Europa und China

Deutlicher Rückgang bei Investitionen aus China

Auslandsinvestitionen

Investitionen chinesischer Unternehmen in Deutschland waren lange Zeit willkommen und wohlgelitten, mit dem Einstieg des chinesischen Hausgerätekonzerns Midea beim Augsburger Roboterhersteller Kuka vor einigen Jahren aber hat sich die Wahrnehmung komplett verändert. Speziell der teilweise oder vollständige Erwerb von Unternehmen mit sensibler Technik wird seitdem überwiegend kritisch gesehen, vermutet man doch dahinter das Bestreben der Volksrepublik, in wichtigen Branchen eine globale Führungsrolle zu übernehmen und die ausländische Konkurrenz überflüssig zu machen. Entsprechend hat die Bundesregierung im Dezember 2018 die Außenwirtschaftsverordnung geändert; seitdem kann sie schon dann bei ausländischen Investitionen genauer hinschauen und ggf. ein Verbot aussprechen, wenn ein ausländischer Investor einen begrenzten Anteil an einem deutschen Unternehmen erwerben will. Beim Energienetzbetreiber 50Hertz hat die Bundesregierung den Einstieg eines chinesischen Staatsunternehmens tatsächlich mithilfe der KfW-Bank verhindert. Aber nicht nur Deutschland, auch die EU und die USA haben inzwischen ihre Regeln für ausländische Investitionen verschärft.

Einbruch bei Übernahmen und Beteiligungen 

Eine Studie der Unternehmensberatung EY (Ernst & Young), die jährlich Investitionen chinesischer Unternehmen in Europa untersucht, hat jetzt allerdings gezeigt, dass das Investitionsvolumen chinesischer Übernahmen in Deutschland im ersten Halbjahr drastisch eingebrochen ist – von 10,1 Milliarden im ersten Halbjahr 2018 auf nur noch 500 Millionen Dollar. Die Zahl der Zukäufe und Beteiligungen schrumpfte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 25 auf 11. Dass der Rückgang im Investitionsvolumen noch deutlich höher ausfiel, hat vor allem damit zu tun, dass das Vorjahresvolumen durch eine Einzeltransaktion verzerrt wurde: Der chinesische Volvo-Eigentümer Geely ließ sich seinen Einstieg bei Daimler von 9,7 Prozent fast 9 Milliarden Dollar kosten. Auch europaweit schrumpfte das fernöstliche Engagement um überraschende 84 Prozent – von 15,3 auf nur noch 2,4 Milliarden Dollar. Entsprechend wurden im ersten Halbjahr dieses Jahres in Europa nur 81 Übernahmen und Unternehmensbeteiligungen gezählt - 28 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum, als noch 113 europäische Unternehmen einen chinesischen Eigentümer bekamen.

Gründe liegen in China

Die wachsende Skepsis gegenüber chinesischen Übernahmen und die Verschärfung der Investitionsbedingungen mögen eine Rolle gespielt haben, doch Experten sehen die Gründe für den Rückgang vor allem in China selbst. Zum einen seien die Konjunkturaussichten schlechter geworden – in China, aber auch in Deutschland und Europa. Grund dafür sei auch der anhaltende Handelskrieg mit den USA. Außerdem müssten chinesische Investoren die Übernahmen der vergangenen Jahre erst einmal entweder integrieren oder weiterverkaufen. Die chinesische Regierung schaue obendrein sehr viel genauer auf Kapitalexporte, sind doch chinesische Investitionen in der Vergangenheit nicht immer rentabel gewesen. Peking selbst wies chinesische Unternehmen schon nach den hohen Direktinvestitionen im Jahr 2016 an, von „irrationalem“ Investment im Ausland Abstand zu nehmen.

Der deutliche Rückgang wird auch in der Bundesregierung registriert. Den Eindruck, dass man selbst mit Gesetzesverschärfungen dazu beigetragen haben könnte, versucht man allerdings zu zerstreuen und verweist darauf, dass die Anzahl der Investitionen grundsätzlich Schwankungen unterliege. Tatsächlich bestätigen Marktbeobachter, dass innovative Unternehmen noch immer im Fokus der Chinesen stehen. Großes Interesse herrsche in China an Umwelttechnologie, E-Mobilität, aber auch Entwicklungen im Drohnenbereich oder der Solartechnik. Anzeichen dafür, dass sich an Pekings industriepolitischen Ambitionen etwas geändert hat, gebe es nicht, so die Meinung von Experten.

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