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Arbeitsmarkt

16.12.2021

Für das Ausbildungsjahr 2021/22 haben 17 Prozent der ausbildungsberechtigten Betriebe weniger Ausbildungsverträge abgeschlossen als vor der Corona-Krise im Ausbildungsjahr 2019/20, nur bei 10 Prozent liegt die Zahl höher. Unter den größeren Betrieben hat sogar fast die Hälfte weniger Ausbildungsverträge abgeschlossen als noch vor zwei Jahren. Das zeigt eine zwischen dem 6. und dem 20. September 2021 durchgeführte repräsentative Betriebsbefragung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Kurz nach dem Start des neuen Ausbildungsjahres waren damit noch fast 40 Prozent der angebotenen Ausbildungsplätze unbesetzt, wie die Mitte November veröffentlichte Studie ergeben hat. 

Zu wenige und zu wenig geeignete Bewerbungen

Was sind die Gründe hierfür? Knapp die Hälfte der betroffenen Betriebe gibt an, fehlende Bewerbungen seien der Hauptgrund dafür, dass Lehrstellen unbesetzt bleiben, wobei insbesondere kleinere Betriebe unter einem Mangel an Bewerbungen litten. Einen Mangel an geeigneten Bewerbungen wiederum geben jene Betriebe, die weniger Ausbildungsverträge abgeschlossen haben, mit 31 Prozent als zweithäufigste Ursache für die gesunkene Zahl an Neuverträgen an. Insbesondere größere Betriebe berichten, dass es ihnen an geeigneten Bewerbungen fehle. 

Betrachtet man die einzelnen Branchen, tun sich vor allem das Baugewerbe (60 Prozent unbesetzte Ausbildungsplätze), aber auch der Groß- und Einzelhandel (43 Prozent) schwer, ihre Ausbildungsstellen zu besetzen. Beide Branchen hatten auch schon vor der Pandemie Nachwuchssorgen, weil die Löhne nach der Ausbildung eher niedrig sind und Arbeitsbedingungen als nicht sehr attraktiv gelten.

Ausbildungsplatzangebot nur leicht rückläufig

Die allgemeine Situation dürfte sich inzwischen zwar etwas verbessert haben, da die Umfrage, zwischen dem 6. und dem 20. September stattfand. Dennoch setzt sich die Entwicklung aus dem vergangenen Jahr fort. Bereits im Ausbildungsjahr 2020/2021 waren deutliche Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf den Ausbildungsmarkt festzustellen. Nach Angaben des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) sank die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge gegenüber dem Vorjahr um 11 Prozent. Rückgänge waren dabei sowohl auf der Nachfrage- als auch auf der Angebotsseite des Ausbildungsmarktes auszumachen: Einerseits hatten viele Betriebe ihr Ausbildungsengagement gegenüber dem Vorjahr zurückgefahren. Andererseits hatten sich auch weniger Jugendliche um eine Lehrstelle beworben. In diesem Jahr berichten allerdings nur noch wenige Betriebe von pandemiebedingten Einschränkungen beim Ausbildungsplatzangebot. 

Das lässt sich auch aus den offiziellen Daten der Bundesagentur für Arbeit herauslesen, die mit den IAB-Daten nicht deckungsgleich sind, weil den Arbeitsagenturen nicht alle Ausbildungsplätze gemeldet werden. Während die Zahl der gemeldeten Bewerber bis Ende September gegenüber dem Vorjahreszeitraum noch einmal um 8,3 Prozent auf 433.000 abnahm, schrumpfte die Zahl der gemeldeten betrieblichen Ausbildungsplätze weniger stark: um 3,4 Prozent auf 496.000. Nach Arbeitsagentur-Angaben waren Ende September noch 63.200 oder knapp 13 Prozent der gemeldeten betrieblichen Ausbildungsplätze unbesetzt. 

Ursachen für Krise am Ausbildungsmarkt

Bereits seit einigen Jahren sinkt die Zahl der Ausbildungsplatzsuchenden aufgrund der demografischen Entwicklung und der zunehmenden Neigung junger Menschen, ein Studium einer betrieblichen oder schulischen Ausbildung vorzuziehen. Dieser Trend hat sich während der Covid-19-Krise verschärft. Ein wesentlicher Grund für die aktuelle Krise am Ausbildungsmarkt ist nach Ansicht vieler Fachleute, dass Praktika und Ausbildungsmessen wegen des langen Lockdowns kaum stattfanden, sodass interessierte Schulabgänger weniger Möglichkeiten hatten, die Betriebe kennenzulernen. Wegen der hohen Unsicherheit über die künftige Entwicklung der Krise bleiben zudem offenbar viele Jugendliche länger im Schulsystem oder beginnen ein Studium. Das IAB spricht angesichts dieser Entwicklung von einer „Corona-Krise der Ausbildung, die dramatische Folgen haben könnte“ – sowohl für das Fachkräftepotenzial in Deutschland als auch für die Lebenszufriedenheit junger Menschen. 

Was ist zu tun? Zuallererst, so das IAB, gelte es, Angebot und Nachfrage auf dem Ausbildungsmarkt besser zusammenzuführen. Praktika sowie die von der Bundesagentur für Arbeit geförderte Einstiegsqualifizierung sollten verstärkt angeboten beziehungsweise genutzt werden. Zugleich müssten auch neue Wege, beispielsweise über die sozialen Medien, beschritten werden, um das Interesse der Jugendlichen für eine betriebliche Ausbildung zu wecken. 

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