Der Osten droht den Anschluss zu verlieren

Der Osten droht den Anschluss zu verlieren

Ostdeutschland

Forscher zeichnen ein düsteres Bild der Wirtschaftsentwicklung im Osten des Landes, der stärker vom demografischen Wandel betroffen ist als der Rest der Republik.

Knapp 30 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung hat der Osten der Republik wirtschaftlich zwar aufgeholt, die Lücke zum Westen dürfte auf absehbare Zeit aber nicht geschlossen werden. Im Gegenteil: Die Forscher der Beratungsgesellschaft Prognos gehen sogar davon aus, dass die östlichen Bundesländer bald wieder stärker zurückfallen werden. Bis zum Jahr 2045, schreiben sie in ihrem alle vier Jahre erscheinenden Bericht, werde das Wohlstandsgefälle wieder anwachsen. In der Prognos-Wachstumsprognose liegen die Länder Sachsen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg auf den vier letzten Rängen; auch Berlin und Thüringen belegen nur den 10. bzw. den 11 Rang.

Einwohnerzahl im Osten gesunken

Als Gründe werden die Abwanderung und die geringen Geburtenzahlen im Osten genannt. Schon jetzt drückt sich dieser Trend in Zahlen aus: Während die Einwohnerzahl im Westen zwischen 1990 und 2017 um 5 Millionen auf 66,2 Millionen angestiegen ist, ist sie im gleichen Zeitraum in Ostdeutschland (inklusive Berlin) um etwa 2 Millionen Menschen auf nun 16,2 Millionen gesunken – so die aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Damit lebte im vergangenen Jahr nur noch jeder Fünfte in Deutschland im Osten, 1990 war es noch jeder Vierte. Nach Ansicht der Prognos-Forscher wird sich dieser Trend künftig fortsetzen. Sachsen-Anhalt dürfte bis zum Jahr 2045 gut jeden fünften Einwohner verlieren, Mecklenburg-Vorpommern jeden siebten.

Wirtschaftliches Gefälle wird größer

Mit einer sinkenden Zahl an Menschen fallen die Wachstumszahlen naturgemäß geringer aus als in anderen Bundesländern. Doch nicht nur das, auch was die Wirtschaftsleistung pro Kopf anbelangt, wird der Osten zurückfallen: Liegt sie heute bei drei Vierteln des Westniveaus, sinke sie bis zum Jahr 2045 auf weniger als zwei Drittel und damit sogar unter den Wert aus dem Jahr 2000, sagen die Prognos-Forscher. Grund: Es sind vor allem die Besserqualifizierten, die gen Westen bzw. Süden aufbrechen. Auch das Institut der deutschen Wirtschaft Köln sieht in einem aktuellen Beitrag die demografische Entwicklung als Hauptursache für die nach wie vor bestehende Lücke zwischen Ost und West. Sie zeige sich schon daran, dass im vergangenen Jahr die Wirtschaft im Osten und in Berlin nur um 1,9 Prozent zulegte, während sie in Westdeutschland um 2,3 Prozent stieg.

 

Drucken/PDF

Ähnliche Beiträge

Digitale Kompetenzen: Deutschland nicht in Spitzengruppe

Wirtschaft im Unterricht

10. Juni 2019

Digitale Kompetenzen: Deutschland nicht in Spitzengruppe

Die Industrieländer sind unterschiedlich gut auf die digitalen Herausforderungen für die Arbeitsw...

[zum Artikel]
Digitale Kompetenzen: Deutschland nicht in Spitzengruppe

Diese Webseite nutzt Cookies, um bestimmte Funktionen zu ermöglichen und das Angebot zu verbessern. Indem Sie hier fortfahren, stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.