Wachsende Marktmacht führt zu weniger Investitionen

Wachsende Marktmacht führt zu weniger Investitionen

IWF

Der IWF sieht in der wachsenden Macht großer Unternehmen, vor allem im Bereich der Informationstechnologie, immer höhere gesamtwirtschaftliche Risiken.

In seinem aktuellen Weltwirtschaftsausblick kommt der Internationale Währungsfonds (IWF) zum Ergebnis, dass die Marktmacht von Unternehmen Investitionen in den Industrieländern gedämpft habe und sich damit langfristig negativ auf die Produktivität auswirken könne. Bedenklich seien auch die Folgen für das wachsende Einkommens- und Wohlstandsgefälle, heißt es in der Studie; Ungleichheit könne gefördert werden. Deshalb fordert der Fonds vor allem Industrieländer auf, ihre Wettbewerbspolitik zu reformieren.

Steigende Gewinnspanne

Der Bericht untersucht circa 1 Million Unternehmen in insgesamt 27 Ländern. Als entscheidenden Faktor dafür, dass Unternehmen eine zu große Marktmacht errungen haben, sieht der Währungsfonds dabei eine größer werdende Relation von Verkaufspreisen zu Produktionskosten, sprich: eine steigende Gewinnspanne an. Ergebnis der Untersuchung: Von 2000 bis 2015 sind die Gewinnspannen aller Unternehmen in den Industriestaaten um durchschnittlich 8 Prozent gestiegen, wobei der Anstieg in den USA stärker war als in Europa. Einen deutlich geringeren Zuwachs ermittelte der IWF für Schwellenländer, wo die Differenz zwischen Endpreis und Kosten um lediglich 2 Prozent kletterte. Wichtig für Europa und insbesondere die USA: Fast überall ist für den Anstieg der Gewinnspanne nur ein kleiner Teil der Unternehmen verantwortlich.

Nachlassende Investitionen

Auffallend ist, dass die deutlichsten Zunahmen bei großen Dienstleistungsunternehmen gemessen wurden, die sich vorwiegend digitaler Technologie bedienen, beispielsweise Google oder Facebook. Ihre stärkere Marktmacht verdanken diese Konzerne ihrer technischen und organisatorischen Überlegenheit auf Märkten, die zunehmend die Marktführer belohnen; die IWF-Forscher sprechen von „Winner take the most“-Märkten. Positiv hebt der Bericht hervor, dass diese Firmen gegenüber dem Jahr 2000 um 30 Prozent produktiver arbeiten und dass sie um 50 Prozent profitabler sind. Diese höheren Gewinne infolge höherer Preise bedeuten, dass Konzerne trotz geringeren Outputs profitabel sein können. Das geringere Produktionsvolumen wiederum gehe mit einem geringeren Kapitalbedarf und mit weniger Investitionen einher. Das belegen auch die Zahlen: Unterm Strich seien die Investitionen seit dem Jahr 2000 um 0,4 Prozent gesunken. Unternehmen mit den stärksten Preissteigerungen hätten ihre Investitionen sogar um mehr als 2 Prozent zurückgeschraubt.

Obwohl sich die makroökonomischen Folgen bisher in Grenzen hielten, müssen sich laut Währungsfonds die Wettbewerbspolitik und Kartellbehörden darauf konzentrieren, die Marktmacht der dominantesten Firmen in Schach zu halten. Ansonsten sei ein weiterer Investitionsrückgang und ein immer größeres Einkommensgefälle zu befürchten. Ab einer gewissen Größe gehe die Konzentration auch zulasten der Produktivität, da die größten Konzerne keinen Anreiz mehr hätten, sich durch Innovation von ihrer Konkurrenz abzusetzen. Der IWF sieht obendrein die Gefahr, dass mit zunehmender Marktmacht von Unternehmen die Ungleichheit wächst. Erste Indizien gebe es, wonach der schrumpfende Anteil der Lohneinkommen am gesamten Einkommen zum Teil auf zunehmende Marktkonzentration zurückzuführen ist.

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