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Der Beitrag der privaten Banken zu Klimaschutz und nachhaltigem Wirtschaften

Die Bekämpfung des Klimawandels ist eine der drängendsten Aufgaben unserer Zeit. Verändert die Menschheit ihr gegenwärtiges Handeln nicht, steuert sie auf einen durchschnittlichen globalen Temperaturanstieg von geschätzt 3,2°C bis zum Jahr 2100 zu. Dies wäre mit dramatischen Folgen für Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft verbunden. 

Welchen Beitrag die privaten Banken in Deutschland leisten können, um Klimaschutz und nachhaltiges Wirtschaften zu stärken und damit der Erderwärmung wirksam entgegenzuwirken, hat der Bankenverband jüngst in einem Positionspapier dargestellt. Im Folgenden werden die zentralen Inhalte des Papiers zusammengefasst.

Banken haben eine Schlüsselrolle

Um die Wirtschaft bis zum Jahr 2050 hin zu einem treibhausgasneutralen Handeln zu transformieren, muss das Pariser Klimaabkommen erfüllt, darüber hinaus aber auch Fortschritte bei den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen (Sustainable Development Goals, SDGs) erreicht werden. Dem Finanzsektor und damit den privaten Banken kommt hierbei eine besondere Rolle zu. Denn sie finanzieren die wirtschaftliche Transformation und können somit einen zentralen Beitrag zur Erreichung der globalen und nationalen Klimaziele leisten. 

Schon in den vergangenen Jahren sind von der privaten Kreditwirtschaft insgesamt wichtige Impulse zum Klimaschutz ausgegangen. Zahlreiche Mitgliedsbanken haben sich frühzeitig bei internationalen Initiativen eingebracht – zum Beispiel bei der Ausgestaltung der UN Principles for Responsible Banking. Von der Expertise und der internationalen Ausrichtung vieler Mitgliedsinstitute kann der Bankenverband profitieren und auf Erfahrungen aus anderen Ländern zurückgreifen. Das Anliegen des Bankenverbandes ist es, diese Aktivitäten noch stärker miteinander zu verzahnen, aufeinander abzustimmen und alle Mitgliedsinstitute für Sustainable Finance zu begeistern.  

Der zunehmenden Nachfrage gerecht werden

Das Interesse der Kunden am Thema Klimaschutz wächst beständig, das belegt eine Vielzahl von Umfragen. Damit die Banken dem zunehmenden Beratungsbedarf  gerecht werden, werden die Banken ihr Schulungsangebot kontinuierlich ausbauen. Denn letztlich ist Bildung auch hier der Schlüssel, um die Transformation voranzutreiben und mit den Kunden auf Augenhöhe zu sprechen. Zusammen mit der Bankenakademie unterstützt der Bankenverband seine Mitglieder und entwickelt hierfür spezielle Formate. 

Mit Blick auf die europäischen und nationalen Klimaschutz-Gesetzgebungsverfahren wird auch die Nachfrage nach passgenauen Produkten zur Finanzierung von Transformationsprozessen in Unternehmen weiter zunehmen. Schon heute bieten die privaten Banken eine breite Produktpalette an, die von Sustainability-linked Loans über Green Bonds und grünen Schuldscheinen bis hin zu nachhaltig gemanagten Fonds reicht. Die privaten Banken entwickeln dieses Angebot stetig weiter und konzipieren Produkte, die es den Kunden ermöglichen, die Transformationsprozesse nicht nur zu bewältigen, sondern gestärkt aus ihnen hervorzugehen. 

Angesichts der historischen Herausforderung und des breiten gesellschaftlichen Konsenses über die Notwendigkeit von schnellen Klimaschutzmaßnahmen sollte die Finanzwirtschaft jetzt nicht einfach auf weitere regulatorische Schritte warten, sondern rasch aktiv zu werden. Regulierung sollte auf diesem Gebiet ohnehin nicht als Gefahr, sondern als Ansporn verstanden werden, mit guten Ideen zu den „First Movern“ zu gehören. Trotz des bestehenden Wettbewerbs unter den Banken sollten alle gemeinsam an einem Strang zu ziehen, um die Operationalisierung notwendiger Maßnahmen zeitnah sicherzustellen und ein gemeinsames Marktverständnis zu schaffen. 

CO2-Emissionen bei der Kreditvergabe stärker berücksichtigen

Da CO₂-Emissionen in der Vergangenheit bei der Vergabe von Krediten keine große Rolle spielten, ist die Datenlage in diesem Kontext gerade bei kleinen und mittleren Unternehmen noch sehr dünn. Die privaten Banken arbeiten jedoch inzwischen mit Hochdruck daran, den Klimaeffekt, der von den Geschäften ihrer Kunden ausgeht, besser zu verstehen.

Dazu müssen im Kredit- und Handelsgeschäft zunächst Portfolien nach Branchen segmentiert werden. Auf dieser Grundlage können sich die Institute dann auf die Sektoren fokussieren, die den größten Beitrag zum CO2-Emissionsvolumen leisten (z. B. Energiewirtschaft, verarbeitendes Gewerbe, Verkehr und Mobilität, Gebäudewirtschaft). Einige private Banken sind schon heute in der Lage, mithilfe von Modellen den CO2-Fußabdruck ihrer Kunden zu bestimmen. Andere wiederum befinden sich noch in der Auswahlphase geeigneter Modelle. Nach und nach sollte die Messung der CO2-Emissionen, die mit einer kreditfinanzierten Aktivität verbunden sind, bei allen Banken zum Standard gehören. Auf Basis dieser Messungen können die Institute in einem weiteren Schritt Vorgaben für ihr (Neu-)Geschäft definieren, um so ihre Portfolien auf die Erreichung des 2°C-Ziels des Pariser Klimaschutzabkommens auszurichten. 

Um die Portfolien entsprechend auszurichten, gibt es verschiedene Instrumente, die schon heute zum Einsatz kommen. Einige schließen die Finanzierung bestimmter Branchen komplett aus, andere setzen sich feste und gegebenenfalls zeitlich gestaffelte Obergrenzen für das Finanzierungsvolumen bestimmter Branchen. Hier gibt es keinen Königsweg: Finanzierungen für ein klimaschädliches Zementwerk bereitzustellen, um dessen Effizienz zu steigern, kann unter Umständen wirkungsvoller sein, als die Finanzierung zu verweigern. Ausschlüsse von bestimmten Branchen oder Unternehmen fassen oft das Problem nicht an der Wurzel. Im Zweifel werden derartige Finanzierungen dann von so genannten Schattenbanken übernommen, die nicht so reguliert sind und nicht über ihr Nachhaltigkeitsengagement berichten. Die Begleitung der Kunden bei der Transformation durch Banken ist deshalb die bessere Variante. 

Kreditrisiken messen und managen

Der Klimawandel und die damit verbundene Transformation der Wirtschaft können einen wesentlichen Risikotreiber für viele Banken darstellen. Die privaten Banken arbeiten daran, diese Risiken zu identifizieren, zu messen und zu steuern.

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) und die Europäische Zentralbank (EZB) haben mit ihren Leitfäden zur Behandlung von Klimarisiken bereits wertvolle Impulse gegeben und die richtigen Fragen aufgeworfen. Jetzt muss es darum gehen, abzuschätzen, wie sich der Klimawandel auf die einzelnen Branchen auswirkt. Es müssen gute und plausible Szenarien entwickelt werden, die Aussagen zur Veränderung der Bonität eines Kunden und damit zu seinem Ausfallrisiko möglich machen. 

Einen solchen Zusammenhang aus CO2-Emissionen und Ausfallwahrscheinlichkeit so zu beschreiben, dass brauchbare Ergebnisse für die Steuerung einer Bank generiert werden, ist allerdings alles andere als trivial. Denn das Ausfallrisiko eines Kunden mit hohen CO2-Emissionen kann hoch sein, muss es aber nicht. Die Verknüpfung von Risiko und Treibhausgasemissionen ist eine drängende, noch zu lösende Aufgabe.

Der Bankenverband setzt sich im Dialog mit Regelsetzern und Aufsichtsbehörden dafür ein, dass das Risikomanagement weiterhin höchsten Standards entspricht, zugleich aber neue Entwicklungen im Bereich Klimarisiken angemessen abbildet. Gesucht sind dabei praktikable Lösungen, jedoch keine Schnellschüsse.

Den Dialog mit Politik und Stakeholdern führen

Die Transformation der Wirtschaft gelingt nur zusammen mit den Banken. Dieser Rolle sind sich die privaten Banken bewusst. Benötigt wird aber auch der passende legislative und regulatorische Rahmen, damit finanzielle Mittel in ausreichendem Maße in den Klimaschutz und in die Transformation der Unternehmen fließen können. 

Dabei geht es vor allem darum, …

  • die Nachfrage nach nachhaltigen Investitionen und Konsum kontinuierlich zu steigern. Dazu gehört, den europäischen Emissionshandel sukzessive zu verbreitern. Zudem können risikoreichere ESG-Projekte stärker durch die öffentliche Hand zu unterstützt werden, zum Beispiel durch eine staatliche Risikobeteiligung in Form von Garantien oder Haftungsfreistellungen;
     
  • die Eigenkapitalanforderungen für Kredite, die der Finanzierung nachhaltiger Investitionen dienen zu senken, um die Wirtschaftlichkeit nachhaltiger Investitionen zu erhöhen und Finanzierungsfreiräume zu schaffen;
     
  • die Transparenz in Bezug auf CO2-Emissionen zu verbessern, da die Kreditwirtschaft bei der Bewertung von Nachhaltigkeitsaspekten auf verlässliche und aussagekräftige Daten aus der Realwirtschaft und von Bankkunden angewiesen ist;
     
  • die bisher primär für Zwecke des Kapitalmarktes entwickelte, sehr umfangreiche Taxonomie möglichst schlank und praktikabel auszugestalten, und geeignete Wege zu finden, damit sie auf das Kreditgeschäft von Banken Anwendung finden kann.

 Mit den ins Auge gefassten Maßnahmen stellen sich die privaten Banken ihrer Verantwortung und wollen die notwendigen Veränderungsprozesse initiieren, um den Weg hin zu einer treibhausgasneutralen Wirtschaft zu ebnen.

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Kontakt

Torsten Jäger

Bundesverband deutscher Banken e.V.

Leiter Nachhaltigkeit, Associate Director

Tel. +49 30 1663 2160

torsten.jaeger@bdb.de

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