Selbstständige

Unternehmer/innen mit Migrationsgeschichte

Arbeitsmarkt

09.11.2020

Aus einer aktuellen Studie der Bertelsmann-Stiftung geht hervor, dass sich die Zahl der Selbstständigen mit Migrationshintergrund zwischen 2005 und 2018 um ein Drittel erhöht hat – auf fast 800.000. Sogar um 57 Prozent legte im Betrachtungszeitraum die Zahl selbstständiger Frauen mit Migrationshintergrund zu; mehr als ein Drittel aller Selbstständigen mit Zuwanderungsgeschichte sind dadurch heute Frauen. Die Zahl der in Migrantenunternehmen Beschäftigen wuchs zwischen 2005 und 2018 von rund 1 Million Personen auf rund 1,5 Millionen. Zu den Bürgern mit Migrationshintergrund zählen alle, die selbst eingewandert sind oder bei denen zumindest ein Elternteil im Ausland geboren wurde.

Weniger Selbstständige in Handel und Gastronomie

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Das Profil der Unternehmer und Unternehmerinnen mit Migrationshintergrund verändert sich. Mehr als die Hälfte der Selbstständigen mit Zuwanderungsgeschichte (55 Prozent) ist mittlerweile im Dienstleistungsbereich außerhalb von Handel und Gastronomie tätig. Handel und Gastgewerbe machen nur noch rund 25 Prozent aus, ein Rückgang um 13 Prozent im Vergleich zu 2005, wobei auch die absolute Zahl gesunken ist: um 18.000 auf knapp 198.000. In allen anderen Branchen – mit Ausnahme der Landwirtschaft – gab es 2018 mehr Unternehmer/innen mit Migrationshintergrund als 2005.

Selbstständigkeit ist ein Treiber für höheres Einkommen und Wohlstand. Unternehmer und Unternehmerinnen mit Migrationshintergrund haben ihr durchschnittliches monatliches Netto-Einkommen von 2005 bis 2018 um 32 Prozent oder gut 600 Euro auf rund 2.500 Euro steigern können. Damit übertreffen die Selbstständigen mit Migrationshintergrund das durchschnittliche Netto-Einkommen von abhängig Beschäftigten mit Migrationshintergrund um 44 Prozent. Letzteres liegt bei rund 1.700 Euro im Monat.

Negativer Trend in übriger Bevölkerung

Dass es 200.000 mehr Unternehmer/innen mit Einwanderergeschichte gibt als Mitte der Nullerjahre, liegt daran, dass ihre Bevölkerungszahl stark zugenommen hat. Die Selbstständigenquote der Personen mit Migrationshintergrund hingegen ist von 9,6 Prozent im Jahr 2005 zunächst auf 10,3 Prozent im Jahr 2012 gestiegen und danach auf 8,4 Prozent im Jahr 2018 gesunken. Die Zahl der abhängig Beschäftigten mit Migrationshintergrund ist also noch stärker gestiegen ist als die der Selbstständigen mit Migrationshintergrund. Aber ungeachtet dessen bremsen letztere den allgemeinen Rückgang an Selbstständigen. Denn in der übrigen Bevölkerung lässt sich ein deutlich negativer Trend erkennen: 2018 gab es fast 300.000 Selbstständige weniger als Mitte der Nullerjahre. Das hat damit zu tun, dass die Einwohnerzahl schrumpft und der Arbeitsmarkt lange boomte: In Zeiten der annähernden Vollbeschäftigung fallen jene Menschen weniger ins Gewicht, die vor allem deshalb den Sprung in die Selbstständigkeit wagen, weil sie so der Arbeitslosigkeit entkommen wollen.

Davon abgesehen weisen die Forscher von Bertelsmann darauf hin, dass die Deutschen weniger gern gründen als andere Nationen; (unternehmerisches) Risiko gelte hierzulande als gefährlich. Bürger mit Migrationshintergrund hingegen kommen mitunter aus einer Heimat mit mehr Gründerkultur. Anderen wird die zu Hause erworbene Qualifikation nicht anerkannt und von deutschen Firmen kein entsprechender Job angeboten, sodass es attraktiver erscheint, sich selbstständig zu machen.

Bessere Förderung notwendig

Die Selbstständigenquote unter den Menschen mit Migrationshintergrund ließe sich übrigens von knapp zehn auf 15 Prozent steigern, so die Autoren der Studie. Voraussetzung hierfür sei, dass der Staat bessere Förderungen anbieten und zu höheren Bildungsabschlüssen ermutigen würde.

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