Europa muss seine Position im globalen Finanzsystem stärken

Europa muss seine Position im globalen Finanzsystem stärken

Wenn Europa seine eigene Wirtschaft – und sein Wirtschaftsmodell – schützen will, muss es sich angesichts globaler Verschiebungen wie dem Aufstieg Chinas behaupten und das europäische Fundament in den atlantischen Beziehungen deutlich stärken. Die Europäische Kommission hat daher seit ihrer Mitteilung vom 5. Dezember 2018 „Hin zu einer stärkeren internationalen Rolle des Euro“ zurecht einen zentralen Aspekt der europäischen Integration stärker in den Blick genommen. Die bis dahin übliche Binnenperspektive – man könnte auch sagen Nabelschau – öffnet sich zunehmend, und die Außenperspektive macht mehr und mehr bewusst, dass sich die Europäische Union nicht im luftleeren Raum bewegt, sondern sich ökonomisch wie politisch in einem globalen Wettbewerb befindet. Das Finanzsystem ist dabei zwar nur ein Teil dieses Wettbewerbs – dafür aber ein ganz entscheidender.

Dr. Hendrik Hartenstein

17.04.2019

von Dr. Hendrik Hartenstein

Damit die EU ihre eigenen Interessen gegenüber anderen Wirtschafts­regionen und im Rahmen internationaler Gremien erfolgreich vertreten kann, reichen gute Wirtschaftsdaten und ein großes Außenhandelsvolumen nicht aus. Die EU benötigt darüber hinaus eine kohärente Strategie und ökonomische hard power, wie etwa den Euro als alternative Leitwährung. Voraussetzung hierfür ist wiederum ein einheitlicher und stabiler (Finanz-)Binnenmarkt, der eine erfolgreiche Wirtschafts- und Währungsunion sowie eine Banken- und Kapitalmarktunion einschließt.

Die genannten Anforderungen sind sehr hoch – aber mit geringeren Anstrengungen wird eine Lösung kaum möglich sein. Die aktuelle Diskussion zwischen der EU und den USA um Sanktionen gegenüber Drittstaaten, wie gerade vor allem Russland, zunehmend aber auch China, zeigt die mangelnde Geschlossenheit auf europäischer Seite, aber auch die Abhängigkeit weltweit operierender Finanzinstitute vom US-Dollar. Wenn die Europäer mithalten und international auf Augenhöhe über sinnvolle Sanktionen verhandeln wollen, müssen sie ihre Machtposition im globalen Finanzsystem stärken. Eine wichtige Voraussetzung dafür ist, dass der Euro nicht nur als Transaktionswährung im globalen Rohstoff- und Devisenhandel, sondern auch als Anlagewährung an Anziehungskraft gewinnt. Ein aktuelles Positionspapier des Bankenverbandes bezieht zu diesen strategischen Fragen Stellung. Klar ist: Um die Durchsetzungskraft der EU auf diesem wichtigen Feld spürbar zu stärken, werden die Mitgliedsstaaten die für eine weitere Integration nötige Kompromissbereitschaft aufbringen müssen.

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