Start-ups

Venture Capital: Nie dagewesene Bewährungsprobe

Unternehmensfinanzierung

Venture-Capital-Gesellschaften, auch Wagnisfinanzierer genannt, investieren in Start-ups meist aus der Tech-Branche und bringen neben ihrem Kapital auch ihr Netzwerk, ihr Know-how und ihre Reputation in das junge Unternehmen ein. Venture Capital wird insofern auch als eine Form der Entwicklungshilfe für eine Unternehmensidee angesehen. Ihre Rendite erwirtschaften Venture-Capital-Gesellschaften bei dem Verkauf, einer Übernahme oder einem Börsengang des Start-ups. Ein Großteil der Start-ups, in die investiert wird, scheitert zwar im Laufe der Zeit. Das Geschäftsmodell einer Venture-Capital-Gesellschaft ist jedoch darauf ausgerichtet, dass der kleine Teil, der später erfolgreich wird, den Verlust der anderen Ventures überkompensiert. Schätzungen zufolge gibt es rund 110 aktive Venture-Capital-Gesellschaften in Deutschland.

Unterschieden wird zwischen fondsgestützten und nicht-fondsgestützten Venture-Capital-Gesellschaften. Bei fondsgestützten Gesellschaften werden sogenannte Venture-Capital-Fonds aufgelegt, durch die sich die Investoren indirekt an jungen Unternehmen beteiligen und einen entsprechenden Anteil an deren Gewinn erhalten können. Die Venture-Capital-Gesellschaft verwaltet dabei den Fonds. Ihre Aufgaben erstrecken sich vom Einwerben der Gelder (fundraising), über die Investition in Beteiligungen, das Überwachen und Weiterentwickeln der Beteiligungen bis hin zur Deinvestition von Beteiligungen. Bei Venture-Capital-Gesellschaften, die unabhängig von einem Fonds aufgebaut sind, fließen die Mittel der Investoren direkt in die Venture-Capital-Gesellschaft. Dies kann zum Beispiel über die Ausgabe von Aktien geschehen.

Corona: Investoren auf Sicherheit bedacht

Wie sieht die gegenwärtige Finanzierungssituation aus? Die Ankunft der Corona-Pandemie in Deutschland hat der sehr guten Stimmung auf dem Venture-Capital-Markt ein jähes Ende bereitet, die deutschen Start-ups und ihre Geldgeber stehen vor einer nie dagewesenen Bewährungsprobe, so die einhellige Meinung der Experten. Auch fast alle Klimaindikatoren eines von der Förderbank KfW und dem Branchenverband BVK erstellten Barometers fallen im ersten Quartal deutlich in den roten Bereich. Die Bewertungen sowohl der aktuellen Geschäftslage als auch der Geschäftserwartungen der Wagnisfinanzierer sind massiv in den Keller gegangen. Die Stimmung bezüglich des Fundraisings – also der Aufnahme neuer Finanzmittel durch die Venture-Capital-Gesellschaften – sowie der Exitmöglichkeiten, der Neuinvestitionen und der erwarteten Wertberichtigungen hat sich ebenfalls stark verschlechtert. Einzig die Beurteilung der Einstiegsbewertungen – erfahrungsgemäß ein gegenläufiger Indikator – verbesserte sich.

Die Erfahrung zeige, so Experten, dass die Investoren in Zeiten der Krise mehr auf Sicherheit bedacht seien, sich daher auf die Portfoliopflege konzentrierten und mit Neuinvestitionen vorerst zurückhielten. Das drücke aufs Investitionsniveau. Dabei sei es gerade jetzt wichtig, die sehr guten Start-ups, die noch auf der Suche nach Investoren sind, nicht im Regen stehen zu lassen. Die Herausforderung werde folglich darin bestehen, die Weiterfinanzierung der Start-ups sowohl in der Breite als auch bei den großen Vorzeige-Gründern sicherzustellen. Ansonsten drohten irreparable Schäden am über die letzten Jahre mühsam aufgebauten Ökosystem. Die Venture-Capital-Branche sei aber gut kapitalisiert. Zudem habe die Bundesregierung reagiert und bereits ein Start-up-Programm zur Unterstützung aufgelegt.

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