Teilzeit ohne Reue: Fünf Finanztipps – nicht nur für Frauen

Teilzeit ohne Reue: Fünf Finanztipps – nicht nur für Frauen

Das Recht auf Teilzeitarbeit steht per Gesetz jedem Arbeitnehmer zu – und fast die Hälfte der erwerbstätigen Frauen nimmt es in Anspruch. Aber: Wer Teilzeit arbeitet, verdient weniger Geld. Fünf Tipps, wie Sie Ihre Finanzen planen und Rentenlücken ausgleichen können.

Anne van Dülmen

05.03.2019

von Anne van Dülmen

Viele Menschen würden wohl gerne weniger arbeiten, in der Realität tun das vor allem Frauen: In Deutschland arbeitete 2017 fast jede zweite erwerbstätige Frau (46%) in Teilzeit – von den Männern nur 10%. Dies ist auch einer der Gründe, warum Frauen statistisch und über die Lebenszeit gesehen weniger verdienen als Männer, was zu schmerzlichen Rentenlücken führen kann. Ob freiwillig oder weil es nicht anders geht – es lohnt sich in jedem Fall, Teilzeitarbeit und berufliche Auszeiten bewusst zu planen, um ein böses Erwachen zu vermeiden.

Ein schönes Planungstool für alle, die ihre Wochenstunden reduzieren oder wieder aufstocken möchten, ist zum Beispiel der Teilzeitrechner des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales. Er gibt eine erste Orientierung zu dem voraussichtlichen Netto-Teilzeitgehalt. Aufgrund der Steuerprogression kann bei einer geringeren Wochenstundenzahl durchaus mehr übrig bleiben als vielleicht gedacht. Und Aufstocken ist jetzt leichter geworden: Die seit dem 1. Januar 2019 geltende Brückenteilzeit ermöglicht zeitlich befristete Teilzeitarbeit mit einem Rückkehrrecht in die vorherige Arbeitszeit.

Wie sich der geringere Verdienst auf die gesetzliche Rente auswirkt, kann man bei der Deutschen Rentenversicherung erfragen. Grundsätzlich gilt: Kindererziehungszeiten werden angerechnet, aber wer über einen längeren Zeitraum in Teilzeit arbeitet, verzichtet nicht nur auf laufende Einkünfte und Karrierechancen, sondern unter Umständen auch auf Rentenansprüche. Vielleicht ist es sinnvoll, mit dem Partner eine Vereinbarung zu treffen, wie dieser Verzicht, der durch die Betreuung gemeinsamer Kinder entsteht, ausgeglichen werden kann.

Die gute Nachricht: Selbst mit weniger Gehalt kann man langsam aber sicher ein kleines Vermögen aufbauen und finanziell unabhängig werden – trotz Teilzeitjob. Dazu ein paar einfach umsetzbare Tipps, wie man mit der Finanzplanung anfangen kann:

1. Inventur: Wie viel liegt schon auf der „hohen Kante“?

Der erste Schritt einer Finanzplanung ist immer eine Bestandsaufnahme der Vermögenssituation: Wieviel Geld liegt schon auf der „hohen Kante“? Gibt es sonstiges Vermögen, etwa eine Immobilie? Oder Schulden? Häufig ergibt es Sinn, laufende Kredite so schnell wie möglich abzulösen, um Zinsen zu sparen.

2. Das Budget im Blick behalten

Dann sollte man sich die laufenden Einnahmen und Ausgaben genauer anschauen. Für den besseren Überblick in einer Partnerschaft kann ein zusätzliches Gemeinschaftskonto sinnvoll sein. Auch wenn dies vielleicht Gebühren kostet, erhöht es die Transparenz und vereinfacht die Aufteilung gemeinschaftlicher Kosten wie Miete, Versicherungen oder Lebensmittel. Banken bieten zudem sogenannte Haushaltskonten an, also Konten, die auch ohne laufende Einkünfte kostenlos als Girokonto geführt werden können. Wer laufende Ausgaben auflistet, findet in der Regel schnell Einsparpotential. Praktisch sind dafür auch digitale Finanzplaner, die wie ein Haushaltsbuch die Buchungen auf dem Konto nach Kategorien sortieren. Damit kann man das Budget immer im Blick behalten – auch auf dem Smartphone.

3. Sparziel Nummer eins: Der Notgroschen

Erstes Sparziel ist immer ein finanzielles Polster für den Notfall. Nach einer Faustregel sollte man so viel Geld zur Seite legen, dass man davon mindestens drei Monate über die Runden kommt – etwa bei einem Arbeitsplatzverlust. Das entspricht in der Regel drei bis vier Nettomonatsgehältern. Dabei sollte man aber auch an Kosten denken, die in absehbarer Zeit auf einen zukommen könnten, wie beispielsweise ein neues Auto oder Ausgaben für die Pflege Angehöriger. Am besten eignet sich für diesen Betrag ein Tagesgeldkonto – da liegt das Geld sicher und ist im Notfall sofort verfügbar.

4. Ganz wichtig: Der Altersvorsorge-Check

Bei der Altersvorsorge sollte man auf keinen Fall auf Lücke setzen. Klären Sie für sich: Wieviel Geld brauche ich voraussichtlich im Alter – und was steht derzeit auf meinem Rentenbescheid? Wie hoch ist meine persönliche Rentenlücke unter Berücksichtigung der Phasen mit einem geringeren Verdienst? Welche Fördermöglichkeiten habe ich? Mit der Riester-Zulage kann man die Altersvorsorge aufstocken – auch in der Elternzeit. In jedem Fall sollte man beim Arbeitgeber nach einer betrieblichen Altersversorgung fragen und vermögenswirksame Leistungen nutzen.

5. Einfach los- und anlegen – das geht schon ab 25 Euro!

Und dann kann es losgehen – mit einem konkreten Sparplan. Schon ab 25 Euro kann man zum Beispiel in Fondssparpläne einzahlen und so nach und nach ein Vermögen aufbauen oder in die eigene Altersvorsorge investieren. Ob Aktien, Fonds oder Versicherungsprodukte: Investieren sollte man nur in ein Produkt, das man auch versteht. Wichtig ist es dabei auch, auf Gebühren zu achten und verschiedene Angebote zu vergleichen. Es gibt heute ein großes Informationsangebot, von Büchern über Blogs bis zu Podcasts und Veranstaltungen.

Teilzeit ohne Reue – das ist trotz aller Abstriche beim Gehalt mit einer guten Finanzplanung also durchaus möglich. In jedem Fall wird die Entscheidung, wie viel Teilzeit man sich leisten kann oder will, dadurch leichter.

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