Die große Inflationswende

Inflation

Laut einer Studie, die sich mit der Inflationsentwicklung der letzten Jahrhunderte beschäftigt, sind die Preise über einen langen Zeitraum kaum gestiegen.

Eine Analyse der Deutschen Bank zeigt, dass das Phänomen „Inflation“ vor dem 20. Jahrhundert kaum bekannt war: Über längere Zeiträume hinweg blieben die Preise damals weitgehend oder sogar vollkommen stabil. Erst mit der Jahrhundertwende kam es zu einem globalen Trendbruch. Seither lässt sich von Teuerung sprechen, größere Inflationsschübe sind auf der Tagesordnung. Auf Deutschland bezogen: Gemessen an den Inflationsraten der letzten 120 Jahre verzeichnen wir gegenwärtig ein äußerst stabiles Preisniveau – die Inflationsrate liegt gegenwärtig um die 2 Prozent. Betrachtet man allerdings den langfristigen Trend, so leben wir in inflationsreichen Zeiten, betonen die Autoren der Studie. Diese haben sich die Inflationsentwicklung über einen Zeitraum von 800 Jahren angeschaut, und zwar für alle Länder, in denen derart große Zeitreihen und historische Daten existieren.

Papiergeld und Bevölkerungswachstum

Die Autoren haben auch den Grund dafür ausgemacht, warum die Inflation im 20. Jahrhundert plötzlich zum Leben erwachte: Auslöser war die Einführung des Papiergeldes, gepaart mit einem damals rasanten Bevölkerungswachstum. Spätestens nachdem 1971 die Leitwährung US-Dollar nicht mehr an Gold gekoppelt wurde, habe kein einziges der 87 untersuchten Länder eine durchschnittliche Inflationsrate von unter 2 Prozent aufgewiesen. Lediglich 28 Länder haben es geschafft, eine Teuerung von durchschnittlich unter 5 Prozent auszuweisen. Seit den 1980er-Jahren hat sich die Lage allerdings wieder leicht entspannt: Die Arbeitsbevölkerung ist rapide gewachsen, und durch die zunehmende Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt sind die Löhne nicht stärker gestiegen.

Ewig werde dieser Zustand allerdings nicht andauern, so die Prognose der Studie. Rund um den Globus schrumpft die Arbeitsbevölkerung. Über die Zeit wird das die Löhne wieder in die Höhe treiben und damit auch die Inflation – die Autoren schließen sogar sehr hohe Inflationsraten nicht aus. Doch auch in diesem Fall wird das Pendel irgendwann wieder zurückschwingen. Dann nämlich, wenn das Bevölkerungswachstum sich erneut verlangsamt. Zeitverzögert komme dann jener Effekt wieder zum Tragen, den die Weltwirtschaft bereits vor dem 20. Jahrhundert erlebt hat, so die Prognose der Autoren: eine Welt ohne Inflation.

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