Neue Gründerplattform: Digital in die Selbstständigkeit starten

Unsere Arbeitswelt ändert sich schneller denn je. Die Digitalisierung lässt neue Berufsbilder entstehen und alte aussterben. Aber ein Beruf wird immer und zunehmend gebraucht: der des Unternehmers. Eine neue Plattform des BMWI und der KfW (gruenderplattform.de) will Gründungsbegeisterung in Deutschland wecken.

20.06.2018

von Dr. Jan Evers

Ohne Menschen, die unternehmerische Ideen umsetzen, Gelegenheiten ergreifen, neue Lösungen entdecken und die Gesellschaft gestalten wollen, werden wir auch und gerade in der digitalen Zukunft nicht auskommen. Anders als etwa für Busfahrer oder Steuerberater, deren Jobs durch binäre Systeme und Künstliche Intelligenz bedroht sind, bietet die Digitalisierung für Unternehmer sogar neue historische Chancen.

Nie war es einfacher, ein Unternehmen zu gründen! Im Internet lassen sich Geschäftsideen mit deutlich geringerem Risiko ausprobieren und dank vernetzter Prozesse können Unternehmen heute extrem schlank und ohne aufwendige Infrastruktur aufgezogen werden. Gleichzeitig lässt sich vieles, was früher am Unternehmersein genervt hat, automatisieren. Die leidige Buchhaltung oder das vertrackte Controlling zum Beispiel können schon heute elektronisch organisiert werden. So bleibt mehr Zeit für das, was am Unternehmerberuf wirklich Freude macht und Faszination weckt: Ideen entwickeln, Problemlösungen erarbeiten, Marktlücken aufspüren und neue Märkte erschließen.

Umso tragischer ist es, dass die Zahl derjenigen, die sich für diesen Beruf entscheiden, seit Jahren rückläufig ist. Um diesem Trend entgegenzuwirken, haben das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) und die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) die Initiative ergriffen und gemeinsam mit dem Startup BusinessPilot eine Gründerplattform auf die Beine gestellt. Ziel ist es, mehr Menschen zum Gründen zu ermuntern. Dabei setzt die Gründerplattform im Wesentlichen an drei Punkten an:

  • Sie schafft mehr Orientierung in der unübersichtlichen Förderlandschaft.
  • Sie bietet positive Identifizierungsmöglichkeiten, indem sie das überkommene Klischee vom typischen Unternehmer durch neue Vorbilder ersetzt.
  • Sie stellt ein vollständig digitales Arbeitsumfeld zur Verfügung und unterstützt Gründer von der ersten Inspiration bis zur Finanzierung ihres Vorhabens. 

Mehr Orientierung in der Förderlandschaft

An der Gründungsförderung in Deutschland kann es eigentlich nicht liegen, dass immer weniger Menschen den Mut finden, ein Unternehmen zu gründen – sie zählt zu den besten der Welt. Aber angesichts der Vielzahl an Möglichkeiten fällt es vielen schwer, den Überblick zu behalten. Hier kann die Gründerplattform als zentraler Sammelpunkt helfen. In der Art eines Vergleichsportals übersetzt sie für Gründer das Prinzip der Plattformökonomie in die Gründungsförderung: Auf der einen Seite stehen die Förderpartner, die ihre Angebote einpflegen und aktualisieren, auf der anderen Seite die Nutzer, die aus dem breiten Spektrum das Passende für sich auswählen können. Dazwischen die vermittelnde Gründerplattform, die die Angebote systematisch aufbereitet und filtert.

Neue Vorbilder schaffen – alte Vorurteile abbauen

Obwohl sich der Unternehmerberuf stark gewandelt hat, hält sich hartnäckig ein Bild in der Öffentlichkeit, wonach man sich ohne BWL-Studium besser nicht selbstständig macht und auf jeden Fall bereit sein sollte, mindestens 60 Stunden die Woche zu arbeiten. Mit diesem Vorurteil räumt die Gründerplattform auf. Sie zeigt, wie heterogen und facettenreich die Gründerszene in Wahrheit ist. Hier kommen die unterschiedlichsten Unternehmertypen zum Zuge: Männer und Frauen, Alte und Junge, Teamplayer und Soloselbstständige, Organisationstalente und Spezialisten, Haupt- und Nebenberufliche etc. Mit einer einfachen Matching-Funktion findet auf der Gründerplattform jeder Nutzer Vorbilder, die zu ihm passen und von denen er bei allen kniffligen Fragen rund um das Thema Gründen lernen kann. Denn die Frage, die sich Gründungsinteressierte stellen sollten, ist nicht mehr „Bin ich ein Unternehmertyp?“ sondern: „Was für ein Unternehmertyp bin ich?“

Gründen wird digital

Auf der Gründerplattform werden Interessierte in allen Phasen des Gründungsprozesses unterstützt. Alle Arbeitsschritte erfolgen onlinebasiert, sodass man jederzeit und von überall darauf zugreifen und seine Partner zur Mitarbeit einladen kann. Ein ausgefeiltes Tool hilft beim Erarbeiten des Geschäftsmodells und ein weiteres dabei, es in einen finanzierungsreifen Businessplan zu übertragen. Videotutorials von Experten, viele kompakte Ratgeber, Erfahrungsberichte der Vorbild-Unternehmer und ein automatischer Businessplancheck helfen dabei, an alles zu denken und typische Planungsfehler zu vermeiden.

Ist die Geschäftsidee durchdacht und zu einem Businessplan gereift, endet die Unterstützung durch die Gründerplattform aber noch nicht.  Anstatt sich jetzt mit dem ausgedruckten Businessplan auf den Weg zur Bank machen zu müssen und dort womöglich zu erfahren, dass wichtige Unterlagen fehlen, können Gründer ihre Finanzierungsanfrage ganz einfach online stellen.

Keine Idee soll auf der Strecke bleiben

Die Gründerplattform bietet individuelle Zustiegsmöglichkeiten und holt alle potenziellen Gründer da ab, wo sie gerade stehen – gleich, ob sie noch Inspiration für ihre Selbstständigkeit suchen oder schon einen fertigen Businessplan in der Schublade haben, ob sie ein technikbasiertes Start-up oder ein Sushi-Restaurant gründen wollen, ob sie im Team mit hohem Kapitalbedarf oder nebenberuflich als Kleinunternehmer starten wollen.

Mehr Informationen: www.gruenderplattform.de

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