Kaufkraft: Ein Euro ist nicht überall einen Euro wert

Ein Euro ist zwar überall ein Euro. Die Kaufkraft ist allerdings je nach Land sehr unterschiedlich. Waren und Dienstleistungen sind für Euro-Zahler in der Türkei zum Beispiel besonders günstig, in der Schweiz oder Island besonders teuer. Im Interview mit der Deutschen Handwerks Zeitung erläutert Bankenverbandssprecherin Tanja Beller die Details.

06.08.2018

von Tanja Beller

Selbst in Nachbarländern ist die Kaufkraft sehr unterschiedlich - Das macht sich in der Urlaubskasse bemerkbar.

Deutsche Handwerks Zeitung (DHZ): Frau Beller, in der Ferienzeit fragen sich viele Deutsche, in welchen Ländern ihre Urlaubskasse besonders geschont wird? 

Beller: Besonders viel für sein Geld gibt es in Osteuropa. In Polen etwa bekommt man im Schnitt für einen Euro Waren und Dienstleistungen, für die man in Deutschland 1,88 Euro  bezahlen würde. In Ungarn liegt dieser Wert bei 1,73 Euro, in der Slowakei bei 1,51 Euro, in Tschechien bei 1,46 Euro und in Slowenien bei 1,23 Euro. Das heißt in diesen Ländern ist der Einkauf für den deutschen Urlauber recht preisgünstig. Das gilt nach den jüngsten Zahlen der OECD auch für die baltischen Staaten. Im Süden sind Länder wie Griechenland und Portugal mit Werten von rund 1,25 Euro noch recht günstig.

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DHZ: Woran liegt das? 

Beller: In erster Linie liegt es an der unterschiedlichen Kaufkraft. Wirtschaftskraft und Lohnniveau sind in vielen dieser Länder niedriger als in Deutschland. Das spiegelt sich dann auch in niedrigen Preisen wider. Aber natürlich spielt in den Ländern, die nicht der Währungsunion angehören, auch der Wechselkurs eine Rolle.

DHZ: Und außerhalb Europas, wo ist es finanziell attraktiv?

Beller: Besonders günstig ist es in der Türkei. Da bekommt man für einen Euro mehr als doppelt soviel wie in Deutschland. Der Wert liegt mittlerweile bei 2,26 Euro. Auch Mexiko ist mit 1,76 Euro nach der OECD-Liste vergleichsweise günstig. Die USA liegen dagegen im Schnitt auf einem ähnlichen Preisniveau wie Deutschland.

DHZ:  Und wo muss man eher tiefer in die Tasche greifen?

Beller:  In Skandinavien. In Dänemark und Norwegen gibt es im Schnitt nur 75 Prozent von dem, was man in Deutschland für einen Euro dafür einkaufen könnte. In Schweden ist es mit 0,90 Euro noch etwas besser. Ähnlich teuer wie in Deutschland ist es in Spanien mit 1,13 Euro und Italien, Österreich, Frankreich und den Niederlanden.

DHZ: Und wie sieht es mit der Schweiz aus? 

Beller: Hier hat sich die Kaufkraft für Deutsche wieder etwas erhöht. Die Schweiz ist mit 0,73 Euro aber immer noch relativ teuer. Nur Island ist mit 0,63 Euro in Europa noch teurer.

DHZ: Bleibt die Frage, wie viel Bargeld man in Euro oder der jeweiligen Landeswährung mit in den Urlaub nehmen sollte.

Beller: Zuviel Bargeld sollte man aus Sicherheitsgründen nie mit sich herumtragen. Für eine Taxifahrt, ein Essen oder eine Übernachtung sollte es aber reichen. Ansonsten gilt: Das Geld am besten in Landeswährung im Land abheben. Bezahlt wird pro Transaktion. Manche Kreditinstitute haben auch Kooperationen mit Partnerbanken. Dann kann man auch dort kostenlos abheben. Am besten informiert man sich vorab bei seiner Hausbank.

DHZ: Immer wieder hört man, dass im Urlaub die Daten der Kreditkarte gestohlen werden um auf Kosten anderer einzukaufen. Wie kann man sich davor schützen und wer haftet im Fall des Falles?

Beller: In jedem Fall sollte man im Urlaub mit der Kreditkarte sorgfältig umgehen und sie immer im Blick behalten.  Außerdem sollte man vor der Reise notieren, wie und wo man die Karte  bei Diebstahl sperren lassen kann.  Und natürlich muss man nach dem Urlaub die Kreditkartenabrechnung überprüfen und Zahlungen, die man nicht selbst veranlasst hat, sofort bei der Kreditkartenfirma reklamieren.

Das Interview führte Karin Birk.

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