Bye-bye, Bargeld? Kenia – Pionier des mobilen Bezahlens

Während sehr viele Deutsche nach wie vor mit bargeld- und kontaktlosem Bezahlen fremdeln, sieht es in Afrika ganz anders aus: Hier haben Kenia und Co. eindeutig die Nase vorn – und dazu braucht es nicht einmal moderne Technik. 

In unserer Serie beleuchten wir das bargeldlose Zahlen auf der ganzen Welt. Allerorten gibt es Veränderungen, selbst Kirchen und Obdachlose sammeln ihre Kollekten oder Spenden inzwischen auf digitalem Weg. Nachdem uns die ersten beiden Teile nach Skandinavien und Asien geführt haben, geht es nun auf den afrikanischen Kontinent – zu Pionieren des Bezahlens per Handy.

Während sich in großen Teilen der Welt mobile Zahlungen erst langsam etablieren, hat dieses Modell in Afrika im vergangenen Jahr bereits seinen zehnten Geburtstag gefeiert. Denn für das Zahlen per Handy ist kein hypermodernes Smartphone nötig. Auch alte Geräte ohne Internetzugang sind ausreichend – sie müssen nur SMS senden und empfangen können. 

Alles fing in Kenia an, mit „M-Pesa“. Das „M“ steht für mobil, „Pesa“ heißt auf Suaheli Geld. Mit diesem Service von Safaricom und dem Mobilfunkanbieter Vodafone konnte man zunächst Mikrokredite per Handy vergeben, also kleine Darlehen von meist nur wenigen Euro. Der Service wurde 2007 durch eine Bezahlfunktion erweitert. Seitdem kann man Geld von Handy zu Handy schicken, Überweisungen tätigen und sogar eine Art Sparkonto auf seinem Mobilgerät einrichten. Inzwischen ist der Dienst unter anderem auch in Tansania, Südafrika, der Demokratischen Republik Kongo, Mosambik, Ägypten und Lesotho verfügbar. Rund 30 Millionen Menschen nutzen „M-Pesa“ heute, in Kenia wird ein Viertel des Bruttoinlandsprodukts über den Dienst abgewickelt. 

Mobile Systeme helfen gegen Armut

Der Zugang ist simpel: Um „M-Pesa“ verwenden zu können, muss man bei einem sogenannten „Agent“ einen (kostenlosen) Zugang beantragen. Dafür benötigt man lediglich eine registrierte SIM-Karte und ein Handy. Innerhalb weniger Minuten hat man dann über sein Mobilgerät Zugriff auf das Konto; fortan kann man Geld aufladen und abheben oder in Sekundenschnelle Überweisungen tätigen. Die Gebühren für diese Dienste betragen in der Regel etwa zwei Prozent des Betrags. 

Allein in Kenia gibt es inzwischen mehr als 40.000 dieser Agents und damit eine weitgehend flächendeckende Versorgung. Ein enormer Fortschritt, denn laut einer Studie der Weltbank haben drei Viertel der Afrikaner kein eigenes Bankkonto. Dank des mobilen Zahlsystems können sie dennoch Geld von Verwandten empfangen, die weit weg von ihren Familien leben und arbeiten. Das Massachusetts Institute of Technology (MIT) führt auf diese Innovation sogar Kenias sinkende Armutsrate zurück.

Erste Ableger auch in Europa 

Kein Wunder, dass ein solches Erfolgsmodell auch außerhalb Afrikas Anhänger findet. Inzwischen gibt es Ableger von „M-Pesa“ in Indien und Afghanistan, aber auch in den südosteuropäischen Staaten Albanien und Rumänien. Dass das System in Deutschland Fuß fasst, ist jedoch unwahrscheinlich. Anders als in den afrikanischen Ländern haben in Deutschland und den meisten Teilen Europas (fast) alle Menschen Zugang zu gewöhnlichen Bankkonten. Onlinebanking sowie stets verfügbares Bargeld, Giro- und Kreditkarten machen ein System wie „M-Pesa“ somit beinahe überflüssig. Zudem gibt es moderne mobile Systeme, die auf Apps basieren, etwa Swish oder MobilePay in Skandinavien. Dennoch bleibt Kenia das Land, das der Welt als erstes gezeigt hat, dass ein Handy-basiertes Zahlsystem funktionieren kann. 

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