Kurve nach oben

Dax-Reform Ende September in Kraft getreten

Finanzmarkt

27.09.2021

Aus 30 wurden 40: Die Deutsche Börse hat im September ihren Aktienindex Dax um zehn Titel aufgestockt, sodass er jetzt 40 Unternehmen umfasst. Der Dax, Kurzform für „Deutscher Aktien Index“, ist der wichtigste Aktienindex in Deutschland, weswegen er auch Leitindex genannt wird. Er fasst die Kursentwicklung der größten und wichtigsten deutschen Aktien-Unternehmen zusammen, darunter bekannte Konzerne wie Deutsche Telekom, BASF, Bayer, Allianz, Daimler, BMW und Volkswagen. Durch die Erweiterung auf 40 Unternehmen steht der Dax für etwas mehr als 80 Prozent des gesamten Börsenwerts aller hiesigen Unternehmen im regulierten Markt, bislang waren es rund 66 Prozent. 

Ein buntes Feld

Neu hinzugekommen sind der europäische Flugzeug- und Rüstungskonzern Airbus, der Berliner Online-Modehändler Zalando, der Gesundheitskonzern Siemens Healthineers, der Duft- und Aromenhersteller Symrise aus Holzminden, der Berliner Kochboxenversender HelloFresh, der Impfstoffzulieferer Sartorius aus Göttingen, der VW-Großaktionär Porsche Automobil Holding, der Chemiekonzern Brenntag aus Essen, der Sportartikelhersteller Puma und das deutsch-niederländische Biotech-Unternehmen Qiagen, das sich knapp vor dem Hamburger Konsumgüterkonzern Beiersdorf qualifizieren konnte. Die Aufsteiger kommen aus dem MDax der mittelgroßen Unternehmen, der im Zuge der Umstellung um genau diese zehn Werte auf 50 verkleinert wird. 

Was bedeuten die Neuankömmlinge für die Zusammensetzung des Dax? Die Branchenzusammensetzung ist etwas innovativer geworden, eine grundlegende Veränderung gibt es aber nicht. Mit Zalando und Hellofresh bekommt der Dax zwar Zuwachs aus der Online-Welt. Und auch der Gesundheitssektor wird mit dem Dax-Einzug des Medizintechnikers Siemens Healthineers, dem Laborausrüster Sartorius und dem Biotechunternehmen Qiagen gestärkt. Auf der anderen Seite aber bekommt der Industriesektor durch die Aufnahme vor allem von Airbus, aber auch durch den Chemikalienhändler Brenntag noch mehr Einfluss auf die Dax-Entwicklung.

Gründe für Dax-Reform

Doch warum überhaupt diese Erweiterung? Die Neuordnung des Dax ist kein kurzfristiges Projekt, sondern wurde bereits länger geplant und jetzt umgesetzt. Das erklärte Ziel dabei lautet, mit dem Dax die deutsche Wirtschaft besser abzubilden und an internationale Standards anzupassen. Dies soll vor allem bei internationalen Investoren für mehr Sichtbarkeit sorgen und auch jüngeren Unternehmen die Chance geben, im Dax gelistet zu werden. Durch die Aufnahme der zehn Unternehmen mit der größten Marktkapitalisierung aus dem MDax erhält der Dax als Aktienindex nochmal mehr Gewicht.

Doch es gibt noch weitere Änderungen. Bereits seit März dieses Jahres müssen Unternehmen im Dax testierte Geschäftsberichte und Quartalsmitteilungen rechtzeitig vorlegen. Versäumen sie das, gilt eine Warnfrist von 30 Tagen – danach fliegen sie aus dem Prestigeindex. Zweitens: Aufsteiger kommen nur in den exklusiven Aktienklub, wenn sie mindestens zwei Jahre infolge gut gewirtschaftet haben. Auslöser für speziell diese Änderungen war der Skandalkonzern Wirecard, der keinen testierten Jahresbericht vorlegen konnte und noch Anfang August im Dax notierte, als er längst insolvent war. Den Ruf des deutschen Leitindex hat dies enorm beschädigt. Erschwerend kam hinzu, dass mit Delivery Hero für Wirecard ein Unternehmen nachrückte, das noch nie profitabel war. Im Oktober 2020 startete die Börse deshalb eine große Umfrage unter Investoren, Unternehmen und allen Interessierten, wie man den Dax verändern könne. Dabei kam auch die Dax-Erweiterung ins Spiel.

Was bedeutet das für Dax-Anleger?

Zehn neue Mitglieder im Leitindex bedeuten für Privatanleger keine wundersamen Zusatzgewinne über Nacht. Vielmehr ist es so, dass die Börse das Gewicht der bestehenden 30 Aktien im Index etwas nach unten drückt, um Platz für die Neulinge zu schaffen. Die Indexformel für den Dax ist derart konstruiert, dass in die Variable der Indexmitglieder statt der Ziffer 30 dann eine 40 eingesetzt wird. Dadurch ändert sich lediglich das Gewicht der einzelnen Mitglieder im Dax, nicht der Dax-Stand. Analog gilt das mit umgekehrten Vorzeichen für den verkleinerten MDax. Indexexperten schätzen, dass die neuen Werte zusammen einen Anteil von 13 bis 15 Prozent am neuen Dax haben, wovon allein knapp fünf Prozent auf Airbus entfallen dürften. Ein Indexgewicht von fünf Prozent bei einer Aktie bedeutet: Wenn die Aktie um zehn Prozent steigt, zieht das den Dax um 0,5 Prozent nach oben. 

Wer überhaupt künftig zweimal jährlich in die Indizes Dax, MDax, SDax oder TecDax auf- bzw. absteigt, hängt ab jetzt übrigens nur noch von der durchschnittlichen Marktkapitalisierung (Börsenwert) der frei gehandelten Aktien im Streubesitz ab – auch dies ein Ergebnis der Reform. Nicht zum Streubesitz zählen Aktienpakete von mehr als fünf Prozent, die von einem einzelnen Großinvestor gehalten werden. 

Dax wird noch männlicher

Während kontrovers darüber diskutiert werden kann, ob der Index durch die neuen Unternehmen moderner und attraktiver wird, ist übrigens eine andere Sache unstrittig: Der Dax wird männlicher. Die Personalberatung Russell Reynolds hat sich die Vorstände und Aufsichtsräte der zehn Neuen angeschaut und festgestellt: Frauen sind nur wenige zu finden. So bleibt Belén Garijo, die Merck-Chefin, weiterhin die einzige Chefin eines Dax-Unternehmens, womit die Frauenquote also künftig 2,5 Prozent beträgt. Auf der Ebene darunter sieht es etwas weiblicher aus, aber die Frauenquote sinkt, denn mit Brenntag, HelloFresh, Porsche, Sartorius und Symrise steigen gleich fünf Unternehmen in den Dax auf, die keine einzige Frau im Vorstand haben. Das gab es bisher nur bei 4 Dax-Unternehmen (13 Prozent), künftig sind es also 9 (23 Prozent). Nur 7 der 54 neuen Dax-Vorstände werden weiblich sein. Bisher lag die Quote im Dax bei 19 Prozent, künftig werden es nur 17,6 Prozent sein, haben die Russell-Fachleute errechnet. Im norwegischen Leitindex OBX sind immerhin gut 30 Prozent Frauen, im französischen CAC 40 22 Prozent.

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