Frankfurt – Geburtsort der wichtigsten deutschen Börse

Geldreise durch Deutschland

Ob Bremerhaven, Leipzig oder Bonn: Manche deutsche Stadt ist (oder war) für das  Finanzwesen hierzulande besonders bedeutsam. Wir präsentieren in unserer Serie „Geldreise durch Deutschland“ wichtige Schauplätze. Nächster Stopp: Frankfurt am Main.

Wer Frankfurt hört, hat sie sofort vor Augen: die Wolkenkratzer, die internationalen Banken, die darin residieren, und nicht zuletzt die Börse – besser betont als die Börse. Schließlich ist sie nicht nur die mit Abstand wichtigste Wertpapier-Handelsplattform in Deutschland, sondern auch eine der umsatzstärksten europaweit.

Die Wurzeln der Frankfurter Börse reichen bis ins Mittelalter zurück. Im zwölften Jahrhundert fanden in der Stadt am Main regelmäßig Herbst- und Frühlingsmessen statt. Diese brachten einen regen Waren- und Geldverkehr mit sich. Die Messen entwickelten schon bald einen überregionalen Absatzmarkt und zogen auch Kaufleute aus Frankreich und den Niederlanden an.

1585: Grundstein für die Frankfurter Börse

Kaufleute aus aller Herren Länder waren es also, die den florierenden Großhandel und das Bankgeschäft in der hessischen Stadt etablierten. Doch es gab ein Problem: Die unterschiedlichen europäischen Münzsysteme und Wechselkonditionen erschwerten den Handel. 1585 schlossen sich die Kaufleute schließlich zusammen, um einheitliche Wechselkurse für Münzen festzulegen – der Grundstein für die Frankfurter Börse.

Der erste amtliche Kurszettel wurde 1625 verfasst und führte die Durchschnittskurse für zwölf Währungen auf. Der älteste heute noch erhaltene Kurszettel der Frankfurter Börse stammt von 1721 und enthielt 16 Münzkurse. 1682, also knapp 100 Jahre nach der Fixierung der Wechselkurse, trat die erste Börsenordnung in Kraft. 1820 handelte man dann mit der ersten Aktie in Frankfurt: Anteile der Österreichischen Nationalbank.

Digitalisierung: Computer übernehmen die Hauptarbeit

Heute ist die Frankfurter Börse ein Handelsplatz für Privatanleger. Seit 1997 arbeitet sie mit dem elektronischen Handelssystem Xetra („Exchange Electronic Trading“). Der Parketthandel endete jedoch erst 2011, nach mehr als 425 Jahren Betrieb, und der Handel ging vollständig auf Xetra über. Das System ist speziell für professionelle Wertpapiergeschäfte konzipiert und macht die Börse zu einer der größten der Welt. Der Marktanteil am Wertpapierhandel in Deutschland liegt bei rund 90 Prozent.

Die Digitalisierung verändert auch die Berufsbilder an der Börse. Früher gab es „Skontroführer“, die die Preise der Wertpapiere aufgrund von Angebot und Nachfrage festsetzen. Heute übernehmen Computer die Alltagsarbeit; die ehemaligen Kursmakler wurden spätestens mit Xetra zu Spezialisten, die das Handelssystem nur noch kontrollieren. Gegebenenfalls stellen sie auch Liquiditäten bereit. Derzeit sind lediglich noch elf Spezialisten an der Frankfurter Börse registriert.

Übrigens ist zu unterscheiden: Es gibt einerseits die Börse Frankfurt als Handelsplatz der Frankfurter Wertpapierbörse für private Investoren. Andererseits ist in Frankfurt die Deutsche Börse AG ansässig. Sie betreibt die Börse Frankfurt wie auch Xetra und organisiert somit auch das Geschäft mit Unternehmen und (Groß-)Investoren.

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