Elektroauto

Elektroautos auf dem Vormarsch?

Energiepolitik

Seit Jahren schon fördert die Bundesregierung den Kauf von Elektroautos und Hybridmodellen, der große Erfolg hat sich aber noch nicht eingestellt. Ihre Anzahl erreicht nicht annähernd das Niveau, das sich die Politik 2008 vorgestellt hatte, als sie das ehrgeizige Ziel verkündete, bis 2020 eine Million batteriebetriebener Fahrzeuge auf Deutschlands Straßen zu bringen. Zu Beginn des Jahres waren hierzulande 137.000 Elektroautos und 102.000 Plug-in-Hybride registriert, Tendenz allerdings stark steigend. Im Rahmen des jüngsten Konjunkturprogramms zur Bewältigung der Corona-Krise wurde der staatliche Anteil bei der Förderung mit Wirkung 8. Juli noch einmal verdoppelt: Bis Ende 2021 können Käufer von Elektroautos einen Zuschuss von bis zu 9.000 Euro bekommen, bei Hybridmodellen sind es maximal 6.750 Euro. Und dieser Extra-Zuschuss scheint Wirkung zu zeitigen, wurde doch die finanzielle Förderung im Juli so stark nachgefragt wie noch nie seit ihrer Einführung Mitte 2016; insgesamt wurden 19.993 Anträge für die sogenannte Innovationsprämie gestellt, wie das Bundeswirtschaftsministerium mitteilte. Damit ist die Zahl der Anträge seit Jahresbeginn auf 69.606 gestiegen – fast 79 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum 2019.

Hotspot Europa

Anfang des Jahre übrigens hat der "Electric Vehicle Index" der Unternehmensberatung McKinsey Europa zum künftigen "Hotspot" der Elektromobilität gekürt. In Europa waren die Verkaufszahlen von batterieelektrischen Autos und Plug-in-Hybriden schon 2019 geradezu explodiert, sie stiegen laut McKinsey um über 44 Prozent auf 600.000 Fahrzeuge. Den höchsten Marktanteil der Elektroautos verzeichneten der Studie zufolge Norwegen mit fast 45 Prozent, Island mit 22 Prozent und die Niederlande mit 13 Prozent, in Deutschland lag er bei 2,8 Prozent und damit im europäischen Durchschnitt. Als Grund für den Anstieg im vergangenen Jahr und für die günstige Prognose der kommenden Jahre sehen die Experten neben den staatlichen Subventionen auch die CO2-Flottengrenzwerte der Europäischen Union: Bis 2021 müssen die Autohersteller demnach über zwei Millionen Batterieautos und Plug-in-Hybride auf den europäischen Markt bringen, um die CO2-Grenzwerte einzuhalten, die für ihre insgesamt verkaufte Fahrzeugflotte gelten.

Die McKinsey-Studie, die wohlgemerkt vor Ausbruch der Corona-Pandemie veröffentlicht worden ist, sieht die deutsche Autoindustrie als einen der möglichen Elektro-Profiteure. So soll der Anteil deutscher Hersteller an der weltweiten Elektroauto-Produktion von 18 Prozent 2019 auf 29 Prozent im Jahr 2024 ansteigen. Gleichzeitig könnten die deutschen Hersteller mit über 1,7 Millionen produzierten E-Autos der Studie zufolge bereits 2021 zum Weltmarktführer für Elektroautos aufsteigen, knapp vor China – allerdings mit der Einschränkung, dass der deutliche Anstieg vor allem an den eingerechneten Plug-in-Hybriden liegen werde. Noch 2019 entfielen von den 48.000 in Deutschland verkauften E-Autos 31.000 auf reine Elektroautos, während Plug-in-Hybride nur auf 16.500 kamen. 2021, so die Expertenerwartung, werde mindestens die Hälfte der produzierten deutschen Elektrofahrzeuge, von denen auch viele exportiert werden, Plug-in-Hybride sein. Die Förderung der Hybridmodelle ist umstritten, weil viele davon praktisch nie elektrisch gefahren werden und ihr Beitrag zum Klima- und Umweltschutz daher als gering veranschlagt wird.

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