Fabrikgebäude

Eurozone: Produktivitätswachstum schwächelt

EU-Wirtschaft

08.02.2021

Das Wachstum der gesamtwirtschaftlichen Produktivität ist seit Jahren rückläufig – nicht nur in Deutschland, sondern in der gesamten Eurozone, wie die Bundesbank in einem aktuellen Monatsbericht zeigt. Die Zunahme bei der Arbeitsproduktivität, die das Verhältnis von gesamtwirtschaftlicher Produktion und Arbeitseinsatz abbildet, habe sich in den vergangenen 20 Jahren „spürbar“ verlangsamt, schreiben die Notenbanker. Wie stark die Produktivität ansteigt, entscheidet maßgeblich über das langfristige Wachstumspotential einer Volkswirtschaft. 

Die Diskrepanz zwischen der aktuellen Produktivitätszunahme und jener aus früheren Jahrzehnten ist augenfällig. Während die Produktivität in den 1970er Jahren jährlich noch um fast vier Prozent zulegte, waren es in den vergangenen acht Jahren weniger als ein Prozent. Doch was sind die Ursachen dieser auf den ersten Blick nicht unbedingt einleuchtenden Entwicklung – schließlich geht sie einher mit einem bis zur Corona-Krise anhaltenden Wirtschaftswachstum, einer zurückgehenden Arbeitslosigkeit, einer zunehmenden Akademisierung der Arbeitskräfte und einer hohen technologischen Dynamik? 

Strukturelle Faktoren

Nur teilweise führen die Ökonomen der Bundesbank den Rückgang des Produktivitätswachstums auf die globale Wirtschafts- und Finanzkrise von 2008/2009 mit ihren tiefen konjunkturellen Einschnitten zurück. Gerade bei den großen Euroraum-Staaten sei schon vor der Krise ein Abschwächen zu beobachten gewesen, was auf strukturelle Faktoren hindeute. So gebe es für manche Wirtschaftsbereiche Hinweise, dass die Fähigkeit von Unternehmen, neue Produkte und Prozesse zu entwickeln sowie neue Technologien in den Produktionsprozess zu integrieren, nachgelassen haben könnte. Möglicherweise kann diese Entwicklung auf zu geringe Investitionen zurückgeführt werden. Das ZEW (Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung) hat bereits vor knapp drei Jahren darauf hingewiesen, dass die Ausrüstungsinvestitionen zumindest in Deutschland im internationalen Vergleich gering seien, was zu einer sinkenden Arbeitsproduktivität führe. Auch würden deutsche Unternehmen nur in relativ geringem Maße in fortschrittliche Informations- und Kommunikationstechnologien investieren.

Darüber hinaus nehmen die Bundesbank-Ökonomen neben regulatorischen Hemmnissen auch sozio-ökonomische Faktoren wie den Fachkräftemangel und den demografischen Wandel in den Blick. Analysen legten einen „spürbaren negativen Einfluss“ der Alterung auf das Produktivitätswachstum nahe, was die Entwicklung künftig weiter dämpfen könnte. Die unzureichende Dynamik bei Unternehmensneugründungen könnte ebenfalls mit der Alterung zu tun haben. Auch der relative Bedeutungsverlust der Industrie, der mit einer Verlagerung des Arbeitseinsatzes in Wirtschaftszweige mit vergleichsweise niedrigen Produktivitätszuwächsen einherging, bremste dem Bericht zufolge den Produktionsfortschritt. Verstärkte Produktivitätsgewinne in einigen Dienstleistungsbereichen hätten dies nicht ausgleichen können.

Corona und Produktivität

Wie sehen die Prognosen für die Zukunft aus – gerade vor dem Hintergrund der Coronavirus-Pandemie? Laut Bundesbank lassen sich die Folgen gegenwärtig nur schwer abschätzen. Die durch die Pandemie ausgelösten gesamtwirtschaftlichen Verwerfungen dürften das künftige Arbeitsproduktivitätswachstum einerseits belasten. Andererseits ist nicht auszuschließen, dass die besonderen Herausforderungen der Krise einen Innovationsschub auslösen, der diesen Belastungen entgegenwirkt.

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