Welt und Corona

Die Weltwirtschaft und das Virus

Weltwirtschaft

Die Ökonomen des Internationalen Währungsfonds (IWF) rechnen damit, dass die Weltwirtschaft in diesem Jahr um 3 Prozent schrumpfen wird. Das klingt zunächst nach einem verhältnismäßig moderaten Rückgang, tatsächlich aber lässt die Coronavirus-Pandemie die Weltwirtschaft in die tiefste Krise seit der „Großen Depression“ nach 1929 abstürzen. Zum Vergleich: Während der Finanzkrise 2008/09, in der die Weltwirtschaft erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg schrumpfte, betrug das Minus lediglich 0,1 Prozent. Hinzu kommt: Der Ausblick ist mit großen Unsicherheiten behaftet, was die Schwere und Dauer der Pandemie betrifft. Sollte der globale Lockdown – also der weitgehende Stillstand großer Teile der Wirtschaft – nicht im ersten Halbjahr beendet werden, würde die Weltwirtschaft um weitere drei Prozent schrumpfen, erwartet der IWF. Sollte er gar bis 2021 anhalten, werde der BIP-Verlust um acht Prozent größer ausfallen als in der aktuellen Prognose. 

Starkes Wachstum 2021

Immerhin: Wenn die günstigere Prognose eintrifft und die Schließungs- und Stilllegungsmaßnahmen in der zweiten Jahreshälfte tatsächlich nachlassen sollten, würde die Weltwirtschaft 2021 wieder stark wachsen, der IWF rechnet mit einem Plus von 5,8 Prozent. Unterstellt wird dabei, dass die umfassenden Finanzspritzen durch Regierungen und Zentralbanken in der ganzen Welt ausreichen, um großflächige Zusammenbrüche von Unternehmen, Massenarbeitslosigkeit und Finanzkrisen zu verhindern.

In seiner Prognose vor Ausbruch der Corona-Krise war der IWF noch von einem Plus von 3,4 Prozent ausgegangen; noch nie hat der Fonds seine Berechnungen so drastisch nach unten korrigieren müssen. Der jetzige Abschwung fällt aber nicht nur dramatischer aus, er verläuft auch anders als beispielsweise die Finanzkrise 2009. Damals konnten Schwellenländer wie China und Indien die Weltkonjunktur noch nach oben ziehen. Dieses Mal sind alle Ländergruppen von der Krise betroffen: Industriestaaten, Schwellen- und Entwicklungsländer. Zwar zählen China und Indien mit einem prognostizierten Wachstum von 1,2 und 1,9 Prozent noch zu den wenigen Ländern, die laut IWF einer Rezession entgehen. Das im Vergleich zu den Vorjahren aber nur minimale Wachstum reicht nicht aus, um die Rolle der Weltkonjunktur-Lokomotive zu übernehmen. Auch das Wachstum der ärmsten Länder bleibt knapp positiv. Angesichts des Bevölkerungswachstums und der ungleichen Verteilung der Wachstumsgewinne in diesen Ländern ist dies aber gleichbedeutend mit Einbußen in weiten Teilen der Bevölkerung. 

Krisenbewältigung: Medizinische Hilfe und Schuldenerlass

Der Währungsfonds drängt die Weltgemeinschaft eindringlich zur Zusammenarbeit, um die Ausbreitung des Virus zu stoppen und Impfmittel und Medikamente gegen die Krankheit zu entwickeln. Er forderte dazu auf, die Handelshemmnisse speziell für Medizin-Güter aufzuheben und armen Ländern mit schwachen Gesundheitssystemen mit Ausrüstung, medizinischer Expertise und Geldspenden oder zinslosen Krediten zu helfen. Wenn in der ersten Phase das Gesundheitssystem eines Landes zusammenbreche, breche auch die Wirtschaft zwangsläufig ein, so der IWF.

Um den von der Krise besonders hart getroffenen Entwicklungs- und Schwellenländern zu helfen, will der IWF einerseits Gelder bereitstellen, andererseits Schulden erlassen bzw. darauf hinwirken, dass die Gläubigerstaaten Umschuldungen und Schuldenerlasse gewähren. Schwellen- und Entwicklungsländer können nun kurzfristig beim IWF doppelt so viel leihen wie bisher. Dafür stehen bis zu 100 Milliarden US-Dollar zur Verfügung. Des Weiteren hat der IWF Schuldenerleichterung für 25 Staaten beschlossen, darunter Afghanistan, die Zentralafrikanische Republik, die Demokratische Republik Kongo, Haiti, Madagaskar, Mali, Mosambik, Nepal, Niger, Ruanda, Tadschikistan und Jemen. Zins und Tilgung können diese Staaten zunächst für sechs Monate aussetzen.

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