Buch und Geld

Finanzielle Bildung wirkt

Die Deutschen sparen häufig zu wenig für ihre Altersversorgung, ihre Geldanlagen sind unzureichend diversifiziert und oft renditeschwach. Zudem gelten fast zehn Prozent der Menschen als überschuldet; viele sind auch zu teuer verschuldet, weil sie beispielsweise permanent ihr Girokonto überziehen. Schon Jugendliche überschulden sich nicht selten wegen zu teurer Handy-Verträge. Problematisches Finanzverhalten gibt es demnach hinreichend, und entsprechend groß sind Bemühungen es zu verbessern.

Die vielfältigen Maßnahmen, die der „finanziellen Bildung“ zugerechnet werden können, reichen von Schulungsmaterial über spezielle Kurse bis zum Schulunterricht. Sie zielen darauf ab, sub-optimalem Finanzverhalten entgegenzuwirken. Daneben gibt es andere Instrumente, wie man die Ergebnisse von Finanzverhalten verbessern könnte, etwa durch die Integration von Finanzthemen in den Mathematik-Unterricht oder die Eliminierung von „schlechten“ Finanzprodukten mittels restriktiver Regulierung. Finanzielle Bildung ist jedenfalls nicht unumstritten. Klar ist deshalb, dass sie nur dann in Betracht gezogen werden sollte, wenn sie überhaupt wirksam ist, also nachweislich finanzielle Kompetenzen und individuelles Finanzverhalten verbessern kann. 

Genau dies wird aber manchmal bestritten (etwa Kirchner, C., 2019), obwohl der aktuelle Literatur- und Forschungsstand eigentlich keinen Zweifel mehr daran zulässt, dass finanzielle Bildung empirisch wirksam ist. Man kann sich demnach gegen (eine Intensivierung von) Maßnahmen finanzieller Bildung aussprechen, aber nicht mit dem falschen Argument, dass sie nicht wirksam seien.

Neuere Studien belegen Wirksamkeit

Die gelegentlich geäußerte Vorstellung, dass finanzielle Bildung unwirksam sei, beruht im Wesentlichen auf frühen Einzelstudien, die als Einzelbefunde unzulässig verallgemeinert wurden, und einer ebenfalls frühen Meta-Studie von Fernandes et al., (2014) also eine quantitative Auswertung der Literatur. Diese kam zu dem Schluss, dass finanzielle Bildung nur scheinbar wirksam sei, weil die meisten Studien methodisch angreifbare Ergebnisse lieferten. Dagegen sei der gemessene durchschnittliche Effekt bei den 15 als methodisch fundiert angesehenen Studien so klein und die Schätzunsicherheit um diesen durchschnittlichen Effekt so groß, dass man nicht sicher sagen könne, dass finanzielle Bildung ihre Ziele auch erreiche.

Tatsächlich ist dieses Urteil jedoch ein Beispiel für ein vorschnelles Urteil. Zum einen wurde der Nutzen finanzieller Bildung in der Studie von Fernandes et al. anhand eines eher unüblichen Maßes dargestellt, das einen kleinen Koeffizienten der Wirksamkeit anzeigt. Wenn etwa einer Bildungsintervention nur 0,36 Prozent der Varianz in Lernerfolgen zugeschrieben wird, sieht das für außenstehende Laien nicht sonderlich vielversprechend aus. Der gleiche Effekt auf der Basis einer ökonomischen Interpretation ausgedrückt, entspricht tatsächlich einem Lerneffekt von 0,6 bis 0,9 Schuljahren. Man sieht: Die Art der Ergebnisdarstellung kann einen riesigen Unterschied ausmachen. Wir meinen, dass für politische Entscheidungsträger und die öffentliche Diskussion die zweite, ökonomisch geprägte Interpretation informativer ist und in jedem Fall auch ausgewiesen werden sollte.

Das Hauptproblem ist aber, dass der Befund von Fernandes et al. letztlich nur auf 15 Studien und damit relativ wenigen Beobachtungen beruht; mehr Informationen gab es zum damaligen Zeitpunkt einfach noch nicht. Unter Berücksichtigung zusätzlicher neuerer Studien kann man aber die Präzision der Schätzung deutlich erhöhen. Zudem ergeben die neueren Studien verbesserte Ergebnisse. Insgesamt kommen wir in unserer Meta-Studie von 2017 (Kaiser, T./Menkhoff, L., 2017) auf der Basis von 51 Studien zu ungefähr doppelt so großen positiven und statistisch signifikanten Ergebnissen für Maßnahmen finanzieller Bildung wie Fernandes et al..

Zusammen genommen zeigt dies, dass finanzielle Bildung, soweit sich dies zum heutigen Stand beurteilen lässt, statistisch signifikant wirksam ist. Dass der „Stand der Forschung… bestenfalls diffus“ sei (Kirchner), kann folglich heute nicht mehr zutreffend behauptet werden. Schon eine Weltbankstudie von 2015 (Miller, M. et al., 2015) hatte Zweifel am negativen Pauschalurteil über finanzielle Bildung begründet. Spätestens mit unserer Meta-Studie von 2017 sollte die Wirksamkeit finanzieller Bildung überzeugend belegt sein. Unsere neueste Meta-Studie (Kaiser, T./Menkhoff, L., 2019) bestätigt den Befund noch einmal explizit für Schulen. Das Ausmaß der Wirksamkeit finanzieller Bildung ist dabei vergleichbar mit den Lernerfolgen in anderen Unterrichtsfächern. Man muss sich deshalb, wie eingangs gesagt, nicht für ihre flächendeckende Einführung aussprechen, aber auf jeden Fall lässt sich schwerlich mit einer angeblich fehlenden Wirksamkeit dagegen argumentieren.

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