Geldgeschichte(n) – Teil 23: Die weite Reise der Deutschen Mark

In unserer Reihe blicken wir auf die Geschichte der Finanz- und Wirtschaftswelt zurück. Welche Ereignisse haben einst Märkte und Menschen bewegt? Heute: die Geburt der Deutschen Mark, welche im Oktober 1947 erstmals gedruckt wurde.

Die Reichsbank hatte in den letzten Kriegsjahren immer wieder kräftig die Notenpresse angeworfen. Die Reichsmark verlor nach Kriegsende massiv an Wert. Mitunter kostete ein Pfund Butter mehr, als ein Deutscher durchschnittlich verdiente – im Monat! Die Folge: Die meisten Bürger erhielten Lebensmittel und Kleidung nur noch über Bezugsscheine, der Schwarzmarkt blühte. Als besonders wertvolle Währung erwiesen sich Zigaretten, vor allem amerikanische: Für eine einzige Lucky Strike oder Camel erhielt man ein Kilo Kartoffeln. 

„Micky-Maus-Geld“: USA druckt Deutsche Mark im Alleingang

Die Alliierten wussten um das Problem. Großbritannien, die USA und Frankreich einigten sich im Frühjahr 1947 auf eine Währungsreform – ohne Beteiligung der Sowjetunion.  Im Oktober 1947 teilte die American Bank Note Company in New York City der US-Regierung mit, sie könne einen entsprechenden Druckauftrag bis Ende des Jahres ausführen – jedoch nur, wenn dieser sofort erteilt werden würde. Sonst würde sie sich kleineren Aufträgen annehmen, die einen Druck der deutschen Banknoten bis auf Weiteres unmöglich machen würden. 

Unter strengster Geheimhaltung beschloss die USA schließlich die Herstellung neuer Banknoten für Westdeutschland. Zwischen Februar und April 1948 lief die Operation „Bird Dog”: Rund 5,7 Milliarden D-Mark wurden in 23.000 Kisten nach Europa verschifft. Importiertes Geld aus den Vereinigten Staaten – im Volksmund nannte man es häufig „Micky-Maus-Geld“.

Edward Tenenbaum, der Mann der Währungsreform

Bevor das Geld aber an die Bevölkerung ausgegeben wurde, traf sich am 20. April 1948 im ehemaligen Luftwaffen-Fliegerhorst Rothwesten bei Kassel die sogenannte Währungskonklave. Neben elf deutschen Wissenschaftlern spielte vor allem der US-amerikanische Leutnant Edward Tenenbaum eine wesentliche Rolle. Zwischen der amerikanischen Militärregierung und den deutschen Fachleuten sei er „das intellektuelle Bindeglied“ gewesen, schrieb der spätere Bundeskanzler Helmut Schmidt. Übrigens: Der Name „Deutsche Mark“ geht auf Tenenbaums Vorschlag zurück. 

Nach langer Beratung einigte man sich auf einen Wechselkurs. Zwei Monate später, am 20. Juni 1948, war es schließlich soweit: Jeder deutsche Bürger in der Westzone erhielt für 40 Reichsmark 40 D-Mark. Wenig später bekamen die Deutschen noch mal 20 D-Mark im Tausch gegen 20 Reichsmark. Während Ersparnisse weitgehend entwertet wurden, konnten sich Besitzer von Sachwerten glücklich schätzen: Deren Wert stieg. 

Die Währungsreform spaltet Deutschland

Die Deutsche Mark kurbelte die westdeutsche Wirtschaft schnell an: Die Regale in den Läden waren wieder voll, die Kaufkraft legte zu und es entstanden neue Arbeitsplätze. Doch die Währungsreform hatte nicht nur einen positiven Effekt – sie sorgte auch für die zunehmende Spaltung Deutschlands. Bereits wenige Tage nach Einführung der D-Mark zog die Sowjetunion in Ostdeutschland ihre eigene Währungsreform durch. Kurios: Weil Papier Mangelware war, wurde auf die alten Reichsmark-Scheine lediglich ein neuer Wert aufgeklebt. Daher nannte man das Geld auch „Tapetenmark“. 

Weil die Sowjetunion verhindern wollte, dass die D-Mark nach Ostdeutschland schwappte, riegelten die sowjetischen Besatzer Berlin ab und versperrten sämtliche Zufahrtswege in den westlichen Teil der Stadt. So kam es zur berühmten Luftbrücke des US-Militärs und der monatelangen Versorgung durch die „Rosinenbomber“.

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