Windraeder

Kohle rückläufig, Windkraft stagniert

Energiepolitik

Die Zahl der Kohlekraftwerke ist einer Studie zufolge in diesem Jahr weltweit erstmals geschrumpft. Im ersten Halbjahr 2020 seien Anlagen mit 18,3 Gigawatt Leistung ans Netz gegangen, aber Meiler mit über 21 Gigawatt stillgelegt worden, ergab eine Untersuchung der Klimaschutz-Organisationen „Global Coal Plant Trackers“ und „Global Energy Monitor“. Der Rückgang sei vor allem auf Europa zurückzuführen: Hier wurden 8,3 Gigawatt stillgelegt, weitere 6 Gigawatt sollen im zweiten Halbjahr folgen. In Deutschland etwa werden seit vielen Jahren keine neuen Kohlekraftwerke mehr gebaut. Der Meiler Datteln 4 wurde schon 2007 in Angriff genommen und wegen Planungs- und Baumängeln erst dieses Jahr in Betrieb genommen. Nach dem Ausstiegsbeschluss der Bundesregierung soll das letzte Kohlekraftwerk in Deutschland spätestens 2038 vom Netz. Anders die Entwicklung in China: Hier wurden auch in der ersten Hälfte dieses Jahres entgegen dem globalen Trend die Kapazitäten erweitert.

Windkraft: Einbußen durch Corona

Kohlekraftwerke sind für etwa 40 Prozent des weltweiten Ausstoßes an CO₂ verantwortlich, weswegen der allmähliche Ausstieg aus dieser Technologie notwendig ist, um die Klimaschutzziele zu erreichen. Eine Alternative zur Kohle stellt die Windkraft dar. Allerdings hat die Corona-Krise der europäischen Windindustrie im ersten Halbjahr empfindliche Einbußen beschert. Zwar konnten Anlagen mit 5,1 Gigawatt Leistung installiert und das Niveau der drei Vorjahre gehalten werden, wie der Branchenverband Windeurope mitteilte. 3,9 Gigawatt entfielen demnach auf Windräder an Land (Onshore), 1,2 Gigawatt auf Windräder zu See (Offshore). Auch was die Finanzierung neuer Projekte anbelangt, vermeldete der Verband positive Zahlen. So sei mit 14,3 Milliarden Euro so viel Geld zusammengekommen wie nie zuvor in einem Halbjahr.

Grund für diese Rekordsumme ist allerdings einzig eine außergewöhnlich große Mittelbereitstellung für Offshore-Projekte in Frankreich, Großbritannien und den Niederlanden. 11 Milliarden Euro kamen in den drei Ländern so zusammen. Dagegen markieren die 3,3 Milliarden Euro, die Investoren für Onshore-Projekte bereitstellten, einen Tiefpunkt. Auch für das zweite Halbjahr ist die Prognose der Branchenvertreter wegen der Corona-Krise durchwachsen. Vor allem im größten europäischen Markt, in Deutschland, geht der Ausbau der Windkraft nicht voran. Wie der Bundesverband Windenergie (BWE) und VDMA Power Systems bekanntgaben, stieg die Zahl an installierten Windrädern abzüglich abgebauter Altanlagen im ersten Halbjahr von 29.456 auf gerade einmal 29.546 – also um 90 Anlagen oder 0,3 Prozent. Weil die neuen Modelle größer und effizienter sind, ist der Zuwachs an Leistung mit 0,9 Prozent etwas größer; in Summe erhöhte sich der Bestand um 0,5 auf nunmehr 54,4 Gigawatt, im zweiten Halbjahr soll laut den Branchenvertretern nochmal ein Gigawatt dazu kommen. Da die Anlagen nur wenige Wochen im Jahr unter Volllast arbeiten, liegt die installierte Leistung allerdings weit höher als die tatsächlich realisierte Leistung.

Kritiker monieren, dass der Ausbau deutlich langsamer vorangehe, als von der Bundesregierung im Zuge der Energiewende für notwendig erachtet. Defizite gebe es vor allem auf Planungs- und Genehmigungsseite. Vor allem die stellenweise erheblichen Anwohnerproteste verlangsamen aus Sicht der Windbranche den Ausbau. Nur wenn die Bereitstellung von ausreichend Flächen in den Ländern gelinge, ließen sich der benötigte Ausbau der Erneuerbaren Energien und die Klimaschutzziele erreichen.

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