Industrie in Deutschland nach wie vor stark

Wirtschaftsstruktur

Während die Industrie in einigen europäischen Ländern erheblich an Bedeutung eingebüßt hat, ist der industrielle Sektor in Deutschland nach wie vor stark. Doch verschiedene Faktoren könnten dazu führen, dass auch die heimische Industrie unter Druck gerät.

Die Industriepolitik ist gegenwärtig in aller Munde: sei es, dass das Bundeswirtschaftsministerium eine „Nationale Industriestrategie 2030“ veröffentlicht, dass immer lautstärker über die Rolle Chinas als industrieller Herausforderer und Käufer deutscher Unternehmen diskutiert wird oder dass Angela Merkel und Emmanuel Macron beim bevorstehenden EU-Gipfel erste Vorschläge für eine europäische Industriepolitik vorlegen wollen. Doch wie ist es eigentlich um die Rolle der Industrie in den führenden Wirtschaftsnationen bestellt? Schaut man sich an, welcher Anteil des Bruttoinlandsprodukts jeweils auf die industrielle Produktion entfällt, unterscheiden sich die Zahlen von Land zu Land erheblich. In Deutschland beispielsweise steuerte die Industrie im Jahr 2017 gut 23 Prozent zur gesamtwirtschaftlichen Bruttowertschöpfung bei – genauso viel wie 2007 und einiges mehr als im EU-Durchschnitt.

Deindustrialisierung in Frankreich und Großbritannien

Der Industrieanteil in der Europäischen Union liegt mit 16 Prozent deutlich unter dem deutschen Wert. Er ist zwar ebenfalls seit zehn Jahren konstant, dahinter verbergen sich jedoch spürbare Verschiebungen. Während die Industrie in den westeuropäischen Ländern geschrumpft ist – in Schweden gar um 5 Prozentpunkte –‚ hat sie in Ostmitteleuropa leicht zugelegt: In Polen kletterte der Beitrag des Verarbeitenden Gewerbes zur Wirtschaftsleistung binnen zehn Jahren von knapp 19 auf 20 Prozent, in Tschechien von 26 auf fast 27 Prozent. Wirtschaftliche Schwergewichte wie Frankreich und Großbritannien dagegen zeigten sich mit industriellen Wertschöpfungsanteilen von nur noch gut 11 und 10 Prozent im Jahr 2017 weitgehend deindustrialisiert. Die Lage in den USA ist ähnlich. Und China hatte zuletzt zwar einen Industrieanteil von fast 29 Prozent – 2007 waren es aber noch 32 Prozent. Auch dort wächst mit steigendem Wohlstand die Bedeutung des Dienstleistungssektors. In Südkorea ist die Industrie indes weiter auf dem aufsteigenden Ast: Ihr Anteil liegt inzwischen bei über 30 Prozent.

Unterdurchschnittliche Entwicklung erwartet

Eine wesentliche Triebfeder der bislang so guten Entwicklung in Deutschland war das Exportwachstum im Bereich der Investitionsgüter: Deutsche Unternehmen wurden zum gefragten Ausrüster chinesischer und osteuropäischer Fabriken. Doch das Wachstum in China hat sich verlangsamt und die politische Führung steuert in Richtung Dienstleistungen und heimische Fertigung von Maschinen um. Der aufkommende Protektionismus wichtiger Handelspartner wie den USA sowie der Brexit bedrohen die exportstarken deutschen Unternehmen zusätzlich. Am heimischen Standort kommen noch Fachkräfteengpässe und absehbar steigende Sozialkosten durch den demografischen Wandel hinzu, sodass in den kommenden Jahren eher mit einer unterdurchschnittlichen Entwicklung der Industrie zu rechnen ist.

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