Token-Ökonomie braucht Standards

Token-Ökonomie braucht Standards

Die Token-Ökonomie ist auf dem Vormarsch, doch gegenwärtig fehlt es noch an einem ganzheitlichen Rahmen für die internationale Identifizierung, Klassifizierung und Analyse verschiedener Typen kryptographischer Token. Diesem Mangel sollte abgeholfen werden, denn eine internationale Token-Standardisierung würde mehr Transparenz schaffen und so dazu führen, dass wirtschaftliche, technologische und regulatorische Unsicherheiten überwunden werden können. Auch Banken könnten kryptographische Token für neue Produkte und Dienstleistungen nutzen, sofern die erforderliche rechtliche Einordnung erfolgt und die regulatorischen Rahmenbedingungen geschaffen werden.

Was sind kryptographische Token?

Vereinfacht gesagt stellen Krypto-Token innerhalb einer verteilten Transaktionsdatenbank nicht-manipulierbare Positionen dar, die bestimmten Inhabern zugeordnet werden können. Dabei werden öffentliche Schlüssel und entsprechende private Schlüssel zur Ver- und Entschlüsselung verwendet (Kryptographie). Diese Technik wird häufig als Distributed-Ledger-Technologie (DLT) beschrieben. Mit Bitcoin wurde diese Technik vor gut zehn Jahren erstmals zur Übertragung virtueller Werteinheiten in Form kryptographisch verketteter Transaktionsblöcke (Blockchain) eingeführt.

Mittlerweile existieren bereits über 2.000 weitere Krypto-Token für unterschiedliche Anwendungsfälle (siehe Grafik). Nahezu jeder Wert, also Dinge oder Rechte, könnte in Form eines Krypto-Tokens als „digitaler Zwilling“ auf einer Blockchain oder DLT repräsentiert und zugeordnet werden. Unter dem Begriff „Tokenisierung" lässt sich der Gesamtprozess, also die digitale Abbildung und Eintragung dieser Werte in verteilten Registern, zusammenfassen.

Welche Vorteile ergeben sich dadurch?

Durch die Verwendung von Krypto-Token innerhalb eines gemeinsamen Ökosystems können Transaktionen zwischen den Teilnehmern unmittelbar ausgeführt werden (Peer-to-Peer). Dies reduziert die Anzahl der Intermediäre aus externen Systemen und ermöglicht Effizienzsteigerungen durch Prozessautomatisierung. Dadurch können Prozesse schneller, sicherer und transparenter werden. Kryptographische Token ermöglichen zudem die Teilbarkeit von Vermögenswerten, sodass Immobilien, Kunstgegenstände oder andere Sachwerte in beliebig kleinen Stückelungen gehandelt werden können. In ihrer rein digitalen Erscheinungsform stellen Krypto-Token in Kombination mit intelligenten Verträgen eine Basis für die Vernetzung mit weiteren Innovationen wie zum Beispiel dem Internet der Dinge, der Künstlichen Intelligenz, der Virtuellen Realität oder dem 3D-Druck dar. Das Verschmelzen unterschiedlichster Technologien und Geschäftsmodelle in einem gemeinsamen Ökosystem ermöglicht neue Wertschöpfungsketten, sodass Krypto-Token in verschiedenen Wirtschaftsbereichen Verwendung finden können.

 

Krypto-Token könnten zudem recht bald eine anerkannte Anlageklasse repräsentieren und für institutionelle Anleger an Bedeutung gewinnen. Für Banken eröffnen sich dadurch interessante Chancen, Geschäftsmodelle zu ändern oder neue zu entwickeln, bei denen kryptographische Token als Basistechnologie genutzt werden. Erste Anwendungsbeispiele in der Finanzindustrie finden sich zum Beispiel im Bereich des Zahlungsverkehrs, der Handelsfinanzierung, bei der Vermögensverwaltung, dem Wertpapierhandel sowie beim Kreditwesen und dem Währungsmanagement.

Welchen Beitrag leistet die Token-Standardisierung?

Die wachsende Vielfalt und die hohe Innovationsgeschwindigkeit kryptographischer Token wirft zunehmend Fragen nach ihrer Spezifikation und ihren Eigenschaften auf. Gegenwärtig fehlt es noch an einem konkreten und ganzheitlichen Rahmen für die internationale Identifizierung, Klassifizierung und Analyse verschiedener Typen kryptographischer Token. Dies führt dazu, dass sowohl die rechtliche Bewertung als auch die technologische Einordnung auf nationaler Ebene unterschiedlich ausfallen kann. Internationale Standardisierung ist somit ein notwendiger, unterstützender Schritt, um die bei der Nutzung kryptographischer Token verbundene wirtschaftliche, technologische und rechtliche Unsicherheit zu überwinden und so ihre breite Akzeptanz zu fördern.

Um diesem Anspruch gerecht zu werden, muss die Klassifizierung eine breite Anwendung auf bestehende Krypto-Token finden und darf nicht nur als rein theoretisches Denkraster formuliert werden. Aus diesem Grunde nimmt der Bankenverband an der Initiative zur internationalen Token-Standardisierung ITSA teil.

Position des Bankenverbandes 

Krypto-Token und DLT haben das Potenzial, neue Geschäftsmodelle für Banken zu eröffnen.

Angemessene Regulierung ist wichtig für mehr Rechtssicherheit. Dies fördert das Vertrauen in neue Geschäftsmodelle und die zugrundeliegenden Technologien.

Standards und der regulatorische Rahmen müssen international sein, denn die Token-Ökonomie kennt keine Landesgrenzen.

Die internationale Token-Standardisierung führt zu mehr Transparenz und erleichtert die regulatorische Bewertung von Krypto-Token.

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Ansprechpartner

Jörg Schmiese

Bundesverband deutscher Banken e.V.

Director, Themengruppe Digitalisierung, TG Zahlungsverkehr

Tel. +49 30 1663 2313

joerg.schmiese@bdb.de

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