Flugzeug und Bahn

Engere Kooperation zwischen Bahn und Luftfahrt

Verkehr und Klimaschutz

14.05.2021

Die Deutsche Bahn und Vertreter der deutschen Luftverkehrswirtschaft haben im April einen umfangreichen Aktionsplan unterzeichnet, um sich stärker zu vernetzen. Das mittelfristige Ziel dabei lautet: 4,3 Millionen Flugreisende jährlich sollen zukünftig im innerdeutschen Verkehr den Zug nutzen und nicht mehr das Flugzeug. Zur Einordnung: 2019 hat es rund 23 Millionen Reisende im innerdeutschen Flugverkehr gegeben, davon acht Millionen im Zubringerverkehr und 15 Millionen auf reinen Inlandsreisen. Ungefähr jeder fünfte Passagier also soll in Zukunft auf die Bahn umsteigen.

Es profitiert der Klimaschutz

Warum aber diese Übereinkunft, wo doch Bahn und Luftfahrtgesellschaften Wettbewerber sind und zunächst nur die Bahn von dem Aktionsplan zu profitieren scheint? Das gewichtigste Argument lautet: Klimaschutz. Und in der Tat: Anders als in der Energiewirtschaft oder in der Industrie ist der CO₂-Ausstoß im Verkehrssektor gegenüber 1990 kaum gesunken, es besteht also Handlungsbedarf. Weil eine Bahnreise im Schnitt 85 Prozent weniger CO₂ pro Person als ein Flug auf derselben Strecke produziert, ließe sich der Anteil des innerdeutschen Luftverkehrs an den CO₂-Emissionen in Deutschland um ein Sechstel reduzieren, sollte das Passagieraufkommen entsprechend reduziert werden. Nicht nur die Bahn, auch das Klima würde also von dieser Kooperation profitieren.

Doch damit die Luftfahrtgesellschaften freiwillig auf Passagiere verzichten, müssen zugleich wirtschaftliche Argumente dafür sprechen – und das tun sie auch. Denn schon seit geraumer Zeit ist es so, dass sich Inlandsflüge für die Fluggesellschaften in Deutschland eigentlich nicht lohnen. Sie zahlen dabei drauf, können andererseits aber auch nicht darauf verzichten, weil sonst die Konkurrenz die Langstrecken-Kundschaft abwirbt, indem sie sie über eigene Zubringer zu ihren eigenen Flughafendrehkreuzen lotst. Wenn aber die Deutsche Bahn den Zubringer übernimmt, stellt sich dieses Problem nicht.  

Mehr und schnellere Züge

Wie aber soll es gelingen, dass mehr Passagiere auf die Bahn statt auf einen Inlandsflug setzen? Zusammengefasst lautet die Antwort: mehr Zubringerzüge statt Zubringerflüge, attraktivere Schienenverbindungen zwischen deutschen Metropolen und ein leichteres Umsteigen am Flughafen gehören zu den Kernpunkten des Plans. Bereits zum Fahrplanwechsel ab Dezember will die Bahn mit neuen „superschnellen Sprinter-Verbindungen“ mehr Alternativen zu Kurzstreckenflügen anbieten. Im Rahmen einer Kooperation bieten Bahn und Deutsche Lufthansa schon heute täglich 134 Zubringerzüge aus 17 deutschen Städten an den Flughafen Frankfurt. Im zweiten Halbjahr sollen weitere fünf Städte hinzu kommen. Erstmalig wird von Juli an die Anreise zum wichtigsten deutschen Airport mit Lufthansa Express Rail von Hamburg und München möglich sein, von Dezember an auch von Berlin, Bremen und Münster. 

Wo Passagiere das Angebot annehmen und vermehrt auf die Schiene umsteigen, können die Airlines folgerichtig Flugfrequenzen reduzieren und auch Verbindungen einstellen, wie etwa auf der Verbindung Köln–Frankfurt oder zuletzt auf der Strecke Berlin–Nürnberg. Ganz wichtig in diesem Zusammenhang: Die Bahn muss pünktlicher werden, damit Anschlussflüge sicher erreicht werden, außerdem müssen die Tickets kombinierbar sein, sodass die Kunden bei einer verspäteten Zugankunft problemlos und ohne Extrakosten auf den nächsten Flug umbuchen können. Und auch die Flughäfen selbst können einiges tun: Lange Wege und das Problem des Gepäcktransports haben vielen Passagieren bislang die Anreise via Schiene verleidet. Im Rahmen des Aktionsplans will man dem begegnen: Die Beteiligten versprechen eine bessere Wegführung und Beschilderung am Flughafen und eine einfachere Gepäckhandhabung. 

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