Existenzgründung

Existenzgründungen: Trendwende in Sicht?

Unternehmen

Seit 2010 ist die Zahl der Existenzgründungen in Deutschland mit Ausnahme des Jahres 2019 rückläufig. Im ersten Halbjahr 2020 setzte sich der negative Trend weiter fort: Es wurden 8 Prozent weniger Gewerbe angemeldet als im gleichen Zeitraum 2019, teilte das Statistische Bundesamt im August mit. Allerdings weisen die Statistiker selbst darauf hin, dass das erste Halbjahr 2020 vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie kaum mit dem Vorjahreszeitraum verglichen werden könne, allein schon deswegen, weil viele Ämter im Frühjahr geschlossen gewesen seien und deshalb weniger Anmeldungen hätten durchgeführt werden können. Ergänzend sei hinzugefügt, dass so mancher potenzielle Existenzgründer den Zeitpunkt mitten während einer Pandemie mit Kontaktbeschränkungen und Wirtschaftseinbruch nicht unbedingt als ideal eingestuft haben dürfte.

Weniger Arbeitslose, weniger Gründungen?

Was aber verraten die Zahlen der letzten Jahre überhaupt? Und welche Prognosen können für die Zukunft angestellt werden? Den rückläufigen Trend führen viele Experten u.a. darauf zurück, dass es Deutschland bis Jahresanfang wirtschaftlich gut gegangen ist. Deswegen und vor dem Hintergrund einer Rekordbeschäftigung haben sich weniger Menschen gezwungen gesehen, einer drohenden oder tatsächlichen Arbeitslosigkeit durch einen Sprung in die Selbstständigkeit zu entkommen. Allerdings ist es mit den wirtschaftlich starken Jahren nun erst einmal vorbei: Die Arbeitslosigkeit ist in den letzten Monaten coronabedingt zwar nicht sprunghaft, aber spürbar angestiegen, und noch ist nicht absehbar, wann Deutschland wieder das wirtschaftliche Niveau von vor der Krise erreichen wird. Beobachter der Szene gehen deswegen davon aus, dass durch den wirtschaftlichen Abschwung wieder mehr Personen eine Existenzgründung starten und im nächsten Jahr die Zahl der Neugründungen wieder zunehmen wird. Begründung: Wenn Menschen ihren Arbeitsplatz verloren haben, steigt die Bereitschaft, ins unternehmerische Risiko zu gehen.

Fachleute, die Fördergelder an Gründer in spe vergeben, bestätigen diese Analyse und verweisen auf ein seit einiger Zeit gesteigertes Interesse an Unternehmensgründungen. Beispielhaft hierfür steht das Exist-Gründerförderungsprogramm des Bundeswirtschaftsministeriums, das Stipendien an innovative, technologieorientierte Vorhaben vergibt. Bis zu 3000 Euro im Monat über ein Jahr zuzüglich 10 000 Euro für Sachausgaben und weiteres Geld für Coaching können Gründer dort beantragen. Seit Anfang des von der Pandemie geprägten Jahres sei die Zahl der Anträge um rund 10 Prozent gestiegen, heißt es.

Mehr Gründungen in Zukunftsbereichen

Nicht nur die Verantwortlichen des Exist-Programms weisen obendrein darauf hin, dass der Anteil innovativer Unternehmensgründungen an allen Gründungen eher zunimmt. Inzwischen komme es seltener dazu, dass Handwerksbetriebe gegründet werden. Stattdessen gebe es mehr Gründungen, die sich auf digitale Geschäftsmodelle oder Technologie konzentrieren. Auch wenn die Gesamtzahl der Gründungen sinke, nehme die Zahl der Gründer in wichtigen Zukunftsbereichen also eher zu.

Drucken/PDF

Kontakt

SCHULBANK Wirtschaft für den Unterricht

Bundesverband deutscher Banken e.V.

schulbank@bdb.de

Ähnliche Beiträge

Unterrichtseinheit

Wirtschaft im Unterricht

21. September 2020

Unterrichtsstunde und interaktive Übung

Unterrichtsstunde

[zum Artikel]
Unterrichtsstunde und interaktive Übung

Cookie Einstellungen