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Europa braucht eine funktionsfähige Kapitalmarktunion

Die Kapitalmarktunion bekommt eine neue Chance. Die Europäische Kommission hat Ende 2019 angekündigt, ein High Level Forum on Capital Markets Union einzurichten, besetzt mit 28 hochrangigen Experten. Sie sollen Politikempfehlungen erarbeiten und ihren Bericht bis Mai 2020 vorlegen. Erklärtes Ziel ist es, bei der Kapitalmarktunion spürbare Fortschritte zu erzielen. Um das zu erreichen, wird allerdings eine höhere Kompromissbereitschaft nötig sein, als sie insbesondere von den Mitgliedstaaten bislang aufgebracht wurde.

Mit ihrem Plan greift die Kommission die Diskussion über notwendige Fortschritte bei der Kapitalmarktunion auf, die zuletzt deutlich an Fahrt gewonnen hat. Zum einen hat mit „Markets for Europe“ eine privatwirtschaftliche Initiative eine Roadmap mit Argumenten und Politikempfehlungen zur Vertiefung des europäischen Kapitalmarktes gestartet. Die Kampagne wurde im vergangenen Herbst in Brüssel vorgestellt und mit hochrangigen Stakeholdern diskutiert. Hinter der Roadmap stehen sechzehn europäische CEOs von Banken, Unternehmen, Investoren und Börsen sowie die sechs ehemaligen Notenbankgouverneure oder Finanzpolitiker Viviane Reding (Luxembourg), Christian Noyer (Frankreich), Enrico Letta (Italien), Martina Dalić (Kroatien), Vítor Constâncio (Portugal) und Peer Steinbrück (Deutschland).

Zum anderen haben die Finanzministerien aus Deutschland, Frankreich und den Niederlanden eine Expertengruppe zusammengestellt. Die sogenannte NextCMU High Level Group hat am 9. Oktober 2019 ihren Bericht mit entsprechenden Politikvorschlägen veröffentlicht.

Alle diese Anstrengungen sind von der Überzeugung getragen, dass sich eine Reihe zentraler Probleme ohne eine funktionsfähige Kapitalmarktunion nicht lösen lassen:

  • Damit die europäische Wirtschaft weiterhin zur innovativen Spitze gehört, muss erheblich mehr Eigen- und Wagniskapital auf dem Markt verfügbar sein.
  • Damit die Bürger – auch angesichts der demographischen Veränderungen – angemessen für ihre Rente vorsorgen können, müssen dafür in höherem Maße private Instrumente zur Verfügung stehen und das bereitgestellte Kapital wiederum muss stärker vom Wachstum der Wirtschaft profitieren.
  • Damit Bürger direkt am Wirtschaftswachstum teilhaben können, muss die Investitionskultur in Europa gestärkt und auch regulatorisch unterstützt werden.

Neben der Vertiefung der nationalen Kapitalmärkte wäre deren grenzüberschreitende Integration in der EU ein erheblicher Vorteil für Bürger, Unternehmen und Staaten: Integration bedeutet in diesem Fall mehr Effizienz, mehr Transparenz, mehr Wettbewerb und ein vergleichbarer Zugang zu den Kapitalmärkten.

Die mit der Kapitalmarktunion verbundene stärkere Aufteilung von Risiken auf verschiedene Teilnehmer führt auch zu mehr Finanzmarkt­stabilität. Nicht zuletzt hängt von der Kapitalmarktunion auch die Wettbewerbsfähigkeit und finanzielle Souveränität Europas auf globaler Ebene ab. Ein integrierter Kapitalmarkt würde Europa krisenfester machen: Resistenter sowohl gegenüber internen Konjunktur- und Bankenkrisen, als auch gegenüber externen Krisen, seien es politische Krisen oder Währungs- und Finanzkrisen in anderen Regionen der Welt.

Ausführlich zum Thema: Gastbeitrag von Dr. Christian Ossig, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbands, in der Zeitschrift für das gesamte Kreditwesen (ZfgK) vom 2. Januar 2020

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Ansprechpartner

Dr. Hendrik Hartenstein

Bundesverband deutscher Banken

Associate Director, Themengruppe Unternehmensfinanzierung

Tel. +49 30 1663-3630

hendrik.hartenstein@bdb.de

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