inzwischen in vielen deutschen Geschäften möglich: 15 Prozent der Einzelhändler bieten den Service bereits an, weitere 11 Prozent planen aktuell den Einsatz. Wer auf die Art bezahlen möchte, benötigt lediglich eine girocard oder Kreditkarte mit NFC-Chip. Die Abkürzung bedeutet „Near Field Communication“ und bezeichnet einen neuen Funkstandard für drahtlose Datenübertragung zwischen zwei Geräten, die sich nah beieinander befinden. Kunden müssen ihre Karten an der Kasse also nicht mehr in ein Lesegerät stecken, sondern lediglich davor halten. 

Auch per Smartphone und passender App ist das kontaktlose Bezahlen möglich. Doch die meisten Deutschen halten an altbewährten Zahlmethoden fest. Laut einer Statista-Umfrage haben neun von zehn Befragten noch nie mit ihrem Smartphone bezahlt – wobei jeder Dritte es sich künftig zumindest vorstellen kann. Nur zwei Prozent der Deutschen nutzen aktuell das Handy für Zahlungen. Zum Vergleich: In China sind es bereits 20 Prozent.   

… doch viele Deutsche sind noch skeptisch

Woher kommt diese Zurückhaltung? Vor allem liege es an den Sicherheitsbedenken hierzulande, sagen Experten laut einer Umfrage von Statista. Erst mit deutlichem Abstand nennen die Befragten demnach fehlende Bekanntheit oder Widerstände der Händler, die Technik einzuführen. Auch die Studie von PricewaterhouseCoopers belegt, dass uns Deutschen Sicherheit und Datenschutz am wichtigsten sind. Erst dann folgen Faktoren wie einfache und schnelle Handhabung sowie geringere Kosten als bei anderen Zahlmethoden.  

Banken genießen das höchste Vertrauen

Wenn es um die Sicherheit geht, vertrauen die Befragten ihrer Bank mehr als allen anderen Anbietern. Zu letzteren zählen diverse Bezahl-Apps genauso wie verschiedene Supermarktketten, bei denen man direkt mit der shop-eigenen App zahlen kann. Diese ist meist mit einer Kreditkarte verbunden. An manchen Flughäfen, zum Beispiel in München und Frankfurt, kann man zudem bereits die asiatischen Bezahl-Apps Alipay und WeChat Pay nutzen. Allerdings ist der Netzempfang in Shoppingcentern oder Supermärkten oft störanfällig, was das kontaktlose Zahlen (noch) erschwert.  

Auch wegen solcher Infrastrukturmängel kommt beispielsweise das Fachmagazin Computerwoche zu dem Schluss, dass Mobile Payment in Deutschland noch „in den Kinderschuhen“ stecke. Doch je besser die Netzverbindungen werden, desto mehr dürfte sich das mobile Zahlen verbreiten. Und da vor allem junge Leute intensiv ihre Smartphones nutzen, wird auch die Akzeptanz in den kommenden Jahren steigen. Eins ist jedoch klar: Sicherheit steht für die Deutschen an erster Stelle – auch und gerade, wenn es um ihr Geld geht.

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