Nachhaltige Geldanlagen bergen gewaltiges Marktpotenzial

Nachhaltige Geldanlagen bergen gewaltiges Marktpotenzial

Das Wachstum bei Nachhaltigen Geldanlagen ist in Deutschland derzeit wesentlich durch institutionelle Investoren getrieben. Bei privaten Anlegern, die in großen Teilen eher klassisch anlegen, besteht hingegen noch viel Luft nach oben. Wie eine aktuelle Umfrage des Bankenverbands zeigt, sind Nachhaltige Geldanlagen in der Bevölkerung noch recht wenig bekannt und kaum verbreitet.

Christian Jung

17.06.2019

von Christian Jung

Nachhaltige Aspekte in der Finanzwirtschaft bekommen eine immer größere Bedeutung und der Markt für Nachhaltige Geldanlagen boomt. So wurden in Deutschland bereits im vergangenen Jahr insgesamt 219 Milliarden Euro in diesem Segment investiert. Das waren nach Angaben des Forums Nachhaltige Geldanlage (FNG) über 48 Milliarden Euro – oder nahezu 30 Prozent – mehr als im Jahr davor. Mit dem neuen Höchststand setzt sich der Trend der vergangenen Jahre fort, wonach Investoren immer stärker ökologische, soziale und die Unternehmensführung betreffende Aspekte in ihre Anlageentscheidungen einbeziehen.

Im Gegensatz zu Österreich oder der Schweiz wird das Wachstum bei Nachhaltigen Geldanlagen in Deutschland im Wesentlichen von institutionellen Investoren getrieben. Pensionsfonds, Banken, Versicherungen, Stiftungen, soziale Einrichtungen und Wohlfahrtsorganisationen sind die größten Player in diesem Bereich, während Privatanleger hierzulande noch weniger als zehn Prozent der Marktanteile halten.

Beim Geld ticken die Deutschen noch eher traditionell

Die Gründe dafür sind einfach: In Geldangelegenheiten ticken die Deutschen eher traditionell, sind risikoscheu und sind als Sparer und Anleger vorwiegend „klassisch“ unterwegs. Wie eine aktuelle Umfrage des Bankenverbands zeigt, verfügen 42 Prozent der befragten Deutschen zwar über Sparbücher und 34 Prozent über Tages- oder Festgeldanlagen, aber nur 23 Prozent über Aktien, Fonds oder andere Wertpapiere.

An der geringen Affinität für Wertpapiere überhaupt, dürfte es auch liegen, dass Nachhaltige Geldanlagen bei Privatanlegern noch recht wenig bekannt sind. Nur ein Drittel der Befragten (32%) hat nach eigenen Angaben den Begriff schon einmal gehört. Und nach der inhaltlichen Bedeutung gefragt, muss noch einmal die Hälfte passen, so dass letztlich nur ein Sechstel (16%) tatsächlich weiß, was darunter zu verstehen ist.

Zu erklären, was Nachhaltige Geldanlagen sind, ist allerdings zugegebenermaßen auch nicht leicht. Üblicherweise versteht man darunter verantwortliche, ethische, soziale, ökologische Investments, die explizit an ESG-Kriterien – die Abkürzung steht für Environment (Umwelt), Social (Soziales) und Governance (Unternehmensführung) – ausgerichtet sind. Gleichwohl ist der Begriff „nachhaltig“ weder rechtlich geschützt noch genau definiert. Auf EU-Ebene werden deshalb zurzeit konkretere Vorgaben zur „Taxonomie“, also zur genaueren Definition Nachhaltiger Geldanlagen, zu speziellen Nachhaltigkeits-Kriterien und notwendigen Transparenzanforderungen ausgearbeitet.

Bislang gebräuchlich ist vor allem bei entsprechenden Anlageangeboten Ausschlusskriterien festzulegen, die sicherstellen, dass die investierten Mittel beispielsweise nicht in umweltschädliche Produkte wie fossile Energieträger, die Produktion von Kriegswaffen oder an Unternehmen fließen, die soziale Mindeststandards missachten.

Hoher Beratungsbedarf – enormes Marktpotenzial

Viele Bürger würden durchaus gerne Nachhaltigkeitsaspekte bei der Finanzproduktwahl stärker berücksichtigen, fühlen sich aber letztlich doch zu unsicher dabei. Eigene Wissenslücken und die Erwartung einer zu geringen Rendite schrecken Anleger von Nachhaltigen Geldanlagen ab. Diese Gründe gibt jedenfalls ein Großteil der Befragten, die Nachhaltige Geldanlagen kennen, aber bislang noch nicht nutzen, für ihre bisherige Zurückhaltung an. Mehr als die Hälfte dieser Gruppe – 14 Prozent aller Befragten – kann sich gleichwohl gut vorstellen, künftig in Nachhaltige Geldanlagen zu investieren.

Dies lässt zwei Schlüsse zu: Erstens, zu diesem Thema besteht aktuell ein großer Bedarf an Aufklärung und Finanzberatung. Und zweitens: Nachhaltige Geldanlagen bergen ein erhebliches Potenzial. Bislang haben lediglich fünf Prozent der Deutschen Nachhaltige Geldanlagen in ihrem Depot. Auch wenn dieser Anteil mit zunehmendem Einkommen tendenziell ansteigt – bei Personen mit monatlichem Haushaltsnettoeinkommen über 3.000 € auf immerhin zehn Prozent – steckt die Verbreitung Nachhaltiger Geldanlagen bei privaten Verbrauchern noch absolut in den Kinderschuhen.

Auf Anbieterseite ist der Wettbewerb um Marktanteile zwar längst entbrannt, steht aber auch noch am Anfang seiner Entwicklung. Was das künftige Marktvolumen Nachhaltiger Finanzanlagen betrifft, dürfte bisher allenfalls die Spitze des Eisbergs sichtbar geworden sein.

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