Währungen aus aller Welt – Teil 2: Woher kommt eigentlich der Dollar?

Weltweit gibt es mehr als 20 verschiedene Dollar-Währungen. Doch der Ursprung des Dollars liegt – anders als man denkt – nicht in den USA, sondern in Böhmen.

In unserer neuen Reihe blicken wir auf die Herkunft von Währungen aus der ganzen Welt. Im ersten Teil haben wir mit Gulden, Kreuzer und Käsch Währungen aus vergangenen Zeiten nachgespürt. Heute geht es um ein globales Schwergewicht: den Dollar.

Sie kennen ihn alle: den US-Dollar, die Währung der Vereinigten Staaten. Aber wussten Sie schon, dass dieser auch offizielles Zahlungsmittel in vielen anderen Ländern ist, zum Beispiel in Ecuador oder Osttimor? Oder dass es mehr als 20 weitere Dollar-Währungen gibt, unter anderem in Kanada, Australien, Hongkong und auf zahlreichen Karibik-Inseln? 

Angesichts dieser Dominanz erscheint es umso erstaunlicher, dass der Dollar gar nicht aus den USA stammt – zumindest wenn man auf die Herkunft seines Namens blickt: Die Bezeichnung hat ihren Ursprung in Böhmen, heute ein Teil der Tschechischen Republik, damals im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation gelegen. 

Um 1520 produzierten einheimische Patrizier die ersten sogenannten Joachimstaler auf Burg Freudenstein. Der Name geht auf die umliegende Gemeinde Sankt Joachimsthal (heute Jáchymov) zurück. Diese Silbermünze hat bis heute einen immensen Einfluss auf die Geldgeschichte. Im Deutschen kürzte man den Namen auf Taler. Diesen Begriff übernahm man in zahlreiche Sprachen. So wurde aus dem Taler im Tschechischen dolary, im Polnischen talar, im Italienischen tallero, im Schwedischen daler und im Englischen dollar.

Der lange Weg in die Vereinigten Staaten 

Der Ursprung der US-amerikanischen Währung liegt im Jahr 1690. Damals existierten 13 britische Kolonien an der Ostküste der heutigen USA. Diese erhoben für ankommende Lieferanten Zoll an ihren Grenzen – nahmen jedoch keine britischen Pfund an. Der Grund: Die USA wollte abgespalten vom Mutterland Großbritannien eine eigene Industrie- und Finanzwirtschaft aufbauen. Der Regierung in London missfiel das; sie verbot 1704 das Prägen von Münzen in den Kolonien. 

Daraufhin verwendeten die Kolonialisten Amerikas zunächst spanische oder niederländische Zahlungsmittel. Spanische Silbermünzen wurden dabei häufig als Spanish Dollars bezeichnet, abgeleitet von den Talern aus Böhmen. Nachdem 1775 der Unabhängigkeitskrieg begann, legte die Regierung der Kolonien den Kontinental-Dollar als neue Währung fest. 1792 wurde schließlich der Dollar auch gesetzlich die offizielle Währung der Vereinigten Staaten.

Hongkong und Kanada sind die ersten Nachfolger

In Kanada und Hongkong verlief die Einführung des Dollars ähnlich wie in den USA. Lange versuchte die britische Besatzungsmacht, das Pfund als Währung in den Kolonien durchzusetzen. In Kanada gelang dies für einige Zeit, doch der Einfluss der US-Wirtschaft war so groß, dass 1871 mithilfe des Uniform Currency Act / Loi sur l'uniformité de la monnaie der Kanadische Dollar eingeführt wurde. 
Im Freihandelshafen von Hongkong wurde neben indischen Rupien vor allem mit den Spanish Dollars gehandelt. Daher entschloss sich die britische Besatzung 1863 schließlich dazu, dieses System in Hongkong offiziell umzusetzen – der Hongkong-Dollar war geboren.

Protest gegen das veraltete System: Australien und Neuseeland

Von 1910 bis 1966 war in Australien das Australische Pfund offizielle Währung. Erst 1966 führte Down Under den Australischen Dollar ein. Grund: das damalige komplizierte Münzsystem der Briten. Anders als heute beruhte dies nicht auf dem üblichen Dezimalsystem; ein Pfund wurde in 20 Schilling unterteilt und dieser in jeweils zwölf Pence. 

Zunächst legte die Regierung  den Begriff Royal als Namen für die neue Währung fest. Da dieser im Volk jedoch wenig Anerkennung fand, benannte man die Währung schließlich nach dem Vorbild der USA: Dollar. Nur ein Jahr später führte Neuseeland aus demselben Grund wie Australien – die Vorteile des einfacheren Dezimalsystems – den Neuseeland-Dollar ein.

Dollar auf der ganzen Welt

Um in den damaligen Überseegebieten Großbritanniens ein einheitliches Währungssystem zu schaffen, wurde 1935 in den karibischen Kolonien zunächst der Westindische Dollar eingeführt. Nachdem Trinidad und Tobago 1964 aus der Währungsunion ausgestiegen war, wurde aus dem Westindischen Dollar der Ostkaribische Dollar. Er gilt heute in sechs unabhängigen Kleinstaaten sowie zwei britischen Überseegebieten.

Sogar in Afrika findet man den Dollar. Liberia wurde einst als Staat für ehemalige Sklaven aus den USA gegründet. Deshalb galt dort zunächst der US-Dollar. Auch heute ist dieser neben dem liberianischen Dollar noch als offizielles Zahlungsmittel anerkannt. 

Hier finden Sie eine Liste aller Länder, die den Dollar als offizielle Währung führen.

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