Menschen mit Glühbirne

Startups fehlen Fachkräfte

18.11.2021

Junge Unternehmen haben Schwierigkeiten, geeignete Fachkräfte zu finden – dies ist eines der Ergebnisse, die aus dem diesjährigen Deutsche Startup-Monitor hervorgehen. Der Monitor wird vom Bundesverband Deutscher Startups und von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC in Zusammenarbeit mit der Universität Duisburg-Essen erstellt; die diesjährige Studie ist seit 2013 die inzwischen neunte. Beteiligt haben sich in diesem Jahr mehr als 2.000 deutsche Jungunternehmen. Die Studie repräsentiert Unternehmen, die jünger sind als zehn Jahre, sowie deren 5.000 Gründer und Gründerinnen und 30.000 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen.

Zufriedenheit mit dem Ökosystem für Startups

Zunächst ergeben sich aus der Studie eine Reihe guter Nachrichten. Beispielsweise hat sich das Geschäftsklima der Start-ups deutlich aufgehellt; die Hälfte der Jungunternehmer schaut optimistisch in die Zukunft. Der Index liegt damit wieder auf dem Niveau von 2019. Zudem zeigt die Studie, dass viele Gründerinnen und Gründer die Standortbedingungen in Deutschland als immer besser einschätzen. Mit dem Startup-Ökosystem sind 65 Prozent zufrieden; im Vorjahr lag dieser Anteil nur bei 61 Prozent. Besonders zufrieden sind die Befragten mit der Nähe zu Universitäten, 76 Prozent äußern dies. Interessant in diesem Zusammenhang: 55 Prozent der Startups kooperieren mit wissenschaftlichen Einrichtungen; jede vierte Gründung stammt aus dem Umfeld von Hochschulen und Forschungseinrichtungen und 36 Prozent der Gründerinnen und Gründer haben ihre Mitgründer an der Hochschule kennengelernt.

Hürde Fachkräftemangel

Besonders erfreulich: Die durchschnittliche Beschäftigtenzahl in deutschen Startups ist gegenüber dem Vorjahr von 14 auf 18 angestiegen, auch planen 92 Prozent der Startups für das nächste Jahr Neueinstellungen. Im Durchschnitt wollen sie neun neue Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter einstellen. Doch genau hier beginnen die Probleme, denn die schlechte Nachricht ist, dass der Fachkräftemangel ein immer größeres Problem für die Gründerinnen und Gründer darstellt. 27 Prozent der Startup-Gründer bezeichnen die Personalfindung schon als größte Hürde – das sind 10 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr.

Kann die Politik hier etwas tun? Jedenfalls sehen die Unternehmerinnen und Unternehmer hier Handlungsspielraum: 35 Prozent der Befragten fordern unkomplizierte Möglichkeiten, um die Angestellten am Erfolg ihres Startups zu beteiligen – ein wichtiges Argument im Wettbewerb mit etablierten Unternehmen um die besten Köpfe.

Daten und Kapital

Auch an anderer Stelle drückt der Schuh. So gibt trotz insgesamt freundlicherer Perspektiven die Hälfte der Unternehmen an, weiter durch die ökonomischen Auswirkungen der Pandemie beeinträchtigt zu sein. Eine Herausforderung ist außerdem der unzureichende Zugang zu Daten. Dieser Zugang ist für Startups enorm wichtig, jedoch nur für 38 Prozent der Befragten ausreichend vorhanden. Zwei Drittel der Gründer und Gründerinnen kritisieren Wettbewerbsverzerrungen durch Datenmonopole bei wenigen internationalen Konzernen. Drei Viertel wünschen sich von Seiten des Staates mehr öffentliche Daten.

Und dann ist da noch die Frage der Kapitalisierung. Hier gibt es zunächst gute Nachrichten: Die pandemiebedingten Unsicherheiten bei der Finanzierung haben sich beruhigt und die Startups in den vergangenen Monaten wieder deutlich mehr externes Kapital aufgenommen. Den Zugang zu Kapital und Investitionen bewerten die Befragten folglich deutlich positiver als 2020: 38 Prozent der Befragten sind damit zufrieden, im Vorjahr waren es nur 30 Prozent. Eine große Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit der Finanzierung besteht jedoch nach wie vor beim Wagniskapital: Erst 20 Prozent der Startups finanzieren sich auf diesem Weg, aber 42 Prozent würden dies gerne tun. Bei der Finanzierung durch strategische Investoren geht die Schere noch weiter auseinander: Auf sie würden 43 Prozent der Befragten gerne zugreifen, faktisch gelingt dies aber nur 15 Prozent.

Mehr, aber immer noch wenig Gründerinnen

Der Anteil an Gründerinnen übrigens ist nach dem nur geringen Wachstum der vergangenen Jahre zuletzt stärker angestiegen und liegt mittlerweile bei 18 Prozent (2020: 16 Prozent). Trotz dieser positiven Tendenz bleiben Frauen im deutschen Startup-Ökosystem aber weiterhin deutlich unterrepräsentiert.

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