„Schüler werden Reporter“ - und lernen dabei viel über Unternehmen und Wirtschaft

13.09.2018

von Christian Jung

Im Atrium der Berliner Redaktion der F.A.Z. war neulich ein kleines Wunder zu bestaunen. Während die halbe Republik den eklatanten Lehrermangel an deutschen Schulen beklagt, G8 und bis an den Rand vollgestopfte Curricula den Oberstufen kaum mehr Raum für zusätzliche Aktivitäten lassen, wurden doch tatsächlich Schülerinnen und Schüler ausgezeichnet, die sich über ein ganzes Schuljahr hinweg intensiv mit dem Wirtschaftsteil der Frankfurter Allgemeinen Zeitung befasst, selbst Zeitungsbeiträge recherchiert, geschrieben und veröffentlicht haben. Nebst Preisträgern waren auch zahlreiche Lehrerinnen und Lehrer sowie Schulleiter anwesend, deren besonderes Engagement einen solchen Schülerwettbewerb überhaupt erst möglich macht.

Den Rahmen dazu bot „Jugend und Wirtschaft“, der gemeinsame Schülerwettbewerb von Bankenverband und Frankfurter Allgemeine Zeitung, dessen Preisträger am 12. September zum 18. Mal ausgezeichnet wurden.

Bundeswirtschaftsminister Altmaier: „Wir brauchen Sie!“

Das Engagement, die Ausdauer und die Begeisterung mit denen die Jungredakteure zu Werke gegangen sind, war es denn auch Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier wert, die Festansprache der Veranstaltung zu übernehmen. Er lobte das Projekt als wichtigen Beitrag zur ökonomischen Bildung junger Menschen: „Die Teilnehmer von ‚Jugend und Wirtschaft‘ haben gelernt, komplexe wirtschaftliche Zusammenhänge zu verstehen und ihre eigene Perspektive und Haltung dazu zu entwickeln. Das ist in der heutigen Arbeitswelt ein unverzichtbares Rüstzeug.“

Die neue Generation von kritischen und konstruktiven Denkern, die das Projekt fördere, sei eine wichtige Voraussetzung für die Lebendigkeit und Widerstandskraft unserer Demokratie. „Wir brauchen Sie!“, rief der Minister den jungen Leuten zu, „denn Gemeinwohl entsteht immer aus einer offenen Diskussion widerstreitender Interessen, für die allerdings eine gemeinsame Wertebasis notwendig ist.“

Soziale Marktwirtschaft erklären und leben

In die gleiche Kerbe hatte schon zuvor Hans-Walter Peters, Präsident des Bankenverbandes, geschlagen: „Wir sind der festen Überzeugung, dass wir die Grundgedanken der Sozialen Marktwirtschaft immer wieder neu erklären, immer wieder neu diskutieren und immer wieder neu leben müssen. Dazu benötigen wir Menschen, die mit Sachverstand über wirtschaftliche Zusammenhänge schreiben können und am besten auch wissen, wie ein Unternehmen von innen aussieht.“ Darum fördere der Bankenverband seit nunmehr 30 Jahren ökonomische Bildung, und speziell seit 18 Jahren das Zeitungsprojekt „Jugend und Wirtschaft“.

Für ihn persönlich sei es – nun schon zum 3. Mal in seiner Amtszeit als Bankenpräsident – schön, so viele motivierte junge Leute kennenzulernen, die einen anspruchsvollen Wettbewerb zu einem erfolgreichem Ende geführt und zahlreiche Wirtschaftsartikel von exzellenter Qualität abgeliefert hätten.

Herausragende Leistungen der Schüler/innen prämiert

Als Autoren der besten Artikel wurde Julian Bandorf vom Bayernkolleg in Schweinfurt, Julius Piduhn vom Mallinckrodt-Gymnasium in Dortmund und Judith Ruppel vom Berufskolleg in Siegburg geehrt. Sie erhielten für ihre Leistungen nebst Urkunde ein iPad. Schulpreise, die mit jeweils 2.500 Euro dotiert sind, erhielten das Eichsfeld-Gymnasium in Duderstadt und das Hohenstaufen-Gymnasium in Kaiserslautern. Ein Schul- und Artikelpreis ging an das Berufskolleg in Siegburg.

Die Schülerartikel, von deren Güte sich die Öffentlichkeit regelmäßig auf den F.A.Z.-Sonderseiten ‚Jugend und Wirtschaft überzeugen kann, handeln oft von ungewöhnlichen Produkten und Branchen, über die sonst kaum berichtet wird. Nicht selten werden in den Beiträgen Nischenanbieter vorgestellt, die es sogar zu Weltmarktführern gebracht haben. Ob es da um die wirtschaftlichen Aspekte des Kamellen-Werfens im Kölner Karneval, um einen der letzten deutschen Holzschlittenbauer oder um Dienstleister für Junggesellenabschiede geht, alle veröffentlichten Beiträge zeigen, dass sich die jungen Reporter bei ihrer Recherche intensiv damit auseinandergesetzt haben, wie Unternehmen denken und handeln.

Dabei sind jene Schüler und Schülerinnen, die jetzt in Berlin auf offener Bühne geehrt wurden, nur die berühmte Spitze des Eisbergs. Allein in diesem Schuljahr haben rund 1.100 junge Leute von deutschlandweit 60 Schulen an „Jugend und Wirtschaft“ teilgenommen; seit Beginn des Projekts im Jahr 2000 waren es 22.000. „Ob nun mit oder ohne Preis“, hob Andreas Barner, Kuratoriumsvorsitzender der FAZIT-Stiftung, bereits eingangs hervor, „in jedem Fall ist die Teilnahme all dieser jungen Leute ein Gewinn, für die Teilnehmer selbst und für die gesamte Gesellschaft.“

Jugend und Wirtschaft

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