Die erste Frau auf einer Münze

Die erste Frau auf einer Münze

Serie „Geldköpfe“

Frauen sind auf den Euromünzen deutlich in der Minderheit: Nur vier Länder zeigen derzeit weibliche Köpfe. Deutschland gehört nicht dazu. Zu D-Mark-Zeiten war das anders: Damals zierte das Bild einer pflanzenden Frau das 50-Pfennig-Stück. Was es damit auf sich hatte und wer überhaupt die erste Frau auf einer Münze war, lesen Sie im neuen Teil unserer Serie „Geldköpfe“.

Nachdem die ersten männlichen Herrscher ihre Gesichter auf Geldstücke prägen ließen, dauerte es nicht lange, bis auch Frauen auf Münzen zu sehen waren. Wer der erste weibliche Geldkopf war und wie viele Frauen aktuell auf den Euromünzen zu sehen sind, lesen Sie im vierten Teil unserer Serie „Geldköpfe“.

Ptolemaios I. von Ägypten war nicht nur ein weitgereister Mann, sondern auch ein Herrscher, der Revolutionäres wagte: Er ließ als erster Mann sein Gesicht auf eine Münze prägen. Im nächsten Schritt sorgte er dann für eine geschlechtliche Gleichberechtigung – auf den damals gültigen Tetadrachmen zeigte er sich an der Seite einer Frau. Alice Schwarzer und andere Verfechterinnen der Emanzipation wären stolz auf ihn gewesen...

Genauer gesagt war es eine seiner Gattinnen, Berenike I. von Ägypten, der dieses Privileg zuteil wurde; aufgrund ihrer Geistesgröße gilt sie bei Chronisten als Ptolemaios’ Lieblingsfrau. Er heiratete sie 317 v. Chr. und zeugte mit ihr drei Kinder, darunter auch seinen Nachfolger Ptolemaios II. Berenike stammte wie ihr Mann aus Makedonien. Nachdem ihr erster Gatte gestorben war, hatte sie sich in das Gefolge von Ptolemaios’ erster Frau begeben. Dort stieg sie schnell zur Favoritin des Herrschers auf – und war bald auch alleine auf Münzen zu sehen (großes Foto).

Die Pflanzerin auf der 50-Pfennig-Münze

Vom alten Ägypten ins Deutschland des 20. Jahrhunderts: Erinnern Sie sich noch an die 50-Pfennig-Münze? Vom 14. Februar 1950 bis zum 31. Dezember 2001 war darauf eine Frau zu sehen, die eine Eiche pflanzt. Ein vertrautes Motiv – doch wer war diese Pflanzerin eigentlich? 

Es handelt sich um die Gattin des Gestalters der Münzrückseite: Gerda Johanna Werner (1914 bis 2004) wurde von ihrem Mann Richard Martin Werner schon vor der Ausschreibung der Bank deutscher Länder (heute: Bundesbank) gezeichnet. Als die Institution ein Motiv suchte, das den Wiederaufbau Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg symbolisieren sollte, bewarb er sich mit einer angepassten Version. Mit der Darstellung seiner Ehefrau „Jo“ wollte Werner die für den Wiederaufbau wichtigen Trümmerfrauen ehren, aber auch die vielen Wald- und Forstarbeiterinnen. 

Obwohl die Pflanzerin Tag für Tag durch unzählige Hände ging, wussten die meisten Deutschen lange nicht, wer sie war. Erst nach der Recherche eines Journalisten Ende der 80er wurde Gerda Werner, die selbst als Malerin und Kunstlehrerin tätig war, einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Vor der Einführung des Euro Anfang des neuen Jahrhunderts trat sie dann wiederholt in TV-Sendungen auf.

Euro-Frauen deutlich in der Minderheit

Bei den heutigen Euromünzen ist die Frauenquote noch ausbaufähig. Die aktuellen Umlaufmünzen von gerade mal vier Euro-Ländern zeigen Köpfe von Frauen: Frankreich (Marianne, die Symbolfigur der französischen Republik, sowie eine Säerin), Lettland (die Landes-Allegorie Milda), Österreich (Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner) sowie Italien (Venus-Porträt). Zudem prägten die Niederlande das Profil von Königin Beatrix bis zu deren Abdankung 2013 auf die Euromünzen. 

Demgegenüber stehen in den aktuellen Prägungen 14 Männer – vor allem royale Staatsoberhäupter, aber auch Nationalhelden, Künstler oder Wissenschaftler – und mit Helmut Schmidt nun auch der erste Deutsche, der mit einer eigenen Münze geehrt wird. Eine ausgeglichene Quote wie bei Ptolemaios und Berenike ist also (noch) weit entfernt. 

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