Deutschland verliert an Wettbewerbsfähigkeit

Deutschland verliert an Wettbewerbsfähigkeit

Wirtschaftsstandort

Noch immer überzeugt der Wirtschaftsstandort Deutschland mit vielen positiven Vorzügen. Zunehmend scheint aber die Unternehmensbesteuerung zu einem Hemmschuh zu werden.

Jedes Jahr im Mai veröffentlicht das IMD World Competitive Center (WCC) seine neueste Rangliste der wettbewerbsfähigsten Volkswirtschaften der Welt; untersucht werden 63 Staaten. Mit der Studie wird auch die Frage (annähernd) beantwortet, wie stark der Standort Deutschland im internationalen Vergleich dasteht. Das diesjährige Ergebnis: Deutschland ist um zwei Plätze auf Rang 17 zurückgefallen und damit im zweiten Jahr in Folge hinter China (Platz 14) gelandet.

Handelskonflikte schaden den USA

Den ersten Platz errang Singapur. Der Stadtstaat verdrängte die Vereinigten Staaten von der Spitzenposition – auch eine Folge der Handelskonflikte, die der US-Präsident vom Zaune gebrochen hat. Die USA liegen nun hinter Hongkong und vor der Schweiz auf Platz drei unter den 63 Ländern. Großbritannien und Frankreich sind jeweils um drei Positionen auf Rang 23 und 31 zurückgefallen. Italien rangiert nur noch auf Platz 44 und damit hinter Indien (43), aber noch vor Russland (45). Für die Ermittlung der Rangliste greifen die Wissenschaftler in Lausanne auf 235 Indikatoren zurück, die sie in vier Hauptfelder untergliedern: Wirtschaftsentwicklung, Infrastruktur sowie Regierungs- und Geschäftseffizienz. Dazu nutzen sie die Daten internationaler Organisationen wie Weltbank, Internationaler Währungsfonds oder Euromonitor. Zusätzlich flossen die Ergebnisse einer Umfrage unter mehr als 6.000 internationalen Spitzenmanagern in die Bewertung ein.

Deutschland rutscht nach unten

Vor fünf Jahren lag Deutschland in dem WCC-Ranking noch auf Platz sechs. Hauptgrund für den Abstieg auf Rang 17 ist die Steuerpolitik; aufgrund der als zu hoch wahrgenommenen Unternehmenssteuern liegt Deutschland in dieser Kategorie weit abgeschlagen auf Platz 59. Der gute Ausbildungsstand der Mitarbeiter gehört gemäß der Umfrage unter den Managern hingegen zu den größten Standortvorteilen des Landes. Im internationalen Vergleich sehr gut positioniert sei Deutschland auch auf dem Feld der umweltorientierten Technologien sowie in der Gesundheitsversorgung.

Ausländische Direktinvestitionen in Deutschland rückläufig

Derweil hat die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY ermittelt, dass die ausländischen Direktinvestitionen in Deutschland im vergangenen Jahr zum ersten Mal seit 2005 gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen sind – und zwar um 13 Prozent. Gezählt werden nur tatsächlich realisierte Projekte, bei denen Arbeitsplätze entstehen und Geld fließt. Übernahmen und Fusionen bleiben außen vor. Der Investitionsrückgang ist zwar ein gesamteuropäisches Phänomen, doch fällt er in Deutschland überdurchschnittlich groß aus, sodass die Bundesrepublik in Europa auf den dritten Rang hinter Großbritannien und Frankreich rutscht. Ein Grund: die nachlassende Standortzufriedenheit. Der Anteil der negativen Bewertungen unter über 700 befragten Managern ist binnen eines Jahres von 22 auf 37 Prozent gestiegen. Ohne Einschränkung positiv äußern sich nur noch elf Prozent – im Vorjahr waren es noch 25 Prozent.

Zwar überzeugen nach wie vor Deutschlands Transportinfrastruktur, das Qualifikationsniveau der Arbeitskräfte und die Stabilität des rechtlichen Umfelds mit positiven Bewertungen von mehr als 80 Prozent. Diese Merkmale gelten seit Jahrzehnten als großer Pluspunkt. Aber Kritik gibt es an der Flexibilität des Arbeitsrechts, zunehmend an den Arbeitskosten – und eben vor allem an der Unternehmensbesteuerung. Seitdem US-Präsident Trump die Körperschaftsteuer von 35 auf 21 Prozent senkte, liegt die nominale Steuerbelastung in Deutschland um gut 20 Prozentpunkte höher als in den USA.

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