Karte Deutschland in Europa

Deutsche Wirtschaft: Wichtig für Europa

07.07.2022

Wie eng die europäischen Volkswirtschaften miteinander verflochten sind und welch große Bedeutung Deutschland als Importland für Güter aus anderen Staaten der Europäischen Union zukommt, zeigt eine aktuelle Studie von Prognos, die im Auftrag der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft entstanden ist. Quintessenz: Eine wirtschaftliche Stagnation Deutschlands würde auch den anderen europäischen Volkswirtschaften erheblich schaden.

Deutschland wichtiger Absatzmarkt für Mitteleuropa

Die Europäische Union ist für Deutschlands Einfuhr laut den Studienautoren von großer Bedeutung – weit wichtiger noch als Asien. Insgesamt stammt mehr als die Hälfte des deutschen Imports aus den Mitgliedsländern der EU. Entsprechend ist die große deutsche Volkswirtschaft für ihre Nachbarn und insbesondere für mittel- und ostmitteleuropäische Staaten wie Tschechien, Österreich, Polen und Ungarn ein wichtiger Absatzmarkt: Ein Viertel bis ein Drittel des gesamten Exports aus diesen Ländern geht nach Deutschland. Entsprechend groß ist der Anteil, den die deutsche Nachfrage zur dortigen Wertschöpfung beiträgt: In Österreich und Ungarn sind es jeweils rund 6 Prozent und in Polen und Tschechien jeweils 5,4 Prozent. Ähnlich groß ist der Effekt auf die Beschäftigung. 

In west- und südeuropäischen Staaten wie auch im baltischen Raum ist die Bedeutung der Exporte nach Deutschland im Vergleich zwar geringer. Gemessen an den absoluten Zahlen zeigt sich gleichwohl auch die Bedeutung der deutschen Nachfrage in diesen Staaten: So sorgt sie in Frankreich für 35 Milliarden Euro und in den Niederlanden für 30 Milliarden Wertschöpfung. Insgesamt schafft die deutsche Nachfrage nach Importen aus seinen europäischen Nachbarländern dort 290 Milliarden Euro jährlich an Wertschöpfung und sichert 4,7 Millionen Arbeitsplätze. 

0,4 Prozent weniger Wachstum

Eine wirtschaftliche Stagnation Deutschlands ebenso wie eine Verschlechterung seiner Wettbewerbsfähigkeit würde daher nicht nur der Bundesrepublik, sondern auch den anderen europäischen Volkswirtschaften schaden. In einem Szenario, in dem die deutsche Wirtschaft in den kommenden Jahren auf der Stelle treten würde, fiele das EU-Bruttoinlandsprodukt (ohne Deutschland) im Jahr 2024 laut den Studienautoren um rund 0,4 Prozent niedriger aus als im Basisszenario, das für die EU in diesem Jahr ein Wachstum um 2,2 Prozent annimmt und bis 2024 auf 1,6 Prozent zurückgeht. Eine solche Stagnation in anderen großen Volkswirtschaften der EU hätte deutlich geringere Effekte.

Am stärksten würde ein deutsches Nullwachstum die Wirtschaftsleistung in den mittel- und osteuropäischen Staaten drücken: In Tschechien läge das BIP 0,8 Prozent niedriger, in Polen, Ungarn und Österreich je 0,7 Prozent. Wenngleich die relativen Effekte für andere Staaten geringer ausfallen, würde eine Stagnation der deutschen Wirtschaft etwa auch Italien im Jahr 2024 rund 10 Milliarden Euro und Frankreich 8,6 Milliarden Euro kosten. 

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