Maschinenbau

Der Maschinen- und Anlagenbau in der Corona-Krise: Besser als erwartet – aber lange nicht gut genug…

Gastbeitrag

17.12.2020

Der Maschinen- und Anlagenbau steckt aufgrund der Digitalisierung in einem unaufhaltsamen Innovations- und Transformationsprozess – der durch die Corona-Pandemie auch jenseits von „New Work“ und Videokonferenzen nochmals an Fahrt gewonnen hat. Aber wie sollen die Unternehmer ihre Firmen visionär in die Zukunft führen, wenn der Fokus krisenbedingt auf dem eigenen Unternehmen, den Mitarbeitern und der Herausforderung liegt, die eigenen Servicekräfte über die Grenzen zum Kunden schicken zu können? 

Wieder höherer Absatz in China und den USA

Als sehr exportorientierte Branche mit einer Exportquote von fast 80 Prozent traf den Maschinen- und Anlagenbau der pandemiebedingte Wirtschaftseinbruch auf fast allen großen Märkten gleichzeitig. Anders als in vorangegangenen Wirtschaftskrisen haben die Unternehmen es mit kurzfristigen flächendeckenden Stillständen zu tun. Dies wirkte sich anfangs stark auf die Lieferketten aus, so dass bestehende Aufträge nicht ausgeführt werden konnten. Im Laufe der Pandemie hat sich der Engpass in den Lieferketten normalisiert und die vielerorts noch fehlende Nachfrage aus dem In- und Ausland ist nun der bestimmende Faktor. Allerdings hat sich insbesondere der Absatz in China und in den USA wieder verbessert, so dass die aktuellen Konjunkturprognosen für den Maschinenbau nicht mehr ganz so negativ sind und die Produktionsprognose für 2021 sogar auf plus 4 Prozent angehoben wurde. Darauf hat auch eine zweite Corona-Welle in Deutschland bisher nur geringfügige Auswirkungen. Leider ist das aber auch noch lange nicht gut genug, um langfristig die Liquidität und Innovationsfähigkeit der Unternehmen zu erhalten. 

Viele Unternehmen nutzen die von der Bundesregierung zügig beschlossenen Maßnahmen – insbesondere die Kurzarbeitsregeln – zur Kapazitätsanpassung. Ziel ist es, Arbeitskosten zu senken, Standorte zu sichern und Mitarbeiter zu halten, denn lange Jahre war gerade im Maschinen- und Anlagenbau der Fachkräftemangel ein beherrschendes Thema. Auch haben die EU-Kommission und die Bundesregierung schnell Maßnahmen beschlossen, die Liquidität der Unternehmen zu sichern. Liquiditätshilfen und Sicherungsmaßnahmen in Form von Krediten und Bürgschaften sowie Erleichterungen im Bankgeschäft sind auf den Weg gebracht worden. Bisher haben die Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus davon nur in geringem Maß Gebrauch gemacht. Die mittelständisch geprägte Branche hat nach der Finanzkrise 2009/2010 Rücklagen gebildet, von denen sie jetzt zehrt. Mit dem Konjunkturaufschwung nach der Pandemie werden jedoch zunehmend Unternehmen in finanzielle Engpässe geraten, da viele Aufträge vorfinanziert werden müssen, während Anzahlungen im bisherigen Rahmen ausbleiben. Daher ist eine Verlängerung der Corona-Hilfen der Regierung bis zum Ende des Jahres 2021 für spätzyklische Branchen essenziell. 

Wirtschaften weiter ermöglichen

Um die Versorgung der Bevölkerung in der Corona-Krise sicherzustellen und den volkswirtschaftlichen Schaden möglichst gering zu halten, müssen die wirtschaftlichen Aktivitäten soweit wie möglich – und gesundheitspolitisch verantwortlich – aufrechterhalten werden. Es braucht jetzt den Blick auf das Aktuelle, ohne den Blick nach vorne zu vergessen. Nur, wenn die Werkshallen zugänglich sind, Logistikketten funktionieren und Berufspendlern wie Servicemitarbeitern zumindest in der EU der freie Grenzübertritt möglich ist, können Firmen Maschinen und Anlagen weiter ausliefern und am Laufen halten. 

Wiederanspringen unterstützen

Auch wenn die Krise lange noch nicht überwunden ist, sollte bereits jetzt an die Zeit danach gedacht und das Wiederanspringen der Konjunktur vorbereitet werden. Dazu muss zum Beispiel Deutschlands Position im internationalen Steuerwettbewerb verbessert werden. Wachstumsbremsen müssen durch den konsequenten Abbau von Bürokratie gelöst, neue Hürden – wie z.B. ein schlecht gemachtes Lieferkettengesetz – vermieden werden. Zudem sind freie Marktzugänge überlebenswichtig für eine exportstarke Branche wie den Maschinenbau. Zunehmender Protektionismus rund um den Globus bedroht diesen Erfolg.

Krisensicherer werden

Deutschland lebt von der Substanz. Die Corona-Krise führt jedem vor Augen, wie wichtig Investitionen in die öffentliche Infrastruktur inklusive Gesundheitssystem sind. Der rasche Ausbau von „Home Office“ hat den Bedarf einer flächendeckenden digitalen Infrastruktur nochmals unterstrichen. Neben einer Investitionsoffensive in diesen Bereichen müssen auch die Rahmenbedingungen für private Investitionen verbessert werden. Die von der Bundesregierung angekündigte Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren muss zeitnah umgesetzt und Innovationsanreize für Unternehmen müssen erhöht werden. 

Zurück zur sozialen Marktwirtschaft

Laut Grundgesetz gilt die Schuldenbremse nicht in Zeiten einer Krise. Eine solche liegt aktuell vor und die notwendigen Hilfen müssen auch in Form von Krediten den Unternehmen unbürokratisch zur Verfügung gestellt werden. Die aktuelle Summe der Rettungsmaßnahmen des Bundes inklusive Fonds und Garantien in Höhe von 1,2 Billionen Euro entspricht bereits jetzt dem gesamten Umsatz des deutschen Maschinen- und Anlagenbaus der letzten fünf Jahre. Allerdings darf die Situation nicht zum Anlass genommen werden, die Schuldenbremse einfach abzuschaffen. Nach wie vor gilt, dass Schulden von heute die Belastungen von morgen sind – und damit ein schweres Erbe für künftige Generationen. 

Die Bundesregierung hat schnell und gut reagiert und mit ihrem Maßnahmenpaket die Bedarfe der Industrie getroffen. Dieses muss nun seine Wirkung entfalten und gerade für den Mittelstand gegebenenfalls nachgesteuert werden. Es gilt, die Zukunft des Standortes Deutschland nicht aus den Augen zu verlieren und schon jetzt für die Zeit nach der Krise vorzusorgen.

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