Tafel und Corona

Corona: Bildungskluft droht sich zu vertiefen

Bildung

Das Thema Bildungsgerechtigkeit ist eines jener Themen, das durch die Corona-Krise verstärkt diskutiert wird, geht doch die Sorge um, dass leistungsschwache Schüler und Schülerinnen durch die Schulschließungen noch mehr ins Hintertreffen geraten könnten – vor allem wenn sie aus eher einkommensschwachen Haushalten kommen und in beengten Wohnverhältnissen leben. Und tatsächlich zeigt eine Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), wie sehr das Homeschooling die sozialen Ungleichheiten im deutschen Bildungswesen zu verschärfen droht. Das Institut wertete Daten des Sozio-oekonomischen Panels aus, einer großen repräsentativen Haushaltsbefragung, um ein genaues Bild von den Voraussetzungen für den Unterricht aus der Distanz zu zeichnen. Ergebnis: Im Schnitt sind die Familien zwar recht gut gerüstet fürs Homeschooling – aber eben längst nicht alle. 

Es fehlt der Computer

Die Studie zeigt u.a., dass zwar fast 86 Prozent der Zwölfjährigen ein eigenes Zimmer haben, wo sie in Ruhe lernen können, dies in Familien mit Migrationshintergrund allerdings nur auf zwei Drittel der Kinder zutrifft; in Familien, die von Hartz IV leben, sieht es nicht besser aus. Auch mit einem eigenen Schreibtisch, Büchern und Lernsoftware sind die Kinder unterschiedlich gut versorgt. In Zeiten des Homeschooling fällt aber besonders ins Gewicht, dass es in vielen Haushalten an einem Computer mangelt und die Möglichkeiten des digitalen Unterrichts dadurch empfindlich beschnitten werden – ein Smartphone reicht hierfür oft nicht aus. Laut IW-Studie besitzen nur knapp 15 Prozent der Zwölfjährigen und 27 Prozent der 14-Jährigen aus Hartz-IV-Haushalten einen eigenen Rechner, den sie auch für die Schule nutzen können. Unter allen Zwölfjährigen sind es fast 28 Prozent, unter allen 14-Jährigen beinah 42 Prozent. Die eigentliche Problematik dürfte darin liegen, dass selbst die Eltern armer Familien oft keinen Computer besitzen.

Kontakt geht verloren

Dies hat nicht nur zur Folge, dass Kinder von digitalen Homeschooling-Möglichkeiten – Hausaufgaben online korrigieren, die Klasse zu virtuellen Stunden zusammenrufen, per Videokonferenz die Anwesenheit kontrollieren – ausgeschlossen werden bzw. diese erst gar nicht stattfinden können, sondern dass auch der Kontakt zu den benachteiligten Schülern abzureißen droht. Als ein Alarmsignal muss man denn auch die Ergebnisse einer ersten repräsentativen Lehrerumfrage zum Homeschooling sehen, die die Robert-Bosch-Stiftung kürzlich veröffentlichte: 37 Prozent der Lehrkräfte sind demnach mit weniger als der Hälfte ihrer Schüler in regelmäßigem Austausch. Bei den Grundschulen sagten sogar 47 Prozent der Lehrkräfte, zu einem Großteil ihrer Klasse während der Schließung den Kontakt verloren zu haben.

Je länger die Schulen geschlossen bleiben, desto mehr drohen Kinder aus benachteiligten Familien abgehängt zu werden. Experten fordern daher, dass diejenigen Schülerinnen und Schüler, die zu Hause keine optimalen Lernmöglichkeiten haben, früher zurück in die Klasse kommen sollten – unter strengen Hygieneauflagen selbstverständlich. In jedem Fall, so die Mahnung, seien nun schnell Konzepte für den Wiedereinstieg zu entwickeln.

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Ansprechpartner

SCHULBANK Wirtschaft für den Unterricht

Bundesverband deutscher Banken e.V.

schulbank@bdb.de

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