Eine stärkere internationale Rolle des Euro nützt Europas Wirtschaft

Eine stärkere internationale Rolle des Euro nützt Europas Wirtschaft

Eine noch größere Bedeutung des Euro auf den internationalen Märkten würde die Unabhängigkeit Europas stärken und wäre gut für die europäischen Unternehmen. Um der gemeinsamen europäischen Währung weiteren Auftrieb zu verleihen, sollten u.a. Kapitalmarkt- und Bankenunion vorangetrieben und neue europäische Zahlungssysteme aufgebaut werden.

Valdis Dombrovskis

16.04.2019

von Valdis Dombrovskis

Europas gemeinsame Währung, der Euro, wird von 19 Mitgliedstaaten geteilt und täglich von 340 Millionen europäischen Bürgerinnen und Bürgern genutzt. Darüber hinaus verwenden rund 60 Länder der Welt den Euro oder binden ihre Währung an ihn. Zusammen mit der Single European Payments Area SEPA bietet das gerade für viele mittelständische exportorientierte Unternehmen große praktische Vorteile: Es ermöglicht grenzüberschreitende und internationale Wertschöpfungsketten ohne Währungstransaktionskosten und ohne Absicherung von Wechselkursrisiken, und es macht grenzüberschreitende Zahlungen so einfach wie Zahlungen im eigenen Land.  

Starke Währung für starke Unternehmen

Im Jahre 2019 müssen wir weiter denken. Ob größere Unternehmen oder Mittelstand, Europas Unternehmen sind seit Jahren weltweit tätig. Mit dem Aufstieg neuer Mächte und der Verlagerung des wirtschaftlichen Schwerpunkts nach Osten wird die Welt aber multipolarer. Zugleich wird die multilaterale, regelbasierte internationale Wirtschaftsordnung mehr und mehr in Frage gestellt. Gerade vor diesem Hintergrund muss sich Europa auf starke eigene Instrumente stützen, um den internationalen Handel und die wirtschaftliche Integration zu fördern. Der Euro ist schon heute nach dem US-Dollar die am zweithäufigsten genutzte Reservewährung der Welt, bei internationalen Zahlungen liegen beide Währungen sogar gleichauf. Darauf müssen wir aufbauen und die internationale Rolle des Euro und damit unsere Souveränität stärken.

Ein stärkerer internationaler Euro kann die Weltwirtschaft unabhängiger von einer einzigen Währung und damit auch weniger anfällig für Schocks machen. Er würde europäischen Unternehmen den Handel auf der ganzen Welt weiter vereinfachen – je mehr unsere Unternehmen ihre internationalen Geschäfte in Euro abwickeln können, desto geringer sind Transaktionskosten und wirtschaftliches Risiko, und desto größer ist zugleich die Unabhängigkeit gegenüber politischen Interferenzen aus Drittstaaten. Und nicht zuletzt ermöglicht ein starker Euro uns Europäern, auf internationaler Ebene unabhängiger zu agieren und unsere Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen besser zu schützen.

Kapitalmarkt- und Bankenunion

Wie können wir auf dem Weg zur Stärkung der internationalen Rolle des Euro vorankommen? Eine Währung ist nur so stark wie ihr Fundament. Daher müssen wir die Architektur des Euro vervollständigen. Eine Kapitalmarktunion mit stärker integrierten Märkten verbessert nicht nur die Finanzierung der Wirtschaft und die Auswahl für Anleger. Liquide Märkte für Euro-denominierte Wertpapiere – einschließlich als Absicherung zu nutzender Papiere – sind auch eine unverzichtbare Grundlage für die Nutzung des Euro in internationalen Märkten. Eine vollständige Bankenunion mit stärkeren und besser beaufsichtigten Banken erhöht das Vertrauen in den EU-Finanzsektor und in die einheitliche Währung.

Zweitens müssen wir die Verwendung des Euro im internationalen Handel fördern. Das gilt für eine Reihe strategischer Sektoren wie Nahrungsmittel, Luftfahrzeug- und Transportbau sowie für Rohstoffe. Am wichtigsten ist vielleicht der Energiesektor. Heute werden über 80 Prozent der europäischen Energieimporte in US-Dollar bewertet und bezahlt. Aus diesem Grund befragt die Kommission Interessenvertreter, wie wir den Einsatz des Euro bei Vertragsabschlüssen und Transaktionen in diesen Sektoren steigern können.

Europäische Zahlungssysteme

Und schließlich müssen wir sicherstellen, dass Europa und der Euro sich auf robuste Markt- und Finanzinfrastrukturen stützen können, die hinreichend gegen äußere Einwirkungen geschützt sind. Ein Beispiel ist die Infrastruktur, die die Europäer täglich für Zahlungen nutzen. Heute wird dieses Gebiet von wenigen Kreditkartenanbietern beherrscht, und große Technologiekonzerne drängen zunehmend auf den Markt. Aber die neuen Technologien bieten viele Chancen, neue, effiziente und diversifizierte europäische Zahlungssysteme aufzubauen. Eigene Sofortzahlungssysteme und Instant-Payment-Lösungen, mit denen Kunden innerhalb von Sekunden elektronische Zahlungen in ganz Europa durchführen, erhöhen Europas Eigenständigkeit in der Welt. Die notwendige Infrastruktur besteht bereits, und wir unterstützen die Entwicklung von Interoperabilitätsnormen zwischen verschiedenen Technologien der Mitgliedstaaten.

Dies sind nur einige Hebel, die wir in Bewegung setzen können und müssen, um die Nutzung des Euro auf den internationalen Märkten weiter zu stärken. Denn letztlich hängt eine größere Rolle für den Euro natürlich von den Entscheidungen am Markt ab. Gemeinsam müssen EU, Mitgliedstaaten und Wirtschaft die Chancen der gemeinsamen Währung international noch besser nutzen!

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